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Flüchtlinge in der Prignitz Ohne Umwege zum Arzt

Von HATA | 09.06.2017, 21:00 Uhr

Landkreis führt Gesundheitskarte für Asylbewerber ein / Gespeicherte Daten beugen Missbrauch vor

Asylbewerber in der Prignitz können bei Arztbesuchen seit dem 1. April eine Chipkarte benutzen. Das betrifft rund 120 Menschen, informierte die Kreisverwaltung Abgeordnete im Gesundheitsausschuss am Donnerstagabend. Für Behörden und Patienten bringt das eine Erleichterung.

Bisher mussten sich Asylbewerber in ihrer jeweiligen Kommune einen Behandlungsschein ausstellen lassen, konnten erst mit diesem einen Arzt aufsuchen. Dabei lag die Entscheidung über die Notwendigkeit einer Behandlung beim Behördenmitarbeiter, spätere Arztrechnungen mussten überprüft werden. Dieser bürokratische Aufwand fällt jetzt weg und die Patienten können ohne Zeitverzug den Arzt aufsuchen.

Die elektronische Gesundheitskarte sei den Betroffenen persönlich ausgehändigt worden. Sie gilt von der Ankunft bis zu 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland. Das entspreche der durchschnittlichen Bearbeitungszeit eines Asylantrags. Danach besteht eine freie Wahl der Krankenkasse.

Asylsuchende erhalten mit der Gesundheitskarte jedoch nicht alle Leistungen, die beispielsweise gesetzlich Krankenversicherte erhalten, hießt es in der Mitteilungsvorlage an die Abgeordneten. Der Leistungsumfang ist gesetzlich definiert.

Dazu zählen unter anderem Behandlungen akuter Erkrankungen und Schmerzzustände einschließlich der Versorgung mit Arznei- und
Verbandsmitteln sowie die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Schutzimpfungen. Werdende Mütter und Wöchnerinnen erhalten ärztliche und pflegerische Hilfe und Betreuung. Auf Zahnersatz besteht nur Anspruch, wenn dies aus medizinischen Gründen unaufschiebbar ist. Weiter heißt es: „Aus den Bundesländern, die die elektronische Gesundheitskarte bereits eingeführt haben, gibt es bislang keine Hinweise auf einen Missbrauch.“

Dem versucht der Landkreis auch vorzubeugen. So enthält jede Karte Angaben zur Legitimation ihres Besitzers: Name, Geburtsdatum und Passfoto. Mitarbeiter der Arztpraxis können somit erkennen, ob der tatsächliche Karten-Besitzer eine Behandlung wünscht.

Alle 18 brandenburgischen Kreise und kreisfreien Städte haben die Karte eingeführt, arbeiten mit unterschiedlichen Kassen zusammen. In der Prignitz ist es die Bahn-BKK.