Premiere Parchim : Faulste Katze begeistert Publikum

„Die faulste Katze der Welt“ feierte in Parchim Premiere.
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„Die faulste Katze der Welt“ feierte in Parchim Premiere.

Gelungene Premiere des jungen Staatstheaters im ausverkauften Malsaal

nnn.de von
06. Februar 2018, 12:00 Uhr

11.30 Uhr: Eine Schnecke ist es, die Katze Josefine unsanft aus ihrem geliebten Erholungsschlaf reißt. Der Plan für den Rest des Tages muss unbedingt besprochen werden. Maßgabe: Nur nicht großartig verausgaben, dabei seinen Luxuskörper schonen und möglichst den bequemen Kuschelplatz nicht verlassen. Schönheitsschlaf, Bildungsprogramm, Toilettengang – bloß keine unnötige Energieverschwendung: „Für ein Gähnen werden lediglich 27 Muskelgruppen beansprucht.“

Das faule Leben könnte so angenehm sein, wenn nicht der Hund Rudi mit seinem Trainingsfleiß nerven würde. Er will unbedingt ein Fußballstar werden und dafür immer am Ball sein. Er tobt dermaßen ungestüm durch Josefines Leben, dass bei einem Zusammenprall mit ihr einer seiner Flöhe auf die Katze überspringt. Und dieser Plagegeist ist es, der sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Es juckt, und sie muss sich ständig kratzen. Von Schlaf kann keine Rede mehr sein. Verzweifelt will Josefine sich von dem Floh befreien. Sie will ihn unbedingt auf einen anderen Wirt übertragen. Für dieses Ziel wird sie sogar Frisörin eines Meerschweinchens oder Fußballtrainerin für Rudi („Das Runde muss in das Eckige.“). Josefines Hoffnung: Der Floh soll von ihr auf einen anderen, größeren Träger überspringen. Für dieses Ziel muss sogar eine Kuh herhalten. Und tatsächlich: Dank der lautstarken Mithilfe des jungen Publikums ist der ungebetene Gast auf einmal spurlos verschwunden. „Ohne diesen Floh hätten wir nie entdeckt, welche Talente in uns stecken“, lautet das Fazit der Akteure.

Große Kulleraugen und eine Stupsnase beherrschen das Gesicht von Marlene Eiberger. Die Rolle der graziösen Katze scheint ihr wie auf ihren Leib geschrieben zu sein. Genüsslich weiß sie sich in ihrem weichen Kuschelkissenreich breit zu machen, um ihr immenses Schlafbedürfnis zu stillen. Großartig: Mit allen Mitteln wehrt sie sich gegen den Floh, der sie piesackt und ihr die Ruhe raubt. Dafür verlässt sie sogar ihr komfortables Lager.

Julian Dietz mimt den allzeit ruhelosen, verspielten Hund, immer auf der Jagd nach Bällen. Artistisch treibt er sie voran – bereit, aus jeder Lage ein Tor zu erzielen. Um seine Form zu steigern, nimmt er sogar die Trainingsaktivitäten der Katze dankbar an.

Schnecke, Floh, Meerschweinchen, Kuh und eine zweite Katze – mehr Rollen für eine Schauspielerin in einem Stück gehen kaum. Sie werden allesamt von Betül Okur verkörpert. Mit ihrem intensiven Spiel verleiht sie der Bandbreite ihrer Figuren jederzeit große Glaubhaftigkeit.

Die Vorlage für dieses Theaterstück von Gertrud Pigor lieferte das Kinderbuch „Die faulste Katze der Welt“, das seine Autorin Franziska Biermann auch illustrierte. Jan-Willem Fritsch steuerte die Szenenmusik und Lieder bei. Nele Tippelmann als Regisseurin am Jungen Staatstheater Parchim gelang es, daraus ein äußerst lebhaftes Lehrstück darüber zu machen, wie neue Erfahrungen und Freunde das eigene Leben bereichern und verändern können, wenn man genug Mut hat, in die Welt hinaus zu ziehen.

Wie der Floh an uns nun tatsächlich aussieht, der uns zwickt oder ob es überhaupt einer ist, kann uns deshalb völlig egal sein.

Für dieses Theaterstück für Kinder ab 4-5 Jahren konstruierte Nina Sievers ein fantasievolles Bühnenbild, das sich als äußerst stabil und flexibel erwies. Die Premiere am vergangenen Sonntag lief vor begeistertem Publikum im ausverkauften Malsaal des alten Parchimer Theaters in der Blutstraße. Für sämtliche weiteren Vorstellungen im Februar und März gibt es ebenfalls keine Karten mehr.


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