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Parchimer Zeitung

23. November 2017 | 15:47 Uhr

Parchim : Kräftig investiert trotz Milchkrise

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Agrargenossenschaft Grebbin baut in Wozinkel modernen Melkstand und erhöht den Bestand auf 370 Kühe

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 20:45 Uhr

Manche Bauern haben zum Tiefpunkt der Milchkrise Kühe abgeschafft. Die Agrargenossenschaft in Grebbin hat dagegen zu diesem Zeitpunkt eine zwei Millionen Euro große Investition in Wozinkel gestartet – in ein modernes Melkhaus, in zusätzliche Stallplätze für Kühe, in einen neuen Sozialtrakt und Güllehochbehälter.

Mirko Stecker, Juniorchef und Verantwortlicher für die Tierproduktion, erklärt: Für den Betrieb stand die Entscheidung: Aufhören oder investieren? Die Stallanlage in Wozinkel war im Oktober 1989, also kurz vor der Wende, fertig gestellt worden – damals eine Anlage nach dem modernsten Stand. Doch irgendwann sei sie verschlissen. Ersatzteile waren kaum noch zu bekommen, die Arbeitsbedingungen nicht mehr zeitgemäß.

Die Entscheidung über den Neubau sei nicht leicht gefallen. Als sie fiel, waren die Milchpreise noch recht vernünftig. Die Genossenschaft arbeitete mit der Landgesellschaft zusammen, die sich auch um die Förderanträge kümmerte. Noch in der Planungsphase gingen aber die Milchpreise immer weiter in den Keller. Die Landwirte bekamen Bauchschmerzen angesichts der Rieseninvestition. Förderanträge waren gestellt, auch die Baugenehmigung lag schließlich vor. Ein Stopp wäre immer noch möglich gewesen, so Mirko Stecker, aber es war schon viel in die Vorbereitung investiert worden. Letztlich hieß es „Augen zu und durch“, sagt der Juniorchef. „In der Hoffnung, dass es aufwärts geht.“

Diese Hoffnung wurde nicht getrügt. Die Preise für Milch sind wieder gestiegen. Auf dem Tiefpunkt der Krise erhielt die Genossenschaft knapp 20 Cent pro Liter Milch, derzeit sind es 36. Eingerechnet ist der Bonus für gentechnikfreie Milch. Sojaschrot aus Südamerika wurde als Kuhfutter abgelöst, u.a. durch selbst angebaute Lupinen und Erbsen.

Im ersten Schritt der Investition hatte die Genossenschaft einen Güllehochbehälter gebaut. Das war notwendig, weil die Bauern aufgrund der neuen Düngemittelverordnung mehr Lagerkapazität benötigen. Im zweiten Schritt folgte der Neubau des Melkzentrums mit Sozialtrakt. Am 31. August diesen Jahres wurde hier das erste Mal gemolken. Es ist Platz für gleichzeitig 28 Kühe, vorher waren es 20. Das Zentrum ist auf modernstem Stand. Die Arbeitsbedingungen der Melker haben sich verbessert. Dazu gehört auch, dass sich der Boden, auf dem die Menschen sich bei der Arbeit bewegen, heben und senken lässt, damit die Melker am besten an die Tiere kommen. Für die Kühe ist mehr Platz, mehr Luft, mehr Licht. Die Melktechnik soll eine bessere Gesundheit der Euter ermöglichen. Die Landwirte versprechen sich, dass sich die Qualität der Milch weiter erhöht. „Die Anforderungen werden immer höher“, sagt Mirko Stecker. Wahrscheinlich zum Jahresende werde auch der Sozialtrakt fertig. Begonnen hat der nächste Abschnitt der Investition. Das alte Melkhaus wird zum Milchviehstall für 70 Kühe umgebaut. Von jetzt 300 Tieren soll der Bestand auf 370 ausgebaut werden.

Aufgegeben hat der Betrieb dafür die Schweineproduktion. Auch hier hätte anderenfalls investiert werden müssen. Und die Schweinefleischpreise sind alles andere als üppig. Die ehemaligen Ställe für das Borstenvieh bauen die Landwirte in Eigenregie für Jungrinder aus. Denn auch für Kälber brauchen sie mehr Platz durch die Erhöhung der Zahl der Milchkühe.

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