Parchim : 10 000 Stadtbäume als grüne Lunge

Naturfotograf Bernd-Udo Heckendorf in seinem Metier
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Naturfotograf Bernd-Udo Heckendorf in seinem Metier

Parchims Flatter-Ulme taucht in der Roten Liste auf

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21. Februar 2019, 07:02 Uhr

Bis März ist die Zeit der knatternden Motorsägen. Öffentliche Verwaltungen nennen das Baumpflege, was manchmal vom Kahlschlag nicht zu unterscheiden ist. Warum sind Bäume in städtischen Parks so wichtig? Sie sind die grüne Lunge der Stadt – einige Arten wie die Flatter-Ulme sind gefährdet.

Parchim besitzt bedeutende denkmalgeschützte Parkanlagen wie die Wallanlagen mit dem Alten Friedhofspark. Auf einer Fläche von knapp zehn Hektar sind im städtischen Bereich interessante Biotope entstanden.

Bäume spielen im Ökosystem der Natur eine wichtige Rolle. In Parkanlagen schützen sie vor allem gegen Verkehrslärmbelästigung, was sogar im Immissionsschutzgesetz geregelt ist. Bäume und Sträucher mindern Lärm und filtern Schadstoffe wie Staub aus der Luft.

Ein Beispiel: Eine Buche mit einem Stammdurchmesser von einem Meter filtert zum Beispiel die Feinstaub-Jahresemission eines Pkw – rund 0,067 Gramm pro Kilometer – aus der Luft. Bäume filtern auch die Blütenpollen von Pflanzen, die Heuschnupfen bewirken. Damit leisten Bäume auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz sowie für die Gesundheit. Bäume reduzieren die Windgeschwindigkeit, sind Wasserspeicher, Sauerstofflieferant, Emissionsschutz und beeinflussen das Stadtklima.

Eine ausgewachsene Buche kann 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde produzieren, damit können 50 Menschen eine Stunde atmen. Das können 30 000 bis 40 000 Kubikmeter Luft sein, die ein Baum in Parkanlagen verarbeiten kann – je nach Lichtintensität, Kronendurchmesser, Alter und Holzdichte. Sie werden uralt und gelten manchmal als lebendes Fossil in Parkanlagen, wie der Ginkgo, der im Jahre 2000 zum Baum des Jahrtausends als Mahnmal für Umweltschutz und Frieden gekürt wurde.

Parkanlagen beherbergen verschiedene heimische Laub- und Nadelbäume, aber auch Exoten, die aus Nordamerika und Asien stammen.
Besonderen Wert haben höhlenreiche ältere Laubbäume wie Eichen, Weiden und Linden als Nistplatz für Eulen, Spechte und Kleinvögel.

Flechten an der Baumrinde sind Bioindikatoren, fehlen sie, ist das Ökosystem der Parkanlagen gestört. Sie reagieren unweigerlich auf Luft-und Umweltverschmutzung. Von den knapp 2000 Flechtenarten ist fast die Hälfte akut gefährdet. Es ist erwiesen, dass an begrünten Straßen und Parkanlagen das Kleinklima besser, der Feinstaubgehalt geringer und die Lebensqualität höher ist als an unbegrünten Flächen.

Öffentliche Grünflächen und Parkanlagen machen in Parchim eine Fläche von etwa 58 Hektar aus. Insgesamt stehen in der Kreisstadt etwa 10 000 Bäume.

Die Flatter-Ulme ist der Baum des Jahres 2019 und in MV als gefährdet in der Roten Liste geführt. Dieser in Park-und Grünflächen bis zu 35 Meter hohe Laubbaum ist durch verschwindende Biotope in zeitweise überfluteten Auenwäldern, Laubmisch- und Bruchwäldern bedroht. Die Flatter-Ulme heißt übrigens so, weil ihre Blüten von März bis April an den langen Stängeln im Wind flattern. Im 20. Jahrhundert grassierte die Holländische Ulmenkrankheit in Europa. Sie wird von einem Schlauchpilz erzeugt und vom Großen und Kleinen Ulmensplintkäfer übertragen. In den 1970er-Jahren zerstörte sie in England 25 Millionen Ulmen. Um die 1980er-Jahre tauchte das Ulmensterben in den Parchimer Wallanlagen auf. Für den Artenschutz ist die Flatter-Ulme wichtig, da sie für viele Insekten den einzigen Lebensraum darstellt. Inzwischen ist sogar der Schlauchpilz, der Erreger des Ulmensterbens, gefährdet.

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