Parchim : Struktur im Alltag hilft

Hilfe bei seiner Sucht bekommt Dirk von Ergotherapeutin Karolin Hanf und Sozialpädagogin Ursula Soomann (v.l.).
Hilfe bei seiner Sucht bekommt Dirk von Ergotherapeutin Karolin Hanf und Sozialpädagogin Ursula Soomann (v.l.).

SVZ rückt Suchterkrankungen und Hilfsangebote in den Fokus – Heute die Tagesstätte Parchim

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11. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Süchte begegnen uns überall. Manche Menschen sind nikotinsüchtig und können nicht mit dem Rauchen aufhören. Die Zahl der Alkoholabhängigen, die in den Suchtberatungsstellen Hilfe suchen, bleibt konstant hoch. Die Dunkelziffer der Alkoholsüchtigen ist wohl noch deutlich höher. Gerade berichteten wir, dass Alkohol und Drogen auch an den Schulen zum Alltag gehören. Grund genug für unsere Redaktion, sich in dieser Woche jeden Tag mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir sprechen mit Betroffenen und stellen Hilfsangebote vor. Heute sprechen Sozialpädagogin Ursula Soomann und Ergotherapeutin Karolin Hanf über die Tagesstätte Parchim.

In die Tagesstätte Parchim, die durch das Diakoniewerk Kloster Dobbertin getragen wird, kommen von Montag bis Freitag Menschen, die mit Alkoholsucht – häufig in Kombination mit einer psychischen Krankheit – zu kämpfen haben. Durch einen geordneten Tagesablauf in der Zeit von 8 bis 14.30 Uhr und ein vielseitiges Programm soll den Menschen wieder der Weg zurück in einen Alltag ohne Drogen gezeigt werden.

Das Ziel des im Schnitt ein- bis dreijährigen Aufenthaltes in der Tagesstätte, der immer freiwillig ist, ist eine „zufriedene Abstinenz“, sagt Ursula Soomann. Das soll über verschiedene Angebote erreicht werden. Neben Einzel- und Gruppengesprächen werden auch unterschiedliche Therapieformen angeboten. Im Rahmen der Ergotherapie haben die Klienten die Möglichkeiten, handwerkliche und Basteltätigkeiten wie Garten-, Holz-, Gips- und Papierarbeit aber auch Korbflechten auszuführen. Hierdurch sollen sowohl die motorischen Fähigkeiten verbessert, aber auch das generelle Interesse, etwas zu tun, geweckt werden. Des Weiteren werden die Klienten vom Suchtdruck abgelenkt, merkt Ergotherapeutin Karolin Hanf an. Bei den kognitiven Trainingseinheiten sollen durch Rätsel, Rechen- und Grammatikaufgaben verlorengegangene Fähigkeiten wiedererlangt werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Tages ist die Einnahme regelmäßiger Mahlzeiten. In der Therapieküche kochen die Klienten in Gruppen von drei bis vier Personen jeden Tag ihr Mittagessen selbst. Dadurch lernen sie, dass man viele Mahlzeiten auch mit wenig Geld zubereiten kann.

Das übergeordnete Ziel neben einem Leben ohne Alkohol ist die Teilhabe am Arbeitsleben, betont Ursula Soomann. Sie sagt: „Ist ein Klient lange stabil, werden Unternehmen gesucht, die ein Praktikum anbieten.“ Zu diesem Zweck arbeitet die Tagesstätte auch eng mit den Jobcentern in Parchim und Lübz zusammen.

Dirk kommt seit drei Jahren in die Tagesstätte, die er bereits 2009 besucht hatte. Er erzählt, dass 2016 innerhalb kurzer Zeit erst sein Bruder danach seine Mutter und seine Oma gestorben sind. Weil er auch noch seinen schwerkranken Vater pflegen musste, habe er wieder mit dem Trinken begonnen. Daraufhin verlor er erst seinen Führerschein und dann seinen Job. Dirk kommt gerne, weil er einen festen Tagesablauf mit viel Ablenkung hat und auf Gleichgesinnte trifft, mit denen er sich in geschütztem Umfeld austauschen kann, „wie sie den Tag schaffen“. Dirk möchte im Frühjahr des kommenden Jahres wieder zurück in den ersten Arbeitsmarkt. Seinen Führerschein hat er bereits zurück.


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