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St. Georgenkirche in Parchim Großes Bauen geht nach 13 Jahren aufs Ende zu

Von Christiane Großmann | 16.10.2020, 07:00 Uhr

Perle der Backsteingotik wird seit 2008 in Etappen saniert. Im Frühjahr soll das Gesamtergebnis gefeiert werden.

Zwei Parchimer Tischlermeister und Mitglieder des Fördervereins im Einsatz für ihre Kirche: Nachdem im nördlichen Seitenschiff von St. Georgen alle Bänke abmontiert wurden, sind Fred Brüggemann und Christoph Maaß in diesen Wochen mit vereinten Kräften dabei, das marode Gestühlpodest zu sanieren. Dazu müssen jede Menge Schwellen und Bretter ersetzt werden.

Perle der Backsteingotik seit Juni wieder Baustelle

Seit Juni wird in der Backsteinkirche im Herzen von Parchim wieder umfangreich gebaut. Alle Bilder und der Altar sind staubsicher verhüllt, die Orgel "eingehaust", wie es in der Fachsprache heißt. Im Bereich der Sakristei sowie im Chorumgang waren an insgesamt 13 Punkten Fußbodenabsenkungen aufzunehmen, abzudichten, zu festigen und anschließend wieder mit den vorhandenen Backsteinen abzudecken, bevor nun die Fliesen rauf können. Begleitet wurde auch dieser Abschnitt von Bodendenkmalpflegern. Zu den erwartungsgemäß ans Tageslicht gekommenen archäologischen Funden gehörten unter anderem ein Sarg sowie Knochen, die wieder in den Untergrund eingelegt wurden.

Sakristei erstrahlt in voller Schönheit

Einen tollen Job haben auch Maler und Restauratoren in der Sakristei gemacht. Der Raum ist unbeschreiblich schön geworden und bietet sich regelrecht für eine Nutzung durch die Gemeinde an, wenn erst einmal die Rotsteinfliesen verlegt sind. Der Part von Sylvia Lenzner und Christoph Gramann war es in den vergangenen Wochen unter anderem, vor dem Streichen der Gewölbe noch die spärlich vorhandenen historischen Farbbefunde zu dokumentieren sowie Ziegelimitationen an den Wänden und Gewölberippen zu rekonstruieren. Die beiden auf Architekturfarbigkeit spezialisierten Diplomrestauratoren waren im vergangenen Jahr schon im Gewölbe des Mittelschiffes im Dauereinsatz. „Sie haben auch die derzeit noch verhüllten Malereien der Kirchenväter an den südlichen Chorsäulen sowie die floralen Elemente am Altarblock restauriert“, berichtet der Vorsitzende des Fördervereins für die St. Georgenkirche, Dr. Manfred Arndt.

Reste der Backsteinbasilika sichtbar gemacht

Einen weiteren Schwerpunkt der Etappe 2020 bildete der Turmeingangsbereich: Hier gelang es auf beeindruckende Weise, erhalten gebliebene Anteile der Backsteinbasilika in den Turmwänden bis zu einer Höhe von 12 Metern sichtbar zu machen. Für den Fördervereinsvorsitzenden ist das ein weiteres Indiz dafür, dass die Basilika – der Vorgängerbau von St. Georgen – größer gewesen sein muss, als bisher angenommen. Wurden zuvor doch schon bei Bauarbeiten im Chorumgang Teile eines alten Fundamentes entdeckt.

Eingangssituation soll ansprechender gestaltet werden

In naher Zukunft verändert werden soll die Eingangssituation der Kirche. Derzeit reifen detaillierte Ideen, wie dieser Bereich umgestaltet werden kann. Das Konzept befindet sich im Genehmigungsverfahren. Erste Vorarbeiten sind aber bereits geleistet. So wird beim Wiedereinbau der aufgearbeiteten Bänke die Fläche bis zum Arkadenbogen der Orgelempore im Eingangsbereich frei bleiben. Der historische Ziegelboden ist bereits wieder hergestellt worden. Überlegt wird noch, wie der Eingang so verändert werden kann, damit künftig auf den hölzernen kastenförmigen Windfang verzichtet werden kann. Zusätzlicher Nebeneffekt: Durch die Umgestaltung verbessert sich auch die Fluchtwegesituation.

Historische Frieseorgel leidet unter Schimmelbefall

Ende November und damit pünktlich zum Beginn der Adventszeit sollen die Arbeiten in der Kirche abgeschlossen sein. Um die derzeit provisorisch bespielbare Frieseorgel wird sich zu Beginn des kommenden Jahres ein Orgelfachmann kümmern: Leider ist es mit einer gründlichen Reinigung und dem Nachintonieren nicht getan. Das historische Instrument aus dem Jahr 1871 leidet unter Schimmelbefall. Dieses Problem will man mit einer Veränderung der Luftzufuhr in den Griff bekommen.

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Hintergrund

2008 startete die etappenweise Gesamtsanierung der St. Georgenkirche. Weil sie vom Bund genauso wie die Schwesterkirche St. Marien als Denkmal nationaler Bedeutung eingestuft wurde, konnte das Vorhaben mit beträchtlichen öffentlichen Geldern umgesetzt werden. Allerdings wurden aus der angedachten neunjährigen Bauzeit inzwischen 13 Jahre. Im Frühjahr 2021 soll die Gesamtfertigstellung festlich begangen werden.