Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Sandposse an der Badestelle Illegal aufgeschütteter Sand am Woseriner See sorgt für Ärger

Von Roland Güttler | 09.06.2021, 17:39 Uhr

Plötzlich liegt Sand am Ufer des Sees. Viele im Ort finden es schön, die Naturschutzbehörde aber nicht.

Die Badestelle am Woseriner See liegt idyllisch: mit kleinem Steg, ein Schwarm von kleinen Fischen zieht im klaren Flachwasser seine Bahn, sowie einer grünen Liegewiese. Neuerdings liegt zudem Sand am Übergang ins Wasser. Die Kinder haben hier bereits erste Spuren hinterlassen: mit Förmchen und Buddeleimer ihren „Sandkuchen“ gebacken oder anderweitig ihrer Phantasie freien Lauf gelassen.

Doch der Sand sorgt für Ärger in der Gemeinde Borkow, zu der Woserin gehört. Ja, die „kleine Sand-Posse“, wie es Landkreissprecher Andreas Bonin nennt, beschäftigt am Donnerstag, 10. Juni, sogar die Gemeindevertretung. Diese tagt ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Borkow.

Laut Bürgermeister Martin Wagner, selbst Woseriner, war die Sandaufschüttung nämlich „weder abgesprochen noch erlaubt – noch ist sie im Interesse der Gemeinde!“ 2020 habe es einen Antrag von einem Interessenten zwecks Sandaufschüttung gegeben, „der wurde von der Unteren Naturschutzbehörde abgelehnt“.

Beräumung des Sandes würde noch mehr zerstören

Jetzt kam der Sand einfach so hin. Von wem auch immer. Der Bürgermeister weiß es jedenfalls nach eigenem Bekunden nicht. Die Sache ist inzwischen auch bis zur Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim vorgedrungen. „Die hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet“, so Kreissprecher Bonin gegenüber SVZ. Man müsse mit „Verärgerung das hinnehmen, was passiert ist“. Eine Beräumung des Strandsandes würde allerdings „mehr zerstören, als durch die Aufschüttung zerstört worden ist. Also werden wir am Status nichts ändern“, sagt Andreas Bonin. „Es ist dreist: Nach der Ablehnung wird es einfach so gemacht!“ Wobei auch dem Kreissprecher klar ist, dass der Verursacher unbekannt ist. Und sich ein etwaiger Rückschluss zum 2020er-Antrag rechtlich verbietet.

Badestelle ist Teil eines Naturschutzgebietes

Hintergrund des Ganzen ist: Die Woseriner Badestelle liegt laut Bonin „in einem Naturschutzgebiet. Und da sind Aufschüttungen jeder Art nicht erlaubt!“. Der Vorjahresantrag zur Kiesaufschüttung am Woseriner Strand belief sich übrigens „auf 35 Tonnen“. Jetzt liegt da augenscheinlich weniger Sand. Und dennoch bleibt es bei der Aussage des Kreises, dass man darüber alles andere als erfreut sei.

Andere erfreut der Sandstreich, wer immer war, indes durchaus. Eine Frau, die gerade zur Badestelle kommt, meint zum kleinen Sandstrand: „Alle im Dorf finden es schön, bis auf zwei vielleicht.“ Sie will lieber inkognito bleiben, das bringe sonst „nur böses Blut“. Donnerstag sei das ja „Thema in der Gemeinde. Da werden deswegen bestimmt einige hingehen“, meinte sie zum Abschied.