Neustadt-Glewe : Konkurrenz der Anbieter: Erdgas gegen Erdwärme?

Das Erdwärme-Heizwerk in Neustadt-Glewe
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Das Erdwärme-Heizwerk in Neustadt-Glewe

Ausgerechnet in Neustadt-Glewe mit seiner Thermalwasserquelle: Wemag warb für Gas

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29. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Zuerst dachte ich, dass wäre ein schlechter Witz“, sagt Christian Rosenkranz. Sein Neustädter Unternehmen R & R Immobilien Verwaltungs GbR erhielt nämlich kürzlich Post von der Wemag. In dem Schreiben preist der Energieversorger fallende Gaspreise an und bietet dem Empfänger des Briefes „besonders günstige“ Angebote für Erdgas.

Christian Rosenkranz, dessen Unternehmen selbst Erdwärme bezieht, ist Aufsichtsratsvorsitzender der Erdwärme Neustadt-Glewe GmbH. Die versorgt etwa 70 Prozent (über 1400 Haushalte) der Bewohner Neustadt-Glewes (ohne Ortsteile). Dazu wird 97 Grad heißes Thermalwasser aus rund 2300 Metern Tiefe gepumpt. So können Wohnhäuser und Unternehmen mit umweltfreundlicher Heizenergie versorgt werden. Seit nunmehr 25 Jahren trägt die Erdwärme GmbH dazu bei, dass Neustadt-Glewe dem Ziel, CO2 -neutrale Stadt zu werden, näher kommt. „Und da hauen die uns mit Kampfpreisen für Erdgas dazwischen“, schimpft Christian Rosenkranz.

Denn es gibt noch einen pikanten Fakt: Die technische und kaufmännische Geschäftsführung der Erdwärme GmbH Neustadt-Glewe wird von der Wemag wahrgenommen. So kommt es dann, dass der Technische Geschäftsführer der Erdwärme, Torsten Hinrichs, zur Wemag gehört. Er zog auf der jüngsten Stadtvertretersitzung in Neustadt-Glewe eine Jahresbilanz der Erdwärme GmbH. Auf die Frage von Rosenkranz, was es mit besagtem Schreiben auf sich habe, meinte Hinrichs u. a., man solle es nicht so ernst nehmen. Christian Rosenkranz, CDU-Fraktionschef in der Stadtvertretung, auf SVZ-Nachfrage: „Ich weiß nicht, wer in Neustadt-Glewe dieses Schreiben bekommen hat. Wir als CDU-Fraktion werden die anderen Fraktionen und die Bürgermeisterin einladen, um über ein Mandat zu sprechen, die Preise zu senken.“

SVZ fragte auch bei der Wemag nach und erhielt von Pressesprecherin Diana Kuhrau eine schriftliche Antwort. Darin heißt es u. a.: „Es ist richtig, dass…der Vertrieb der Wemag personalisiert Kunden im Gasnetzgebiet Westmecklenburg angeschrieben hat, um auf aktuell günstige Preise im Erdgas zu verweisen. Dieses Schreiben haben explizit gewerbliche Kunden erhalten, die bereits über einen Erdgasanschluss verfügen. So war die Zustellung bei der Deutschen Post beauftragt worden. Dabei haben auch einige Gewerbetreibende in Neustadt-Glewe dieses Schreiben erhalten. Möglicherweise gab es abweichende Zustellungen, die jedoch nicht durch den Auftrag der Wemag abgedeckt waren…Zentrale Botschaft des Schreibens war der Preisvergleich im Erdgas gegen einen Wettbewerber der Wemag und nicht gegen die Erdwärme Neustadt Glewe GmbH.“ Die Wemag habe als Beteiligungsunternehmen an der Erdwärme Neustadt-Glewe kein Interesse an einer Konkurrenzsituation, so Diana Kuhrau.

Neustadt-Glewes Bürgermeisterin Doreen Radelow: „Bei uns ist nicht hinterlegt, wer ein solches Schreiben bekommen hat. Wir streben an, CO2-freie Stadt zu werden. Da hätte die Wemag in einem Schreiben für Erdwärme werben können.“

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