Ludwigslust / Dömitz : Ein leiser Abschied zum Abitur

Die Abi-Pullover werden Willem, Nele, Skadi, Alexander, Wiebke und Johann (v.l.) immer an ihren besonderen Abschlussjahrgang erinnern.
Die Abi-Pullover werden Willem, Nele, Skadi, Alexander, Wiebke und Johann (v.l.) immer an ihren besonderen Abschlussjahrgang erinnern.

Abschlussbälle in Ludwigslust und Dömitz fallen coronabedingt aus - Zeugnisübergaben nur im kleinen Rahmen möglich

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19. Juni 2020, 05:00 Uhr

Das Kleid für ihren Abiball hat Nele schon im November gekauft. „Damals kannte ich das Wort Corona noch nicht.“ Jetzt hat dieses Wort der Schülerin und ihren Klassenkameraden den Abschluss versaut. Keine Mottowoche, kein letzter Schultag und jetzt auch kein Abiball. Am morgigen Sonnabend werden am Ludwigsluster Goethe-Gymnasium die Abiturzeugnisse überreicht. Aber der große Ball mit Familie und Freunden muss in diesem Jahr coronabedingt ausfallen.

„Wir sind ja froh, dass wenigstens die Zeugnisübergabe stattfindet. Denn das war eine Zeit lang ja auch ungewiss“, erklärt Abiturient Willem. Am Sonnabend um 11 Uhr findet die Zeugnisübergabe in der Sporthalle des Gymnasiums statt. „Dank einer Sondergenehmigung können wir eine Übergabe mit allen Schülern feiern. Das war auch ihr Wunsch. Aber so können die Eltern diesen Moment leider nicht miterleben, denn wir dürfen nur 130 Personen in die Halle lassen“, erklärt Schulleiter Ekkehard Detenhoff. Trotzdem wolle man den Moment so feierlich wie möglich begehen, um die 108 Abiturienten in ihren neuen Lebensabschnitt zu verabschieden. „Meine Eltern sind schon sehr traurig, dass sie nicht dabei sein können. Sie haben mich an meinem ersten Tag zur Schule gebracht, und jetzt hätten sie mich auch gerne an meinem letzten begleitet“, erklärt Alexander. Und Skadi ergänzt: „Auf den Abiball freut man sich ja eigentlich auch schon seit der 7. Klasse. Jetzt gibt es keinen richtigen Abschluss, es ist ein offenes Ende.“ Trotzdem wollen die Schüler am Sonnabend feiern. „In diesem Jahr gibt es eben viele kleine, private Abibälle in der ganzen Stadt“, erklärt Johann.

Und nicht nur der Abiball und damit der Abschluss der Schulzeit ist wegen Corona durcheinander. Auch die Zukunftspläne der jungen Leute haben sich teilweise kurzfristig geändert. „Ich wollte eigentlich für ein Jahr nach Argentinien und für eine christliche Organisation arbeiten. Aber das verschiebe ich jetzt lieber“, erklärt Johann. Auch Alexander wollte nach dem Abi reisen und die Welt entdecken. „Jetzt werde ich mich für einen Medizin-Studienplatz bewerben. Aber es ist schade, dass ich nicht reisen kann. So frei wie jetzt sind wir vielleicht nie wieder.“ Auch Willem wollte reisen, nutzt die freie Zeit bis zum Studium im kommenden Jahr jetzt aber für verschiedene Praktika.

Ihre langen Kleider und die schicken Anzüge wollen die Schüler bei der Zeugnisübergabe aber trotzdem tragen. „Damit es sich wenigstens irgendwie wie ein Abschluss anfühlt“, hofft Wiebke. Und auch die letzte gemeinsame Zeit mit allen Mitschülern wollen die Abiturienten trotz aller Umstände genießen. „Vielleicht holen wir unseren Abiball einfach im nächsten Jahr nach“, erklärt Nele.


Dömitzer feiern mit Eltern

Auch am Gymnasialen Schulzentrum in Dömitz werden am Sonnabend die Abitur-Zeugnisse überreicht. Allerdings dürfen hier die Eltern den besonderen Moment gemeinsam mit ihren Kindern erleben. „Wir haben 35 Abiturienten. Und mit Hygienekonzept ist es möglich, dass die Eltern dabei sein können. Aber leider auch nicht alle Lehrer“, erklärt Schulleiterin Evelyn Timmermann.

Die Zeugnisübergabe findet in der Mehrzweckhalle in Neu Kaliß statt. Auf den Einmarsch, das Gruppenfoto und den Abiball müssen die Schüler aber trotzdem verzichten. „Es wird keine Feier, wie wir sie sonst kennen. Kein großes Programm, keine Umarmung zum Abschied. Ich denke, dass da noch ein paar mehr Tränen als sonst fließen werden,“ sagt Evelyn Timmermann.

Der Abitur-Jahrgang 2020 ist eben ein ganz besonderer. In den Schulen unserer Region ebenso wie im ganzen Land.

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