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Deicheröffnung in Breese „Praktikant“ gibt Deichstück frei

Von RANT | 19.12.2017, 21:00 Uhr

Ministerpräsident Dietmar Woidke verbindet eine lange Hochwasser-Geschichte mit Breese

Als „Praktikant“ ist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wohl schon lange nicht mehr bezeichnet worden. Doch auf seine Situation beim Hochwasser 2006 mag diese von Landrat Torsten Uhe gestern gewählte Bezeichnung zutreffen. „Damals machten Sie in Breese Ihre ersten Erfahrungen mit Hochwasser als Umweltminister“, so Uhe bei der Übergabe des Deichneubaus an der Stepenitz in Breese weiter.

Es sollte nicht die letzte Naturkatastrophe dieser Art sein. Auch 2013 wurde Breese von den Wassermassen heimgesucht, zwölf Höfe waren nicht zu retten. Das sollte sich nicht wiederholen, der Hochwasserschutz wurde in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Am Dienstag nun konnte ein 850 Meter langer Teilabschnitt der Deichanlagen übergeben werden. Er verläuft vom Abzweig der Kreisstraße 7031 nach Nordosten – parallel zur Stepenitz. Mit Baulos 4 ist knapp die Hälfte der Deiche ausgebaut oder erneuert. Der besagte Abschnitt ist auf ein hundertjähriges Hochwasserereignis der Elbe bemessen und teilweise öffentlich befahrbar. „Es wurden 12 000 Kubikmeter einer besonderen Sandmischung als Stützkörpermaterial verbaut. Außerdem wurde die Deichkrone auf 300 Metern mit einer Spurbahn befestigt“, erläutert Tino Teichert vom Ingenieurbüro Pöyry in Perleberg. Außerdem wurden zwei Altarme der Stepenitz zur weiteren Renaturierung vorbereitet. Ziel sei, so Teichert, den Lauf der Stepenitz mittelfristig in seine ursprüngliche Bahn zurückzuverlegen. „Während der Bauarbeiten haben wir Teile der alten Ufersicherung entdeckt. Das war schon interessant“, so Tino Teichert, der vermutet, dass diese aus der Slavenzeit stammt. Die reinen Baukosten für den Deichabschnitt liegen bei etwa 800 000 Euro, inklusive Planungs-, Vermessungs- und Naturschutzkosten kommen rund eine Million Euro zusammen.

Dietmar Woidke sieht in dem Projekt „einen wichtigen Meilenstein für einen besseren Hochwasserschutz in der Prignitz“. „Hier bei Breese waren wir den Anwohnern eine hohe Priorität und deutlich mehr Tempo schuldig.“

Baustart für Los 4 war im September 2016. „Ich bin froh, dass die Arbeiten so gut vorangehen und die Pläne, die 2013 gefasst worden sind, auch umgesetzt werden“, so Breeses Bürgermeister Werner Steiner, der es ausdrücklich begrüßt, dass auch die Ortsumfahrung über die L11 im Zuge des Deichbaus verwirklicht wird. Im Jahr 2020 sei die Gemeinde rundum sicherer vor Hochwasser als je zuvor. Die insgesamt viereinhalb Kilometer langen Hochwasserschutzanlagen für Breese sollen 2020 fertig sein. Insgesamt belaufen sich die Baukosten für die Deichanlagen bei Breese auf etwa 7,3 Millionen Euro. Die Arbeiten werden vom Landesamt für Umwelt beauftragt und mit EU-, Bundes- und Landesmitteln finanziert.