Parchim : Er kehrte freiwillig zurück

Zu der wahren Geschichte gibt es sogar einen Comic.
Zu der wahren Geschichte gibt es sogar einen Comic.

Parchimer flüchtete 1989 nach Streit mit seinem Freund in den Westen, kam nach der Versöhnung aber wieder in die DDR

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12. Oktober 2019, 16:00 Uhr

Der Streit im Frühjahr 1989 war groß. So groß, dass der Parchimer beschloss, sich nicht nur von seinem Freund zu trennen, sondern auch von der geplanten Ungarnreise überhaupt nicht mehr in die Deutsche Demokratische Republik zurückzukehren. Am 11. Juni 1989 überwand der schwule Mann die ungarisch-österreichische Grenze. Über die bundesdeutsche Botschaft in Wien gelangte er in das hessische Aufnahmelager Gießen.

Doch es hielt ihn nicht lange in der Ferne. Sein verlassener Freund und er telefonierten, sprachen sich aus und entschieden, weiterhin gemeinsam zu leben. Dieser Entschluss bedeutete, nach einer streng verbotenen Flucht nun eine Rückreise zu wagen, an deren Ende eine lange Haftstrafe stehen konnte. Am 12. Juli 1989 – so hielt die Staatssicherheit fest – betrat der Geflüchtete über den Grenzübergang Berlin-Friedrichstraße wieder das Staatsgebiet der DDR. Die Geschichte nahm – so zumindest spiegeln es die Ermittlungsakten wider – offenbar ein gutes Ende: Nach rund vierwöchigen Verhören zog der Geflüchtete am 12. August wieder zu seinem Freund.

Nun sucht die Stiftung Mecklenburg nach dem Parchimer, denn die persönlichen Erinnerungen würden den Historikern dabei helfen, die Darstellung der Ermittlungsbehörde kritisch zu prüfen. Die in Schwerin ansässige Stiftung trägt derzeit Geschichten von Lesben, Schwulen und Trans-lebenden aus Mecklenburg für eine Präsentation in ihrer Dauerausstellung zusammen. Dabei kooperiert sie anlässlich des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten zweijährigen Projekts „Queer im Museum“ eng mit dem Verein „Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“, vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Initiativen und engagierten Personen sowie dem Kulturhistorischen Museum in Rostock. Wer sich am Projekt mit Hinweisen, Erinnerungen oder Gegenständen für die Ausstellung beteiligen möchte, melde sich bitte bei der Stiftung Mecklenburg unter Telefon 0385/77883820 oder per Mail unter ostrop@stiftung-mecklenburg.de.

Aufruf: Ihre Geschichte
Wir suchen auch weiterhin Ihre Geschichten. Wie Sie die spannende Wendezeit erlebt haben, können Sie uns gerne per Email an parchim@svz.de oder luebz@svz.de schildern.





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