Parchim : Vollzeitjob Drillingsmama

Auf den Spielplatz gehts immer gemeinsam: Anja Gruschwitz mit ihren Drillingen Henri, Timo und Leon (v.l.).
Auf den Spielplatz gehts immer gemeinsam: Anja Gruschwitz mit ihren Drillingen Henri, Timo und Leon (v.l.).

Anja Gruschwitz zieht ihre Söhne Henri, Leon und Timo allein groß. Dankbar ist sie für die Unterstützung ihrer Eltern.

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26. März 2019, 05:00 Uhr

Ein Kind verändert das Leben komplett. Anja Gruschwitz erlebt es tagtäglich. Sie hat nicht nur eins. Sie hat vier. Sarah, 19, die schon aus dem Haus ist. Und Henri, Leon und Timo. Fünf sind die Drillinge. Groß zieht sie sie allein. Der Vater hat sich von Anfang an der Verantwortung entzogen, erzählt sie, enttäuscht aber konsequent. Er habe nie einen Bezug zu den Drillingen gehabt, hat nie mit ihnen gespielt. „Doch Eltern sein heißt, sich kümmern, Verantwortung übernehmen, Erziehung und bedeutet bei Dreien natürlich auch viel Arbeit.“ All das habe er nicht gewollt.

Noch heute tut es ihr weh, doch sie hat es akzeptiert. Und meistert ihr Leben. Aufstehen, Frühstück machen, die Kinder wecken, Zähne putzen, anziehen und ab zum Kindergarten. Die Tage sind durchgeplant. „Punkt acht Uhr aus dem Haus gehen, ist mein Ziel“, sagt sie. Dann nämlich sind die Drillinge rechtzeitig zum Morgenkreis in der Kita. Ein schöner Start, findet sie, und er sei wichtig, weil die Jungs Teil der Gruppe sind und die morgendliche Runde ihr Kompass durch den Tag ist.

Bald kommen die Drillinge in die Schule

Die gelernte Kommunikationselektronikerin, die später auf Hotelfachfrau umgeschult hat, arbeitet seit fast 15 Jahren in einem Parchimer Buchungscenter. Vom üblichen Schichtbetrieb und Spätschichten bis 21 Uhr befreit sie eine Sonderregelung. „Die gilt erst einmal, bis die Kinder in der Schule sind“, erzählt Anja Gruschwitz. Nach dem Sommer ist es soweit. Für den ersten aus dem Trio. Henri, der älteste und größte der Drillinge, den Bücher schon früh fesselten, der sich gut auf Dinge konzentrieren kann, wird dann in der Diesterweg-Schule eingeschult. Leon und Timo bleiben noch ein weiteres Jahr in der Kita. Neun Wochen zu früh waren die Brüder im Sommer 2013 auf die Welt gekommen. „Die beiden Kleinen waren damals 39 Zentimeter groß, sie brauchen noch Zeit“, sagt Anja.

Die Parchimer Mutter wird sich neu organisieren, morgens eine Stunde früher aufstehen und vor der Kita die Schule anfahren. „Das werden wir auch hinkriegen“, sagt die Parchimerin, die auf die Lösung hofft, die ihre Chefin ihr avisiert hat. Nicht zu arbeiten, wäre für sie keine Option. „Dann würde ich zum Sozialfall und das kommt für mich nicht in Frage. Ich will meinen Kindern ein Vorbild sein, sie sollen lernen, dass nur wer arbeitet auch Geld verdient, Geld, von dem man sich etwas leisten kann.“

Urlaub einmal im Jahr ist ein Muss

Wenn die Sprünge auch kleiner sind, als in Familien mit höheren Einkommen und weniger Kindern, fehle es ihren Jungen an nichts. Selbst Urlaub ist einmal im Jahr ein Muss. Dankbar ist Anja Gruschwitz ihren Eltern. Sie übernehmen die Drillinge, wenn sie am Wochenende arbeiten oder Feiertagsdienst schieben muss. „Obwohl sie auch nicht mehr die Jüngsten sind.“

Was ist mit Auszeiten für die Mama? „Zwischen meiner Arbeit und die Drillinge aus der Kita abholen habe ich einen Moment, den ich wirklich genieße. Hin und wieder verabrede ich mich mit einer Freundin auch zum Kinoabend oder wir gehen mal in die Cocktail-Bar. Auch dann halten meine Eltern mir den Rücken frei. Ohne sie würde ich das alles gar nicht schaffen.“

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