Kreistag Ludwigslust-Parchim : Zweifel am Naturerbe

Brand bei Lübtheen: Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen.
Brand bei Lübtheen: Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen.

Landrat stellte bei Resümee zum Großbrand bei Lübtheen auf dem Kreistag Sinn des Truppenübungplatzes als Naturschutzgebiet in Frage

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27. September 2019, 05:00 Uhr

Mit einer Präsentation von Landrat Stefan Sternberg zum Großbrand bei Lübtheen begann der erste Kreistag seit der Kommunalwahl im Mai und der konstituierenden Sitzung im Juni. Gleichzeitig zog er ein Resümee zum größten Waldbrand in Mecklenburg seit 1934: Der Brand kostete bis jetzt rund 1,064 Millionen Euro, weitere Rechnungen gehen noch ein. Die Kosten für die Verdienstausfälle und die Reisekosten der Einsatzleitung belaufen sich auf rund 206 182 Euro. 857 848 Euro betragen die Sachkosten.

Bei dem Brand, der am 30. Juni um 15 Uhr ausbrach, wurden 60 Kilometer Schneisen durch den Wald geschlagen und 37 Millionen Liter Wasser verbraucht. 960 Hektar Wald verbrannten. „Zum Glück kostete der Brand keine Menschenleben“, so Stefan Sternberg. Auch kein Haus und kein Dorf brannte nieder. „Ich habe aber ernsthafte Zweifel, dass ein Naturerbegebiet an diesem Ort richtig ist“, so der Landrat. Ein Ort, der jahrzehntelang für Wehrmacht, NVA und Bundeswehr als Truppenübungsplatz diente und hochgradig mit Munition verseucht ist.

Der Truppenübungsplatz Lübtheen gehört zum Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Der Übungsplatz soll die Kernzone werden, die jedes solcher Gebiete braucht, eine Fläche, die Menschen nicht betreten dürfen.

Der Landrat dankte noch einmal allen Einsatzkräften, die die Bekämpfung des Feuers unterstützten: all den ehrenamtlich arbeitenden Feuerwehrleuten, den Kräften des THW und auch der Landespolizei. „Dank auch an das Team der Kreisverwaltung, dass sie teilweise 24 Stunden am Tag gearbeitet haben, zum Beispiel unsere Pressesprecherin Susan Koch.“ Er bedankte sich ebenfalls bei Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau und bei allen Organisationen, die der Einsatzleitung zur Seite gestanden haben. „Das war ein dickes Brett“, so Sternberg. „Vor allem möchte ich mich bei den drei tollen Kreiswehrführern an meiner Seite bedanken.“

Kreiswehrführer Uwe Pulss (m.) und seine Stellvertreter Stefan Geier (l.) und Wolfgang Krause waren Gäste der Kreistagssitzung.
K. Frick

Kreiswehrführer Uwe Pulss (m.) und seine Stellvertreter Stefan Geier (l.) und Wolfgang Krause waren Gäste der Kreistagssitzung.

 

Der Landrat hatte Uwe Pulss zur Kreistagssitzung eingeladen, den Chef des Kreisfeuerwehrverbands Ludwigslust-Parchim, ebenso seine Stellvertreter Stefan Geier und Wolfgang Krause. Das Trio wurde stellvertretend für alle Feuerwehrleute des Kreises am 20. September mit der „Goldenen Henne“ ausgezeichnet, dem Publikumspreis des Mitteldeutschen Rundfunks. Der Preis ist mit 25 000 Euro dotiert. „Wir werden das Geld in die Kinder- und Jugendarbeit stecken“, sagte Uwe Pulss der SVZ. Das Sechs-Minuten-Video der Auszeichnungsveranstaltung wurde im Parchimer Solitär gezeigt.

In seinem Bericht zuvor war Sternberg noch auf den Bau der feuerwehrtechnischen Zentrale eingegangen, in den nun die Erfahrungen mit dem Brand bei Lübtheen einfließen sollen. „Wir werden Empfehlungen zum Bau bis Ende November geben“, so Sternberg. Er kündigte ein abgestimmtes Vorgehen im Kreistag an. Mit einer Umsetzung sei jedoch erst 2021/2022 zu rechnen.

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„Wir sind alle Lupis. Wenn wir immer so zusammen halten, wie wir in Lübtheen zusammen gehalten haben, sind wir der Kreis aller Kreise“, beendete Stefan Sternberg seinen Rückblick.




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