Gemeinde Obere Warnow : Fehlendes Löschwasser bereitet den Feuerwehren immense Probleme

Thorsten Specht am Stromerzeuger, der die Pumpe im 18 Meter tiefen Brunnen antreibt.
Thorsten Specht am Stromerzeuger, der die Pumpe im 18 Meter tiefen Brunnen antreibt.

Im Amt Parchimer Umland fehlen aktuell 72 Löschwasserbrunnen. Betroffen ist davon auch die Gemeinde Obere Warnow.

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26. November 2020, 14:30 Uhr

Grebbin | Desaströs. Es fällt schwer, ein netteres Wort für die Situation der Löschwasserbereitstellung bei den Feuerwehren in der Region zu finden. ,,Bei uns im Amt fehlen aktuell 72 Löschwasserbrunnen“, bringt Michaela Strübing das Problem auf den Punkt.

Die Sachbearbeiterin Brandschutz im Amt Parchimer Umland hat die Ergebnisse der Brandschutzbedarfsplanung vorliegen, mit der nach Novellierung des Brandschutzgesetzes 2015 das Land alle Feuerwehren beauftragt hatte. Nach Dringlichkeit wurden sie in drei Kategorien eingeteilt, 13 bereits ausgeschrieben, die ersten schon gebohrt. Bis Februar 2021 sollen zunächst in den Gemeinden Damm zwei, in Lewitzrand und Obere Warnow drei, in Groß Godems und Zölkow je zwei und in Stolpe ein Brunnen gebohrt werden. 15 weitere Wasserentnahmestellen sind im Verlauf des Jahres geplant.

Löschwasser-Defizit bereits vor fünf Jahren bekannt

Das große Defizit bei der Löschwasserbereitstellung war vor gut fünf Jahren in Gesprächen mit dem Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim-Lübz aufgeploppt, sagt David Wollgandt, Bürgermeister und Feuerwehrchef in der Gemeinde Obere Warnow. Während nämlich die Bauordnung sichergestellt haben will, dass Entnahmestellen 96 Kubikmeter Wasser über zwei Stunden liefern, sind die genutzten Hydranten davon weit entfernt.

,,Für die Erstbrandbekämpfung sind sie zugelassen“, sagt Wollgandt. "Aber sie sind für die Trinkwasserbereitstellung dimensioniert, für unsere Zwecke reichen sie nicht aus." Nicht nur in Wollgandts Augen ist das ein Mangel, der aus der Gründungszeit der Wasser- und Abwasserzweckverbände gleich nach der Wende herrührt und sich heute rächt. Hinzu komme, dass nach 1989 etliche Feuerlöschteiche in den Gemeinden ersatzlos zurückgebaut wurden.

In Grebbin testeten Wehrleiter David Wollgandt (M.) und seine Leute jetzt den ersten Neubau. Zwei weitere Brunnen wurden in Kossebade und Woeten gebohrt.
Simone Herbst
In Grebbin testeten Wehrleiter David Wollgandt (M.) und seine Leute jetzt den ersten Neubau. Zwei weitere Brunnen wurden in Kossebade und Woeten gebohrt.


Im Amt Parchimer Umland läuft die Löschwasserbrunnen-Offensive. Auch in der Gemeinde Obere Warnow. ,,Die Brunnen in Woeten, Kossebade und Grebbin sind aktuell bis auf Restarbeiten durch, drei weitere sind für 2021 geplant. Und damit hätten wir erstmal die sechs wichtigsten Brunnen realisiert.“

Zudem hofft Wollgandt auf eine finanzielle Spritze aus dem Strategiefonds der Landesregierung ,,Löschwasser marsch‘‘. ,,Im Juli haben wir dem SPD-Abgeordneten Christian Brade die Anträge für den Bau eines Brunnens in jeder unserer Gemeinden überreicht“, sagt Michaela Strübing. Die Antwort stehe bis dato aus, ,,aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Hoffen auf Förderung

Auch deshalb nicht, da der Bau von Löschwasserbrunnen vom Land bisher nicht gefördert wird. Obwohl die Wasserbeschaffung in der Fläche kein örtliches oder regional begrenztes Problem ist, beschränkt sich Schwerin bei seinem 50-Mio-Euro-Programm ,,zukunftsfähige Feuerwehren“ bislang auf die zentrale Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen und Spezialtechnik.

Und dass, obwohl ein Brunnen je nach Bohrtiefe 15 000 bis 29 000 Euro kostet und die Gemeinden - zumeist verschuldet - die Gelder nicht aufbringen können. Die Mittel aus dem Strategiefonds werden da nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein können. „Da muss einfach mehr kommen“, sagt Wollgandt und hofft auf neue Förderprogramme des Landes. ,,Die Löschwasserbrunnen fehlen nicht nur bei uns. Damit haben die meisten Gemeinden und ihre Feuerwehren im Land zu kämpfen.“

Ein 200er Rohr soll die Pumpleistung vom 96 Kubikmeter Wasser über zwei Stunden sicherstellen.
Simone Herbst
Ein 200er Rohr soll die Pumpleistung vom 96 Kubikmeter Wasser über zwei Stunden sicherstellen.


Löschwasser fehlt auch rund um Lübz

Während im Amt Plau am See die von Schwerin angeforderte Brandschutzbedarfsplanung noch nicht abgeschlossen ist, weiß man im Amt Eldenburg-Lübz bereits um die vorhandenen Defizite. ,,Sie sind immens“, sagt Markus Prehn. Ausschreibungen wie bei den Nachbarn im Parchimer Umland sind noch nicht gemacht.

Für den Sachbearbeiter Brandschutz in der Lübzer Verwaltung und Wehrführer von Marnitz bieten Löschwasserbrunnen indes nicht die favorisierte Lösung. Stark von der Witterung abhängig können sie austrocknen. Technik müsse vorgehalten und jeder Brunnen zweimal im Jahr angesaugt werden, um Versandung zu verhindern.

Zisternen als Alternative

Prehn sei vielmehr Freund von unterirdischen Löschwasserzisternen, über die beispielsweise in Siggelkow die Löschwasserbereitstellung gemeindeweit abgesichert werden kann. Einmal gebaut, habe man ein in sich geschlossenes System, das viele Jahrzehnte überdauern kann. ,,Preislich liegt ein solcher Tank allerdings auch ganz schnell mal beim Doppelten eines Brunnens. Aber es gibt auch preisgünstigere Anbieter“, sagt Prehn, der weiß, dass die Gemeinden Investitionen so oder so nicht ohne angemessene Förderung stemmen könnten.

Neue Programme brauche es, mit größeren Töpfen. Die Landesförderung ,,zukunftsfähige Feuerwehren“ mit Fokus auf der zentralen Beschaffung von Löschfahrzeugen und Spezialtechnik sei gut und schön. Doch gemessen am Bedarf seien die 50 Millionen Euro auch hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem stellt sich die Frage, was Gemeinden mit Löschfahrzeugen sollen, wenn sie kein Gerätehaus haben, wo sie diese sicher unterstellen können. Egal ob Wasserbereitstellung oder technische Ausstattung - der Investitionsstau in den meisten Gemeinden sei riesig. „Und diese Kuh muss vom Eis“, sagt Markus Prehn.

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