Neustadt-Glewe : „Posthaus“ auf Stadtplan anno 1738

Gerhard Düker findet immer wieder interessante Fakten zur Historie.
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Gerhard Düker findet immer wieder interessante Fakten zur Historie.

Hobbyforscher und Autor Gerhard Düker untersucht die Geschichte von Neustadt-Glewes Straßen und Häusern

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03. Januar 2018, 05:00 Uhr

„Dort oben, das ist das sogenannte Posthaus. Seltsam ist nur, dass es in der Stadt nie ein Posthaus gab.“ Gerhard Düker zeigt auf eine Stadtansicht von Neustadt-Glewe aus dem Jahre 1738.

Der Neustädter Hobbyforscher und Autor, sein jüngstes Buch „Neustadt-Glewe – Eine mecklenburgische Kleinstadt von den Anfängen bis zur Gegenwart“ erschien 2017, untersucht derzeit die Geschichte der Straßen und Gebäude Neustadt-Glewes. Er hat bereits eine ganze Menge historischer und auch spannender Fakten zusammengetragen. Wie beispielsweise die Sache mit dem „Posthaus“. „Das Gebäude stand laut Plan von 1738 ungefähr dort, wo sich heute unser Rathaus befindet. Nur, unser heutiges Rathaus ist es nicht, das wurde erst 1806 fertig. Und nach dem Stadtbrand von 1728 gab es eigentlich überhaupt kein richtiges Rathaus. Die Bürgermeister und Ratsherren nahmen ihre Unterlagen damals mit nach Hause.“

Für Düker ergibt sich nun die Frage, um was für ein Gebäude es sich handelt. „Ein so großes und repräsentatives Gebäude gab es damals bei der Post jedenfalls nicht. Da muss ich noch nachforschen“, schmunzelt Düker.

Bei einem anderen Gebäude auf einem Plan von 1881 dagegen ist die Historie schon eindeutiger. Es handelt sich um den Eingangsbereich der ehemaligen Kartoffelstärkefabrik. Nachdem der Besitzer sie verkauft hatte, beherbergte das Haus die Pförtnerei der Johann-Albrecht-Werke, die u. a. Eisenbahnwaggons herstellten. Besagtes Gebäude steht noch heute nahe der Elde.

Gerhard Düker durchstöbert für seine Forschungen Archive, wie zum Beispiel das Kreisarchiv in Ludwigslust, freut sich, wenn Neustädter ihm Dokumente oder Fotos zur Verfügung stellen und trifft sich auch mit Historikern. „Mich interessiert dabei nicht nur, wann die Häuser gebaut wurden, sondern auch, wer der Besitzer war, wer darin gewohnt hat und welchen Beruf er hatte“, so Gerhard Düker. Hilfreich für den Hobbyforscher sind dabei beispielsweise auch Dokumente zu Volkszählungen – derzeit speziell zwischen 1867 und 1925. Interessant zum Beispiel, was Düker zu einem Wohnhaus in der heutigen Breitscheidstraße herausfand: „Laut einem Dokument wohnte dort 1917 Schlossermeister Karl Armster. Das Ehepaar hat von Juni bis September 1930 Geld gefälscht. Im November 1937 verkaufte laut Dokument dann Frau Armster das Haus“, weiß Gerhard Düker.

Interessant auch, was er zum Alter der Häuser in der Stadt herausfand. Demnach entstanden fast alle der heutigen Gebäude in Neustadt-Glewe nach dem Brand von 1728. „In der Wasserstraße allerdings gibt es Häuser, die vor 1728 entstanden und das Inferno überstanden“, weiß Düker. „Damals gab es nicht nur hinter, sondern auch unmittelbar vor den dortigen Häusern einen Wassergraben, der verhinderte, dass die Flammen auf die Gebäude übergreifen konnten.“

Die Ergebnisse seiner Forschungen zu den Straßen und Gebäuden will Gerhard Düker dem Kreisarchiv zur Verfügung stellen. „Allerdings ist auch in der Geschichtsforschung nichts endgültig. Was heute noch stimmt, kann durch weitere Forschungen morgen bereits so nicht mehr wahr sein“, sagt Gerhard Düker.

Deshalb seien Forschungen eigentlich nie wirklich abgeschlossen.

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