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Kindertagesstätten Suche nach Kita-Alternativen

Von RANT | 29.11.2017, 21:00 Uhr

Stadtverwaltungen in Wittenberge und Perleberg informieren Eltern über den Stand der Mernitz-Kitas

Immer wieder musste Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann am Dienstagabend zugeben, dass er keine genauen Informationen über die derzeitige Lage der von Bärbel Mernitz betriebenen Kitas „Happy Kids“ und „Märchenschloss“ und der Krippe „Happy Little Kids“ habe. Die Besorgnis war den Eltern beim Infoabend im vollen Großen Saal des Rathauses in die Gesichter geschrieben, denn wegen Finanzproblemen könnten die Einrichtungen schließen.

Klar wurde, dass die Stadt nicht länger warten, sondern Tatsachen schaffen will. So rückt das bisherige Jugendfreizeitzentrum „Würfel“ in den Blickpunkt. Das Haus in der Bad Wilsnacker Straße soll die Lösung sein, falls die Mernitz-Kitas schließen, offerierte Hermann den Eltern. „Wir möchten wieder vernünftige Verhältnisse haben. Es wäre möglich, im ,Würfel’ Kita-Plätze zu schaffen. Aber für diesen Weg benötigen wir eine Betriebserlaubnis für eine Kita sowie auch ein Brandschutzkonzept.“ Dies vorzubereiten, benötige einige Zeit, deswegen würden die Planungen schon laufen, damit die Kinder im Ernstfall nicht ohne Betreuung wären.

SOS stützt Kita-Pläne Der „Würfel“ als Kindertagesstätte wäre auch dann eine denkbare Alternative, wenn der SOS Kinderdorf e.V. kommende Woche als neuer Träger des Freizeitzentrums von den Stadtverordneten benannt werden sollte. „Es gibt in unserem Haus Grundvorstellungen für eine Kita. Ich kann Ihnen versichern, dass wir mit Hochdruck an einem Konzept arbeiten“, erklärte Daniel Krause-Pongratz, Geschäftsführer des SOS-Kinderdorf Prignitz, den Eltern. Bisher hatte der Verein nur Pläne für eine offene Jugendarbeit im „Würfel“ vorgestellt.

Die Eltern erhielten von Bärbel Mernitz ein Schreiben, das dem „Prignitzer“ vorliegt. Darin wird von Bärbel Mernitz geschildert, dass „ohne die so dringend benötigte finanzielle Hilfe (...) der Betrieb der Einrichtungen nicht über das Jahr hinaus fortgeführt werden“ könne. „Von insgesamt 101 zur Verfügung stehenden Betreuungsplätzen können ab Dezember ca. 39 Plätze nicht mehr belegt werden.“

Sowohl Wittenberge als auch Perleberg zahlen für jeden Kitaplatz einen monatlichen Zuschuss von sechs Euro pro Quadratmeter für die ortsübliche Kaltmiete. Jedoch benötigen die Mernitz-Kitas nach „Prignitzer“-Informationen mehr Geld, um den von ihnen eingegangenen Mietverpflichtungen nachkommen zu können. Bürgermeister Oliver Hermann lehnt dies mit Verweis auf einen gerichtlichen Vergleich zwischen Stadt und Mernitz-Kitas und den Gleichbehandlungsgrundsatz aller Kitas ab.

Um in einer neuen Kita Personal einstellen zu können, ist eine Betriebserlaubnis für die Räume erforderlich, die das Land erteilt. Rückendeckung für beide Kommunen kommt vom Landkreis. „Wir sind mit den Städten in Gesprächen und wollen unseren Teil beisteuern, damit eine Lösung gefunden wird“, so Danuta Schönhardt, Leiterin des Geschäftsbereichs Bildung, Jugend, Soziales und Gesundheit. Bisher liege ihr kein offizielles Schreiben der Kita-Geschäftsleitung vor.

Perleberg hat AlternativenGleiches Szenario in Perleberg, wo für 52 Steppkes der Kita „Bellagio“ eine Lösung gefunden werden müsste. Denn auch die Stadt erhielt ein Schreiben von Frau Mernitz, wonach sie ein fünfstelliges Defizit bei den Betriebskosten ankündigte. „Dienstag bestätigte Herr Mernitz einen Gesprächstermin für den heutigen Donnerstag“, so Bürgermeisterin Annett Jura. Dabei habe er durchblicken lassen, dass er kein Interesse habe, die Kita zu schließen und auch keine Kündigungen aussprechen wolle. „Das wäre die optimalste Variante“, gesteht die Bürgermeisterin. Denn Trägervielfalt sei der Stadt wichtig.

Dennoch hat die Stadt einen Plan B und auch C. Ersterer gelingt nur im Zusammenspiel aller Kitas der Stadt, deren Leitungen bereits in den Sachverhalt involviert seien. Freitag gibt es ein erneutes Treffen, wo jede konkret sagt, wie viele Kinder sie unter welchen Voraussetzung aufnehmen könne. Beim Ministerium habe man vorgefühlt, um alle Möglichkeiten eines beschleunigten Verfahrens zu nutzen.

Plan C sieht vor, dass die Stadt vorübergehend als Träger einspringt. Eine der Geschäftsführerinnen der Avia und Solution GmbH, an die die Mernitz 2015 die Einrichtung verkauften, signalisierte bei einem Gespräch vor Ort, dass man sich für ein halbes Jahr den ortsüblichen Mietpreis von 6 Euro pro Quadratmeter unter Umständen vorstellen könne, so die Bürgermeisterin. Doch auch die Stadt muss das normale Betreiberverfahren durchlaufen. „Bis zum 1. Januar 2018 ist das sportlich“, umschreibt Annett Jura die Problematik.

Auch habe die Stadt eine Containervariante in Betracht gezogen. Tenor der Eltern: „Wir wollen einfach nur, dass unsere Kinder in den Gruppen bleiben und weiterhin von ihren Erzieherinnen betreut werden. Von uns aus auch im Container.“ Sie lobten die engagierte Arbeit der Erzieherinnen, hätten dafür Wege von Putlitz, Groß Pankow oder Breese in Kauf genommen. Applaus gab es am Ende der Info-Veranstaltung für die Stadt. „Wir sind dankbar, dass man uns hier hört und sich kümmert“, so ein Vater.