Parchim : Abschied von der Bürgerinitiative

Oktober 2013: Mit einer eindrucksvollen Demo kam der Protest gegen Tierfabriken in Parchim in Fahrt.
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Oktober 2013: Mit einer eindrucksvollen Demo kam der Protest gegen Tierfabriken in Parchim in Fahrt.

Nach dem Kampf gegen die Schweinemastanlage in Dargelütz löst sich Verein auf. Spende im Club am Südring übergeben.

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09. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Bürgerinitiative gegen den Bau der Schweinemastanlage Dargelütz gibt es nicht mehr. Die Parchimer Kommunalpolitik hat längst das Ziel der Protestler aufgegriffen, einen großen Mastbetrieb in dem Ortsteil zu verhindern. Die aufgelöste Ortsgruppe der Naturschutzorganisation BUND, unter der sich die Mitglieder der Bürgerinitiative vereinten, hat mehrere hundert Euro an den Verein Bürgerkomitee Südstadt e.V. überwiesen. Es ist der Rest eines Budgets mit Spenden von über 10 000 Euro, die die Protestler für ihre Arbeit einsammeln konnten, u.a. um einen Fachanwalt zu bezahlen. Jetzt wird mit dem Geld, das noch übrig ist, ein anderes Naturschutzprojekt in der Stadt unterstützt: Aktivitäten im Mehrgenerationenhaus Club am Südring für eine insekten- und bienenfreundliche Stadt Parchim. Gestern besuchten Vertreter der früheren Bürgerinitiative den Club, darunter auch Edith Krakow aus Grebbin.

Günter Schulze, der Sprecher der aufgelösten Bürgerinitiative, erinnert daran: „Wenn Leute sich zusammenschließen, dann können sie auch etwas bewegen.“ Ausdauer, Argumente und Sachlichkeit sind dabei nach seiner Auffassung wichtig.

Der Bürgerinitiative war es gelungen, ab Herbst 2013 in kurzer Zeit den Widerstand gegen die Schweinemastanlage in Dargelütz anzufeuern. Günter Schulze, der mit seiner Frau die Einladungen zur ersten Versammlung in Dargelütz verteilt hatte, wurde zum Sprecher ernannt. Dörte Kempfer und ihr Mann kümmerten sich um den Internetauftritt. Maik Kindler gehörte zu einem Duo, das verschiedene öffentliche Aktionen gegen die Schweinmastanlage organisierte. Ronald Pribbernow hielt die Verbindung zu Parteien. Marina Raddatz war Schriftführerin und Eike Müller hatte verschiedene Rechtsvorschriften im Blick.

Wie Günter Schulze sagte, war Jürgen Gärtner dafür eingetreten, dass das Thema Schweinemast wieder auf die Tagesordnung der Parchimer Stadtvertretung kam. Der Bauantrag eines Investors für den Betrieb lag viele Jahre zurück, erinnert sich Gärtner. Die Stadtvertreter hatten damals unter anderen Voraussetzungen entschieden. Seinerzeit hieß es, das Land brauche mehr Mastplätze, weil Fleisch importiert wird. Ein Jahrzehnt später, also im Jahr 2013, hatten sich die Umstände verändert. „Wir essen weniger Schweinefleisch“, so Gärtner. Die Tiere würden hier weder geschlachtet noch gegessen und auch das Futter wäre nicht von hier gekommen. Die Bürgerinitiative habe viel Überzeugungsarbeit geleistet. Laut Gärtner könne man heute stolz sein, dass die Stadtvertreter nach vielen Diskussion einstimmig gegen die Schweinemastanlage gestimmt haben.

Von Jürgen Gärtner kam auch der Vorschlag, das restliche Geld der Bürgerinitiative an den Verein Bürgerkomitee Südstadt zu geben. Damit wurden beispielsweise Fachbücher gekauft für den Club. Der Verein macht mit bei dem von der Stadtverwaltung unterstützten Projekt, Parchim zu einer insekten- und bienenfreundlichen Kommune zu entwickeln. Dabei sollen sowohl Kinder als auch Eltern und Großeltern für Naturschutzprojekte begeistert werden.

Übrigens: Auch der Verein Bürgerkomitee Südstadt ging aus einer Bürgerinitiative hervor. Die Gründer, darunter Karin Gruhlke, hatten 1989 Umweltverschmutzungen durch Truppen der Roten Armee in Parchim aufgedeckt.

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