Tierauffangstation im Forsthof Kiekindemark erreicht traurigen Rekord : Im Stich gelassen und tierisch allein

Die  Tierauffangstation  auf dem Forsthof in Kiekindemark  ist momentan brechend  voll.  Peter Urban, Mitarbeiter des  Ordnungsamtes des Stadt Parchim, kümmert sich hier  um die Tiere, die   in aller Regel  von ihren Herrchen 'vor  die Tür' gesetzt wurden. Auch um  diesen kleinen  verspielten Mischling.  Er hofft auf  Hinweise  zu  dessen  Besitzerin,  die   sich  anonym  per Telefon gemeldet  hatte.Herbst
Die Tierauffangstation auf dem Forsthof in Kiekindemark ist momentan brechend voll. Peter Urban, Mitarbeiter des Ordnungsamtes des Stadt Parchim, kümmert sich hier um die Tiere, die in aller Regel von ihren Herrchen "vor die Tür" gesetzt wurden. Auch um diesen kleinen verspielten Mischling. Er hofft auf Hinweise zu dessen Besitzerin, die sich anonym per Telefon gemeldet hatte.Herbst

„Alles belegt“ könnte Peter Urban vom Ordnungsamt an die Einfahrt zum Forsthof in Kiekindemark schreiben. Die dortige Tierauffangstation ist so voll wie noch nie.

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12. September 2011, 07:48 Uhr

Kiekindemark | "Alles belegt" könnte Peter Urban an die Einfahrt zum Forsthof in Kiekindemark schreiben. Doch dem Mitarbeiter des Parchimer Ordnungsamtes ist in diesen Tagen nicht nach Witzeln. Die Tierauffangstation auf dem Forsthof - nach immer größer werdendem Bedarf 1992 eingerichtet und seither mehrfach vergrößert - ist so voll wie noch nie: Sechs Hunde, darunter zwei Schäferhunde, eine Westi -Hündin, drei kleine Mischlinge sowie zwei Zwergkaninchen und zwei Frettchen, bekommen hier Kost und Logie. Es ist ein trauriger Record, wie Urban findet. Und traurig und verstört - das sind auch die Tiere. "Meerschweinchen und Kaninchen mag es egal sein, wer ihnen Futter gibt, die Hunde aber wollen hier nicht sein, sie wollen zu ihren Herrchen", weiß Urban.

Im Durchschnitt versorgt Urban 50 herrenlose Hunde im Jahr. Bei Wind und Wetter in Zwingern gehalten, vermittelt er sie oder kann sie seinen suchenden oder ausfindig gemachten Besitzern zurückgeben. Ungezählt sind die kleinen Nager, die hier abgegeben oder von Parchim Wacht oder Ordnungsamt in den Wallanlagen, Gärten und auf Höfen eingefangen werden. Selbst Papageien sind dem Forsthof Kiekindemark nicht fremd. "Fehlt nur noch ein Affe und wir könnten einen Zoo aufmachen", ulkt Urban, wird jedoch sogleich wieder ernst: "Für die Tiere bedeutet das richtiggehend Stress."

Urban, der die Station im Forsthof seit nunmehr 13 Jahren unterhält und momentan sowohl räumlich als auch arbeits mäßig an der Grenze angelangt ist, kennt die Wurzel des Übels. "Es ist falsch verstandene Tierliebe", sagt er. Die Kinder wollen Hunde, Katzen, Nager oder Kanarienvögel, und betteln bis die Eltern nachgeben. Das gewünschte Tier wird gekauft, bald darauf aber festgestellt, dass es mehr Arbeit macht als gedacht. Oft ginge es bis zum Urlaub gut, dann wird die Bremse gezogen… "Die wenigsten dieser Tiere entlaufen, die meisten werden von ihren Besitzern in voller Absicht ausgesetzt oder frei gelassen", ist Urban überzeugt. Wobei "freigelassen" das falsche Wort ist. Denn während sich Kaninchen auch in der Wildbahn durchschlagen - aber eingefangen werden müssen, bevor sie auf Wildkaninchen treffen und die Population riesig wird - haben Meerschweinchen und Vögel kaum eine Chance. "Selbst Hunde, die in der Wohnung gehalten wurden, sind kaum lebensfähig", weiß Urban.

Weil die Tierauffangstation "Durchgangslösung" nicht "Endstation" ist, versuchen Urban und seine Kollegen alles, die Besitzer der Vierbeiner auszumachen (auch mittels vertraulicher Hinweise) oder die Tiere anderweitig zu vermitteln. Aber Urban, selbst Züchter und Ausbilder von Jagdhunden, Verbandsrichter und Leistungsrichter, rät dringend: "Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man sich schlau machen. Fachlich sowieso, aber auch was sonst so auf einen zukommt. Der Vorteil bei uns ist natürlich, dass wir die Tiere nicht verkaufen, sondern gegen eine kleine Futterspende abgeben. Allerdings", betont Urban, "lasse ich es mir nicht nehmen, zu prüfen, ob die Leute passig sind." Er prüft aber auch, ob die Hunde zur Vermittlung taugen. "Kampfhunde oder anderweitig problematische Tiere kommen mit meinem Willen nicht vom Hof."

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