Parchim : Eine Mine zerstörte Isabels Kindheit

Isabel bei einem kleinen Nachmittagssnack in ihrem Parchimer Krankenhausbett
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Isabel bei einem kleinen Nachmittagssnack in ihrem Parchimer Krankenhausbett

Landminen verletzen Kinder: Parchimer Ärzte helfen elfjähriger Angolanerin. Im September geht’s zurück in die Heimat.

nnn.de von
05. Februar 2018, 20:55 Uhr

Alle 20 Minuten tritt auf der Welt ein Mensch auf eine Landmine. Jedes dritte Minenopfer ist laut Unicef ein Kind. Eines dieser Opfer ist Isabel Tchitula Cascinda Samena. Die Kleine trat in ihrer Heimat Angola wohl beim Spielen auf eine der weltweit verlegten 100 Millionen Sprengkörper. Mit einem lauten Knall endete das fröhliche Herumtoben. Jetzt ist Isabel zum zweiten Mal Patientin in der Parchimer Asklepios Klinik.

„Isabel erlitt einen Unterschenkelbruch, der nicht verheilt ist. Sie kann nicht laufen und nicht stehen. Die Vorgeschichte kennen wir leider noch nicht“, sagte Dr. Rüdiger Wenzel, Chefarzt der Parchimer Asklepios Klinik, im Dezember 2016. Isabels Schienbeinknochen bestand aus zwei Teilen, ein Stück Knochen sei gänzlich verschwunden. „Vermutlich im Weichteil zersetzt“, meint der Fachmann.

Isabel bekommt die Behandlung kostenlos: „Seit dem Jahr 2000 gibt es die Vereinbarung zwischen der Asklepios Klinik und dem Friedensdorf International, pro Jahr bis zu zwei Kinder aufzunehmen“, so der Chefarzt.

Isabel liegt auf dem Krankenhausbett, sieht Kinderfernsehen und knabbert an Butterkeksen und Mandarinen. Die Elfjährige schaut schüchtern drein, doch ihre Vergangenheit hat sie mehr als tapfer bewältigt. Ohne die Hilfe in Deutschland hätte Isabel wohl ihr weiteres Leben körperlich eingeschränkt verbracht. Zwischen den Operationen finden die verletzten Kinder, welche überwiegend aus Mosambik, Afghanistan und Angola kommen, im Friedensdorf Oberhausen ein vorübergehendes Zuhause. Dort gehen sie zur Schule und werden auf die Operationen in ganz Deutschland vorbereitet.

Anfangs war die Verständigung zwischen den Klinikmitarbeitern und der Patientin eine mimisch- gestische Herausforderung. Mittlerweile kommt ab und zu eine Lehrerin des Friedrich-Franz-Gymnasiums, die Isabels Muttersprache spricht: Portugiesisch. Doch auch ihre Deutschkenntnisse haben sich seit dem Beginn des Aufenthaltes in Oberhausen im November 2016 verbessert. Die Krankenhausbesuche sind natürlich eine außerordentliche Situation für das Mädchen. Doch gerade die jungen Menschenjahre haben einen enormen Vorteil, so Chefarzt Dr. Rüdiger Wenzel: „Bei Kindern ist die Heilungstendenz größer.“ Ziel der Behandlung sei, die Länge der Beine anzugleichen. Das heißt, das kranke, verkürzte Bein, durch welches sich eine Apparatur bohrte, wurde Zentimeter für Zentimeter verlängert. Die zwei Teile des Unterschenkelknochens schieben sich aneinander. Isabels Krankenhausmarathon wird nach einer voraussichtlich letzten halbstündigen OP ein Ende haben. Voraussichtlich diese Woche darf sie entlassen werden. Dann wird sie eine eigens für sie gefertigte Orthese tragen, die ihr Bein noch ein wenig entlastet, bis dieses seine junge Besitzerin von alleine tragen kann. Im September geht es wieder zurück in ihr Heimatland Angola. Vielleicht kann die Kleine dann sogar bald Rad fahren. Nur die Minengefahr, die spielt weiter mit.

Mona Laudan/frgu


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