Polizeiarbeit zu Silvester in Ludwigslust : „Keine Nacht wie alle anderen“

Polizeikommissar Lukas Klempert ist Schichtleiter in der Silvesternacht und koordiniert alle Einsätze.
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Polizeikommissar Lukas Klempert ist Schichtleiter in der Silvesternacht und koordiniert alle Einsätze.

SVZ-Volontärin Dénise Schulze begleitete die Beamten des Polizeihauptreviers Ludwigslust beim Jahreswechsel

nnn.de von
01. Januar 2018, 20:45 Uhr

„Lewitz 10/13 für 10“, funkt Polizeikommissar Lukas Klempert, während er die Position des Streifenwagens auf dem Bildschirm überprüft und nebenbei einen Tätigkeitsbericht anlegt. Der 25-Jährige ist Schichtleiter in der Silvesternacht und organisiert das Geschehen vom Polizeihauptrevier Ludwigslust aus. Es ist 22 Uhr, die Kollegen der 10/13 sind gerade bei einem Verkehrsunfall in Milow. „Ein Mann ist mit seinem Wagen von der Straße abgekommen, hat einen Telefonmast umgefahren und sich überschlagen. Er war alkoholisiert“, erklärt mir, SVZ-Volontärin Dénise Schulze, Lukas Klempert. Ich hospitiere den Beamten in der Silvesternacht. „Keine Nacht wie alle anderen“, wie die siebenköpfige Gruppe mir versichert.

Seit Dienstbeginn um 18 Uhr gab es einen brennenden Postkasten in der Breiten Straße Ludwigslust sowie einen Störer in Dömitz. „Ein junger Mann hat vermehrt Böller an die Scheiben der Nachbarn geworfen“, so Lukas Klempert. Der junge Mann ist polizeibekannt. Über das System „Inpol M-V“ hat Lukas Klempert Zugriff auf personenbezogene Daten. Innerhalb weniger Sekunden kann er seinen Kollegen Geburtsdatum, Wohnort und eventuelle Vorstrafen liefern. Für Lukas Klempert ist es die erste Silvesternacht im „Innendienst“. Der Ludwigsluster ist seit 2011 bei der Polizei.

Sekt und Berliner zum Jahreswechsel

„Mal sehen, ob es alle zu Mitternacht einmal hierher schaffen, damit wir wenigstens kurz anstoßen können“, sagt Lukas Klempert. Auf dem Bildschirm ist zu erkennen, dass die drei Streifenwagen auf dem Weg nach Ludwigslust sind. Im Besprechungsraum stehen schon alkoholfreier Sekt und Gläser bereit, eine Kollegin vom Kriminaldauerdienst (KDD) hat Berliner für alle besorgt. „10 bitte Tor“, rauscht es durch den Funk. „Jetzt kommen alle zurück ins Nest“, sagt Lukas Klempert schmunzelnd. Gemeinsam wird von zehn runtergezählt, angestoßen und alles Gute für 2018 gewünscht. Dann ist auch kurz Zeit, um draußen das farbenfrohe Feuerwerk zu bestaunen, welches rund um das Hauptrevier erleuchtet. „Und jetzt alle wieder auf die Wagen“, ermahnt Lukas Klempert in einem gespielt strengen Ton seine Kollegen.

Ausgerüstet mit Kamera, Block und Stift steige ich in den VW Passat. Das erste Mal, dass ich in einem Streifenwagen sitze. Polizeiobermeisterin Denise Bosbach und Polizeimeister Jan Schröder, Streifenwagen Lewitz 10/13, nehmen mich mit auf Streife. „Jetzt schauen wir uns erst einmal um“, erklärt Denise Bosbach. Die 35-Jährige ist seit 2002 bei der Polizei und seit 2005 in Ludwigslust tätig. Im Parkviertel entdecken wir eine größere Menschenmenge, die auf der Straße tanzend das neue Jahr begrüßt. „Nichts Verbotenes, solange sie die anderen Autos in Ruhe lassen und nicht in den Straßenverkehr eingreifen“, erklärt Jan Schröder.

Drogenkonsum und kein Licht

In der Kanalstraße treffen Denise Bosbach und Jan Schröder auf einen alten Bekannten. Der junge Mann ist ohne Licht Fahrrad gefahren. „Den halten wir mal an“, sagt Denise Bosbach. Einen Ausweis hat er nicht dabei, seinen Namen kennt die Polizeiobermeisterin aber auch ohne. Jan Schröder testet die Pupillenreaktion des Radfahrers, der freiwillig gesteht, Haschisch bei einem Freund geraucht zu haben. Da er keine Drogen am Körper trägt, darf er mit seinem Fahrrad weiterschieben. „Von Amts wegen wird aber eine Anzeige erstattet“, so Denise Bosbach. Zu jeder Tätigkeit muss außerdem ein Bericht von den Beamten angefertigt werden.

Während wir uns gegen 1 Uhr auf den Weg nach Grabow machen und über die Polizeiarbeit, die Generationenunterschiede und die Erlebnisse der beiden Beamten sprechen, brechen Denise Bosbach und Jan Schröder mitten im Satz ab, konzentrieren sich auf den Knopf im Ohr, der den Funk übertragt. „Eine Leiche“, sagt Jan Schröder an mich gewandt. Wir machen uns auf den Weg in die Ludwigsluster Innenstadt, wo schon Rettungswagen und Notarzt stehen. „Wir schauen uns das erstmal an“, sagt Denise Bosbach, ich warte im leichten Nieselregen vor der Haustür. Ein 61-jähriger Mann wurde  leblos im Hausflur entdeckt. Ein Fall für die Kollegen des KDD, die kurze Zeit später vor Ort sind. „Wir können weiter“, erklärt Jan Schröder. Den Anblick einer Leiche könnten beide mittlerweile verkraften. „Viel schlimmer aber ist es, diese Nachricht den Angehörigen zu überbringen“, sagt Denise Bosbach. Für diese Fälle werden die Polizeibeamten in einem einwöchigen Lehrgang speziell geschult.

Falscher Alarm

Als wir gegen halb 3 zurück ins Revier fahren, damit Denise Bosbach und Jan Schröder bereits den ersten Schreibkram erledigen können, kommt bei Lukas Klempert ein Notruf einer Frau an, die hysterisch ins Telefon ruft und berichtet, dass ihr Mann und ihr Sohn in eine Schlägerei in der Lindenstraße verwickelt seien. Sofort springen wir wieder auf, mit Blaulicht geht es in die Ludwigsluster Innenstadt. Ein weiterer Streifenwagen sowie ein ziviles Fahrzeug des KDD folgen uns. Vor Ort dann – Nichts. „Das hier ist kein Wohnhaus und auch sonst ist Niemand auf der Straße“, sagt Denise Bosbach während sie und ihre Kollegen die nähere Umgebung mit Taschenlampen absuchen. Über Funk dann die Erklärung: Die Frau hat in der Aufregung nicht den Ort genannt, die Schlägerei soll sich in der Nähe von Parchim ereignen. „Sowas passiert natürlich auch immer mal wieder“, so Jan Schröder.

Wir fahren noch eine Streife durch Neustadt-Glewe, führen eine Verkehrskontrolle durch und schauen bei einem Fehlalarm einer Brandmeldeanlage vorbei. Auch in Groß Laasch sind die Straßen bereits menschenleer und ruhig. „Trotzdem ist in diesem Jahr nach Mitternacht überdurchschnittlich mehr los“, erklärt mir Lukas Klempert, als wir gegen 4 Uhr zurück im Revier sind. Für mich endet die Nachtschicht hier, Denise Bosbach, Jan Schröder und ihre Kollegen müssen noch zwei Stunden durchhalten. „Und morgen ist dann für alle Ausschlaftag“, erklärt mir Jan Schröder abschließend.

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