Ludwigslust : Mit wenig Geld gesund essen

Teilnehmerinnen des Kurses bereiten einen Salat zu. Fotos: andreas münchow
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Teilnehmerinnen des Kurses bereiten einen Salat zu. Fotos: andreas münchow

Gemeinsames Projekt von Jobcenter und gesetzlichen Krankenkassen für Arbeitslose in Ludwigslust stellt ausgewogene Ernährung in den Mittelpunkt

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11. November 2017, 12:00 Uhr

„Eine Scheibe Mischbrot mit Leberwurst zum Frühstück, mittags Gulasch...“ Gewissenhaft schreibt Andreas B. auf, was er am Vortag gegessen hat. Der 54-Jährige gehört zu einer Gruppe arbeitsloser Frauen und Männer aus der Region, die an einem ganz speziellen Projekt teilnehmen.

Petra Müller, Teamleiterin im Jobcenter Ludwigslust-Parchim erläutert: „Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt zum Thema ,Arbeits- und Gesundheitsförderung’, in dem bundesweit über 50 Jobcenter und die gesetzlichen Krankenkassen zusammenarbeiten, darunter auch das Jobcenter Ludwigslust-Parchim.“ Arbeitslose nutzen dabei Angebote der Krankenkassen für eine gesunde Ernährung.

Über mehrere Monate treffen sich die Teilnehmer des Ludwigsluster Kurses einmal pro Woche (insgesamt zwölf Termine) im Mehrgenerationenhaus. An diesem Vormittag bittet Ernährungslotsin Denise Reymann aus Wismar, die den Kurs leitet, die Teilnehmer aufzuschreiben, was sie am Vortag gegessen haben. Und hakt hier und da kritisch nach. „Wo ist denn hier das Obst“, fragt sie eine der Teilnehmerinnen. Die verweist auf den Joghurt, den sie am Vortag gegessen hat. „Joghurt ist kein Obst, da wird nur etwas Obst reingemischt“, klärt Denise Reymann auf.

Andreas B. arbeitete zuletzt als Wachschutzmann, ist jetzt arbeitslos und lebt von ALG II: „Wirklich gesund ernähren, das geht von dem Geld nicht mehr“, sagt der 54-Jährige. „Früher habe ich beim Schlachter eingekauft, achtete darauf, dass Fleisch und Wurst auch Qualität hatten. Heute geht es beim Einkaufen nicht mehr um Qualität, sondern nur noch um einen möglichst geringen Preis und darum, dann irgendwie satt zu werden. Also kaufe ich statt beim Fleischer im Supermarkt ein, statt Qualitätswurst gibt es industriell hergestellte Wurstwaren. Und weil man ja auch noch für andere Dinge wie Strom bezahlen muss, reicht das Geld eben nicht 30 Tage im Monat, sondern manchmal nur noch 25 Tage.“

Wie Petra Müller vom Jobcenter sagt, sei das Projekt auch eine Präventionsmaßnahme: Den Teilnehmern soll ermöglicht werden, dass sie durch entsprechende Ernährung zur eigenen Gesundheit beitragen, bestärkt werden, sich am aktiven Leben zu beteiligen und so schließlich bessere Chancen haben, wieder in einen Job zu kommen.

„Wichtig dabei ist vor allem die Nachhaltigkeit“, betont Ernährungslotsin Denise Reymann. „Es kommt nicht darauf an, unter allen Umständen eine Diät zu machen und mit aller Gewalt abnehmen zu wollen. Wichtig ist eine wirklich gesunde Ernährung, ohne dabei hungern zu müssen.“ Wie die Expertin sagt, essen wir zum Beispiel meist zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse. „400 Gramm Gemüse sollten es pro Tag schon sein“, empfiehlt sie und gibt gleich noch einen Tipp: „Eine mediterrane Ernährung, also Fisch, Gemüse und Olivenöl, ist auf jeden Fall gesund.“

Und natürlich gibt es im Kurs nicht nur Theorie, was man essen sollte und was nicht. Zum Mittag bereiten die Teilnehmer aus mitgebrachtem Gemüse einen zünftigen Salat, der dann auch gleich verzehrt wird.

„Das Jobcenter hat mir vorgeschlagen, am Kurs teilzunehmen und ich bereue es nicht“, meint Andreas B. „Sonst würde ich doch nur zu Hause sitzen, hier aber lerne ich nette Leute kennen, habe etwas zu tun und erfahre vor allem auch, wie ich mich unter den gegebenen Umständen entsprechend ernähren kann.

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