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Prozessauftakt Brandserie Brandserie: Angeklagte bestreitet Vorsatz

Von Ruth Hellenbruch | 12.12.2017, 21:00 Uhr

39-Jährige aus Wittenberge äußert sich zum Prozessauftakt vor dem Neuruppiner Landgericht

Keine Absicht, sondern ein Versehen war es, dass es am 14. Juni dieses Jahres in einem leerstehenden Haus in der Bürgerstraße in Wittenberge brannte. So jedenfalls stellt es Sylvia S. dar.

Die 39-Jährige muss sich seit Dienstag wegen elffacher Brandstiftung vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Von vorsätzlicher Brandlegung geht jedenfalls die Staatsanwaltschaft aus. Sie hält die zweifache Mutter für diejenige, die in der Zeit vom 10. April bis zum 14. Juni die Elbestadt in Atem hielt. Die Angeklagte jedoch bestreitet die Taten. Immer nachts und immer in der Nähe ihrer Wohnung waren die Brandherde. So musste unter anderem ein Mehrfamilienhaus in der Bäckerstraße evakuiert werden. Der Schaden beläuft sich hier auf etwa 17 000 Euro. In einem Mehrfamilienhaus an der Friedrichstraße wurden mehrere Müllsäcke mittels Spraydosen in Brand gesetzt. Schaden: 2000 Euro. Zwei Brandstiftungen blieben im Versuch stecken, weil ein Bewohner, durch einen Knall aufgeschreckt, Schlimmeres verhindern konnte, ein anderer eine glimmende Zigarettenkippe noch rechtzeitig löschen konnte.

Wortreich erklärte die gebürtige Perlebergerin, was aus ihrer Sicht in der Nacht des 14. Juni passiert war. Der Nacht, als sie auf frischer Tat erwischt wurde. Demnach wurde sie mit starken Kopfschmerzen wach. Nichts half, deshalb entschloss sie sich zu einem nächtlichen Spaziergang, den sie auch dazu nutzen wollte, Altpapier und Altkleider zu entsorgen. In unmittelbarer Nachbarschaft ihres Wohnhauses steckte sie sich eine Zigarette an, stellte den Stoffbeutel vor das Kellerloch eines leerstehenden Hauses. Sie warf die noch glimmende Zigarette weg, ohne darauf zu achten, wohin. „Die ist blöderweise in die Tasche gefallen. Bevor ich die Kippe rausholen konnte, ist der Beutel in den Keller abgerutscht.“ Das einzige, was sie sich bis heute vorwirft ist, nicht die Feuerwehr gerufen zu haben, sondern einfach nach Hause gegangen zu sein. Dort wurde sie kurze Zeit später festgenommen. Vehement bestritt die Angeklagte, den Brand absichtlich gelegt zu haben. Auch Brandbeschleuniger, der im Nachhinein festgestellt wurde, habe jedenfalls nicht sie verschüttet. Wie der dahin gekommen ist, konnte sie sich nicht erklären. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung hatte sie ausgesagt, dass sie frustriert über ihr Leben gewesen sei. Das sei in der Nacht hoch gekommen: Sie war gekündigt worden, musste sich rund um die Uhr um ihre Mutter kümmern, die Beziehung zu einem Mann hatte sich nicht in ihrem Sinne entwickelt.

Als sie im Mai einige Tage in der Wohnung ihrer Mutter verbrachte, brannte es dort auch, einmal im selben Haus, ein anderes Mal in der Nachbarschaft. Richterin Grit Burzer drückte ihre Verwunderung darüber aus. „Es ist komisch. Nun schlafen Sie bei Ihrer Mutter und jetzt brennt es da.“ Wie Sylvia S. schilderte, hatte sie vor dem Fernseher gesessen, als plötzlich der Strom ausfiel. Als sie die Tür zum Hausflur öffnete, kam ihr schon Qualm entgegen. Sie habe sich nur noch die Katze gegriffen und sei ins Freie geflüchtet. Die Feuerwehr war bereits eingetroffen. Sie selbst musste zwei Tage im Krankenhaus verbringen, zur Beobachtung.

Angesprochen auf einen Brand in der Packhofstraße, meinte die Angeklagte, dass sei nicht so ihre Gegend. Die würde man als Frau nachts meiden. Dass sie mal tagsüber durch die Straße gehe, wollte sie nicht abstreiten. Dass würde aus ihrer Sicht auch eine Zigarettenkippe mit ihrer DNA erklären. Nicht aber, dass ein Zeuge mitten in der Nacht eben diese noch brennende Kippe entdeckt und auch eine Frau beobachtet hatte, auf die ihre Personenbeschreibung zutraf.

Befragt zu einigen anderen Taten, antwortete sie nur: „Da kann ich nichts zu sagen.“ Bei einem Brand in der Bäckerstraße wurde Kleidung ihrer Tochter gefunden. Von diesem Feuer will sie lediglich mitbekommen haben, dass sie die Feuerwehr vor Ort gesehen hat und ein Karton mit aussortierten Sachen ihrer Tochter aus dem Keller fehlte. Das Verfahren wird am Mittwoch mit Zeugen fortgesetzt.