Gemeinschaftsaktion : Parchim wird Fairhandels-Stadt

Die Inhaberin des neuen Bioladens in Parchim, Heike Salamon, weiß genau, wie die Arbeitsbedingungen der Bauern ihres fair gehandelten Kaffees vor Ort in Südamerika sind: Sohn Georg war dort.  Fotos: frick
Die Inhaberin des neuen Bioladens in Parchim, Heike Salamon, weiß genau, wie die Arbeitsbedingungen der Bauern ihres fair gehandelten Kaffees vor Ort in Südamerika sind: Sohn Georg war dort. Fotos: frick

Die Kreisstadt ist kurz davor, als dritte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern das Siegel „Fairtrade-Town“ zu bekommen

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24. September 2019, 05:00 Uhr

Ja, der Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel ist teurer als der normalerweise im Supermarkt erworbene. Doch er ist fair gehandelt. Das heißt, die Bauern, die ihn anbauen, erhalten einen Mindestpreis und eine zusätzliche Prämie. Sie haben geregelte Arbeitsbedingungen und es sind ganz sicher keine Kinder. Außerdem werden beim Anbau keine Pestizide und kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet sowie natürliche Ressourcen geschont.

Fairtrade ist verbreitet

In Parchim gibt es inzwischen diverse Läden, Cafés und Restaurants, die fair gehandelte Produkte anbieten. Denn die Kreisstadt hat sich bereits im März um den Titel „Fairtrade-Stadt“ beworben. Mit Erhalt des Siegels wäre Parchim neben Rostock und Schwerin die dritte Fairhandelsstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Güstrow möchte sich erst noch bewerben.

Steffi Pulz (Die Linke) hat die Bewerbung Parchims als Fairtrade-Town maßgeblich organisiert.
K. Frick

Steffi Pulz (Die Linke) hat die Bewerbung Parchims als Fairtrade-Town maßgeblich organisiert.

 

Eigentlich sollte der Titel beim Stadtfest im Mai gefeiert werden, nun hat es doch noch ein paar Monate länger gedauert. „Grund waren einige kleine Formalitäten, die wir nachreichen mussten“, erklärt Steffi Pulz, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Stadtvertretung. Sie ist die maßgebliche Organisatorin des Projekts, das ihr sehr am Herzen liegt. Nun kann es jeden Tag soweit sein, dass die Auszeichnung verliehen wird.

Fairer Zucker im Rathaus

Grundvoraussetzung für die Bewerbung um das Fairtrade-Siegel war der Beschluss der Stadtvertretung, der bereits 2017 gefasst wurde. Dann müssen noch einige weitere Kriterien erfüllt sein: Bürgermeister Dirk Flörke trinkt nur noch fair gehandelten Kaffee mit fair gehandeltem Zucker, ebenso alle Rathausmitarbeiter und auch bei allen Sitzungen der Stadtvertreter soll es so sein. Zudem muss eine Kirchgemeinde Bildungsangebote zum Thema machen – in Parchim ist das die St. Marien-Gemeinde, die dabei mit dem Eine-Welt-Laden kooperiert.

'Ich habe mich beworben und möchte gern mitmachen bei der Aktion ,Fairhandels-Stadt'', sagt Heike Salamon vom neuen Parchimer Bioladen in der Lindenstraße.
K. Frick

"Ich habe mich beworben und möchte gern mitmachen bei der Aktion ,Fairhandels-Stadt'", sagt Heike Salamon vom neuen Parchimer Bioladen in der Lindenstraße.

 

Rewe macht mit

Dessen Betreiberin Susanne Hegner gehört genauso wie die städtische Wirtschaftsförderin Anja Bollmohr und Ulrich Debler vom Restaurant „Papillon“ zur Steuerungsgruppe der Aktion. „In einer Stadt unserer Größenordnung mit 17 000 Einwohnern müssen mindestens fünf Geschäfte und zwei Gastronomiebetriebe mitmachen“, erläutert Steffi Pulz. Die Teilnahme bedeutet, dass die Betreiber wenigstens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. „Ich bin von Laden zu Laden gelaufen und habe die Inhaber gefragt, ob sie die Bewerbung unterstützen“, erzählt Pulz. Nun sind die Blumenläden „Löwenzahn“ und „Ahnsorge“ dabei und neben dem „Papillon“ das „Café am Brunnen“ und das „Eiscafé Kroll“. „Besonders freue ich mich, dass sich die Rewe-Filiale beteiligt“, so Pulz. Aldi und Lidl würden von sich aus faire Handelsprodukte anbieten und auch noch andere als die genannten Läden haben faire Produkte im Sortiment.

Weitere Geschäfte wollen dabei sein

„Ich möchte gern mitmachen“, sagt Heike Salamon, die Inhaberin des neuen Bioladens in der Parchimer Lindenstraße. Steffi Pulz kam nur noch nicht dazu, das Aufnahmegespräch mit ihr zu führen. „Mir ist der faire Handel sehr wichtig“, so Salamon. Sohn Georg hat im Rahmen seines Studienpraktikums sogar die Bauern vor Ort in Südamerika besucht, deren Kaffee Heike Salamon in ihrem Laden anbietet. Deshalb weiß sie ganz genau, dass diese Kaffeesorten das Fairtrade-Siegel verdienen. „Leider gibt es zu wenige faire Produkte“, bedauert sie. Neben Kaffee und Tee nur noch Kakao und Schokolade.

'Leider gibt es zu wenig fair gehandelte Produkte', bedauert die Bioladen-Inhaberin.
K. Frick

"Leider gibt es zu wenig fair gehandelte Produkte", bedauert die Bioladen-Inhaberin.

 

Auch das Netzwerk für Flüchtlinge unterstützt die Parchimer Fairtrade-Bewerbung . „Denn bei fairen Handelsbedingungen geht es ja auch um die Bekämpfung von Fluchtursachen in anderen Ländern“, sagt Steffi Pulz. Sie wünscht sich für das Thema fairer Handel eine Koordinierungsstelle in der Stadt, so wie Rostock sie hat. „Das Thema ist so komplex. Es geht um alles, was unser Konsum mit der Welt macht.“

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