Grenzen der Integration : Blanke Angst vor Rückkehr und Tod - der Fall Younes

Am Gymnasium Perleberg hat Younes seinen Schulabschluss gemacht.
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Am Gymnasium Perleberg hat Younes seinen Schulabschluss gemacht.

Schicksal von Younes zeigt die Grenzen der Integration auf. Flüchtling aus dem Benin hofft auf eine Zukunft in Deutschland, aber die Aktenlage spricht gegen ihn

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14. März 2019, 12:00 Uhr

Dies ist die Geschichte von Younes – einem Flüchtling aus dem westafrikanischen Benin. In ihr geht es um Hexen, Voodoo-Kult, Könige, Familienfehden, Morddrohungen – Stoff, der mühelos eine Folge der Serie „Game of Thrones“ füllen könnte.

Sie handelt von seiner Flucht, seinem Ankommen in der Prignitz, seiner erfolgreichen Schulausbildung und einer nicht begonnenen Lehre, weil die Ausländerbehörde des Landkreises ihm eine Arbeitserlaubnis bzw. Ausbildungsduldung verweigert. Die Geschichte erzählt von Urteilen und Menschen, die auf Paragrafen verweisen, die Younes ausweisen wollen. Sie erzählt von Menschen, die in den gleichen Paragrafen lesen, aber zu anderen Schlüssen kommen.

Younes selbst ist machtlos, den Behörden ausgeliefert. Aus seiner Perspektive entscheidet der Landkreis über sein Leben: Wird er zurückgeschickt, droht ihm der Tod. Bleibt er, könnte er ein Paradebeispiel für eine geglückte Integration werden. Entlang dieses schmalen Grats bewegt sich sein Schicksal.

Sie kämpfen für Younes

Die rechtlichen Möglichkeiten sind ausgereizt, die Urteile gesprochen. Sie fallen gegen Younes aus. Dem 19-Jährigen droht eine Abschiebung. Die Ausländerbehörde des Landkreises Prignitz hat die dazu erforderlichen Schritte eingeleitet. Sollte die Behörden den jungen Mann zurück in sein Heimatland Benin schicken, bangt er um sein Leben. Deutsche Gerichte und Behörden schicken ihn in den Tod – so ist die Sichtweise von Younes, dessen Nachnamen wir nicht nennen dürfen, weil sein Leben selbst hier in Deutschland bedroht sei.

Younes Befürchtung teilen Menschen, die sich mit den Verhältnissen im Benin auskennen, wie die Ethnologin Thamar Klein von der Universität Köln. In einem für seinen Prozess erstelltem Gutachten kommt sie zu dem Schluss, dass seine Ängste begründet seien. Younes Geschichte ist auch deshalb so außergewöhnlich, weil sie die Grenzen der Integration aufzeigt. Er spricht fließend Deutsch, hat einen Schulabschluss am Gymnasium Perleberg gemacht und einen Ausbildungsbetrieb gefunden. Aber die erforderliche Arbeitserlaubnis verwehrt ihm die Ausländerbehörde des Kreises Prignitz. 

Am Gymnasium Perleberg hat Younes seinen Schulabschluss gemacht.
Foto: Carlo Ihde
Am Gymnasium Perleberg hat Younes seinen Schulabschluss gemacht.
 

Younes ist  nicht allein. Es sind viele Menschen, die ihn unterstützen. Manche öffentlich, andere im Hintergrund. Unter ihnen  Schüler seiner früheren Schule.  Rika Krüger ging sein Schicksal  so nahe, dass sie   mit den Schülersprechern  Joshua Gura und Jeremias Telschow eine Hilfsaktion startete. Sie sammelten Unterschriften, baten  auf Veranstaltungen um Hilfe und wandten sich im Kreistag an die Abgeordneten. Sie erhielten Zuspruch und Anerkennung, aber in der Sache selbst erzielten sie keinen Erfolg.

Weiterlesen: Emotionaler Appell im Kreistag

Anfang Februar nutzten sie den Bürgerdialog von Dietmar Woidke in Perleberg, sprachen den Ministerpräsidenten an. Der kannte die Akte und verwies auf  die ablehnende Entscheidung  des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Dieses hatte den Asylantrag als  „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt.  Auch das Verwaltungsgericht Cottbus wies die Klage von Younes gegen die Entscheidung des Bamf ab. Gegen solche höchstrichterlichen Urteile würden weder Unterschriften helfen noch könne er als Ministerpräsident etwas machen.

Wie ein eigenes Kind behandelt

Burgit Kilianski kennt dieses Gefühl einer Niederlage, eines weiteren Rückschlags.  Sie kämpft wie keine andere für Younes. Mit ihrem Mann  Rüdiger Wiebelitz hatte sie Younes zusammen mit einem weiteren Flüchtling aus dem Benin bei sich aufgenommen, ihn bis zu seiner Volljährigkeit betreut. So selbstverständlich, wie sie Younes wie ihr eigenes Kind behandelten, so selbstverständlich sagt er zu ihnen Mutter und Vater. Sie ist Lehrerin, er Chefarzt. Sie haben sich durch Unmengen von Literatur über Benin gelesen, haben recherchiert,  bundesweite Urteile und richterliche Begründungen in ähnlichen  Fällen gelesen. Am Beispiel Younes wird für sie das Versagen der deutschen Asylpolitik deutlich.

Sie begleiten Younes zu Prozessen, stehen in  Kontakt mit seinem  Anwalt, der ein Gespräch mit uns  ablehnt. Burgit Kilianski  hatte Mailkontakt mit der Ausländerbehörde, hat mit Christian Müller, dem ersten Beigeordneten des Landrates,  gesprochen. Sie hat  Nachrichtenmagazine informiert. Aber vor allem sind sie für Younes die emotionale Stütze. Sie geben ihm Hoffnung, wenn seine Hoffnung schwindet. Sie machen  Mut, wenn bei ihm die Verzweiflung wächst. Wenn am Ende ihres gemeinsamen Kampfes die Niederlage stehen sollte, wenn Younes zurück in den Benin geschickt werden sollte, bekommt ihr Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat große Risse.   Aber so weit ist es noch nicht. „Wir geben nicht auf“, sagen sie.

Das Erzählen beim gemeinsamen Frühstück mit ihren Pflegeeltern Burgit Kilianski und Rüdiger Wiebelitz ist für Ibrahim und Younes längst zur Normalität geworden und zählt zu den schönen gemeinsamen familiären Stunden.
Foto: Hanno Taufenbach
Das Erzählen beim gemeinsamen Frühstück mit ihren Pflegeeltern Burgit Kilianski und Rüdiger Wiebelitz ist für Ibrahim und Younes längst zur Normalität geworden und zählt zu den schönen gemeinsamen familiären Stunden.
 

Wir kennen Younes seit Februar 2016. Damals haben wir ihn im Deutschunterricht am Gymnasium Perleberg besucht. Er sprach gebrochen, suchte nach den richtigen Worten und Hilfe im Französischen, der Amtssprache seines Heimatlandes. Doch es zeichnete sich bereits ab, dass er ein guter Schüler ist.

Weihnachten 2016 besuchten wir ihn in seiner Pflegefamilie, die den damals noch Minderjährigen im Oktober 2015 aufgenommen hatte. Da hatte er schon den „Schimmelreiter“ von Theodor Storm gelesen. Er war angekommen in diesem für ihn so fremden Land. Er hatte Freunde, kam in der Schule gut mit, spielte erfolgreich Fußball bei den A-Junioren in Perleberg.

Hoffen auf Hilfe

Noch einmal trafen wir ihn wenige Monate später im Frühjahr 2017. In einem Wittenberger Autohaus absolvierte er ein Praktikum. „Ich bin sehr interessiert, etwas mit dem Auto zu machen, deshalb habe ich Mechanik für mein Praktikum gewählt“, erzählte er uns im fast flüssigen Deutsch.

Im August 2018 wendete sich Younes an seine ehemalige Lehrerin Rhea Zierke. Sie habe ihm versprochen, zu helfen, wann immer er Hilfe braucht. Jetzt war es so weit. Die zehnte Klasse erfolgreich abgeschlossen, möchte er eine Lehre zum KfZ-Mechaniker im Perleberger Autohaus Koch aufnehmen. Doch dazu benötigt er eine Erlaubnis der Ausländerbehörde. Am 11. Juli stellt er einen Antrag auf Ausbildungsduldung. Was nach Formalie klingt, wird für Younes zum unüberwindbaren Felsbrocken. Der Ausbildungsstart rückte näher, doch eine Entscheidung der Behörde blieb aus. „Was soll ich tun, können Sie helfen?“, fragte Younes Rhea Zierke führte Gespräche, wandte sich an unsere Redaktion.

Ein Praktikum hatte sein Interesse geweckt, das Autohaus Koch bot Younes einen Lehrvertrag an.
Hanno Taufenbach

Ein Praktikum hatte sein Interesse geweckt, das Autohaus Koch bot Younes einen Lehrvertrag an.

Im Autohaus Koch wartet man bis heute auf Younes. Okay, seine Noten in Mathe und Physik seien nicht überragend, aber im Praktikum, überzeugte er. „Das lief prima, wir entschieden uns, ihm die einzige Lehrstelle zu geben“, sagt Geschäftsführerin Maja Niemeyer. Erst beim Aufsetzen des Lehrvertrages erfuhr sie, dass Younes eine Arbeitserlaubnis benötigt.

Das Lehrjahr begann, die Ausländerbehörde prüfte weiter. Das Autohaus Koch stand zu Younes. Er könne später beginnen. September, Oktober, November vergingen. Jetzt noch in die Ausbildung zu starten, war unrealistisch. Aber Younes könnte bei Kochs arbeiten, bis das nächste Lehrjahr beginnt. „Er langweilt sich doch. Bevor er auf der Straße 'rumhängt, sollte er lieber eine Arbeitserlaubnis bekommen“, meint Maja Niemeyer.

Weder Ausweis noch andere Papiere

Er bekam sie nicht. Am 26. November lehnte die Ausländerbehörde Younes Antrag auf eine Ausbildungsduldung ab. Ein Hauptgrund für die Ablehnung ist seine nicht geklärte Identität. Younes hat weder einen Pass, noch einen Ausweis oder andere Dokumente. Zugleich wirft die Behörde ihm vor, dass er nicht ausreichende Schritte unternimmt, um seine Identität zu klären, also einen Nachweis zu erbringen, dass er wirklich Younes aus dem Benin ist. Er solle beispielsweise seine Verwandten kontaktieren.

„Das kann ich nicht“, sagt Younes. Wir treffen ihn in einem Perleberger Imbiss. Es wird Zeit, seine Geschichte zu hören. Er stammt aus einer Königsfamilie, die seit Jahrhunderten im Benin und mindestens neun weiteren anderen afrikanischen Staaten lebt. Der Clan ist zerstritten und liegt in Fehde mit anderen Königsfamilien. Seine Familie betreibe Hexerei. Mitglieder werden verflucht, sterben an Krankheiten. Auch sein zum König gewählter Vater sei verhext worden und verstorben. „Als sein Sohn wäre ich sein Nachfolger, auch mein Leben ist bedroht“, sagt Younes.

Hexen, Zauberei, Okkultismus

Für uns Mitteleuropäer unfassbar, aber die Ethnologin Dr. Thamar Klein, Universität Köln, bestätigt diese Aussagen in einem unserer Redaktion vorliegendem Gutachten zur Fluchtgeschichte von Younes. Hexerei und Schadenszauber seien bis heute verbreitet und fest im Glauben der Menschen verwurzelt. Insbesondere Younes' Herkunftsregion und seine berühmte Familie seien dafür bekannt. Zahlreiche Quellen und eigene Studien in Benin führt Klein als Belege an.

Nach dem Tod des Vaters flieht die Mutter mit Younes und seiner Schwester in die Stadt Cotonou. „Ich blieb am Busbahnhof, sie ging mit meiner Schwester, um eine Unterkunft zu suchen. „Ich wartete die ganze Nacht, aber sie kehrten nicht zurück.“ Er rief sie auf dem Handy an, doch das blieb stumm. Younes begann nach ihnen zu suchen, fragte nach ihnen. Vergeblich. Nach zwei Wochen gab er auf.

Um sein Leben fürchtend, floh er nach Algerien, hielt sich mit Hilfsjobs über Wasser. Als sich Anzeichen verdichteten, dass seine Familie ihn aufspürt, floh er weiter, begleitet von einem Freund. In Libyen gerieten sie in die Hände von Menschenhändlern, mussten Zwangsarbeit verrichten. „Wer nicht tat, was die bösen Männer verlangten, wurde erschossen, so wie mein Freund“, sagt Younes, der seine Flucht fortsetzen konnte. Übers Mittelmeer sei er nach Italien und von dort mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen. So erzählt er es.

Die Fluchtroute
Redaktion

Die Fluchtroute

 

Wir können diese Aussagen nicht überprüfen, aber Thamar Klein hält sie für glaubwürdig: „Younes ist aufgrund der Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der Familie ... extremer Gefahr (Folter, Tod) durch eben diese soziale Gruppe ausgesetzt, sobald er in Reichweite der Familie gerät“, schreibt sie. Da die Familie weit verbreitet ist, hohe Ämter in Politik und Wirtschaft bekleidet, sei es glaubwürdig, dass sie ihn in Algerien aufgespürt hätte. Ebenfalls verweist Klein auf Beispiele, die belegen, dass Fehden innerhalb der Familie blutig ausgetragen werden.

Wen kann man vertrauen?

Sie hält die von ihm wahrgenommene Bedrohung seines Lebens im Benin und anderen Ländern, selbst in Europa für begründet und sieht sogar „eine Gefährdung von offiziellen Seiten in Benin für ihn“, da Familienangehörige wichtige Ämter bekleiden. Younes könne nicht wissen, wem er vertrauen kann und wem nicht.

„Ich habe keine privaten Kontakte in den Benin, auch nicht zu meinen alten Freunden“, sagt Younes. Er reibt seine Hände aneinander, senkt den Blick. Der junge Mann wirkt hilflos. Weder könne er seine alte Schule kontaktieren noch Nachbarn. Seit er in Deutschland ist, vermeidet er alles, was seinen Aufenthaltsort verraten könnte. Bislang durften wir ihn nur von hinten fotografieren, seinen Familiennamen bis heute nicht veröffentlichen. Weder seine Mailadresse noch soziale Netzwerke lassen Rückschlüsse auf seine neue Heimat zu.

All das weiß die Ausländerbehörde. Auch dass er im vergangenen Jahr bei der Botschaft des Benin in Berlin vorgesprochen hat. Doch auch die könne keine Papiere für ihn ausstellen. Trotzdem bleibt die Ausländerbehörde hart: Laut Aufenthaltsgesetz sei eine Ausbildungsduldung in seinem Fall nicht zulässig. „Eine vorläufige bzw. eingeschränkte Erteilung einer Ausbildungsduldung sieht das Aufenthaltsgesetz nicht vor und räumt der Behörde kein Ermessen ein“, heißt es in der schriftlichen Antwort an unsere Redaktion.

Den Fall Younes und die Entscheidungen der Behörden einzuordnen, fällt nicht leicht. Mit Kathrin Willemsen sprach darüber Redakteur Hanno Taufenbach. Sie engagiert sich seit 2014 für Geflüchtete, arbeitete 2016 und 2017 in einer Beratungsstelle für Migranten in Perleberg und kennt den Fall. Hier das Interview: Gesetz räumt der Ausländerbehörde ein Ermessen ein

Thomas Domres bezeichnet die Entscheidung als „unakzeptabel“. Der Prignitzer Landtagsabgeordnete der Linken kennt den Fall, hat Akteneinsicht nehmen dürfen und sagt: „Es gibt objektive Gründe, dass er seine Identität nicht nachweisen kann.“ Monatelang hat Domres immer wieder beim Landkreis nachgefragt und ist mittlerweile selbst „gefrustet“, wie er sagt.

Eine Übersicht über die Aktenlage lesen Sie unten!

Dass die Ausländerbehörde rund fünf Monate gebraucht habe, um über seinen Antrag auf Ausbildungsduldung zu entscheiden, sei ungewöhnlich lang. Im Gegensatz zur Behörde sieht er einen Ermessensspielraum. „Ich wünsche mir eine Einzelfallentscheidung und zumindest eine Arbeitserlaubnis zur Überbrückung“, so Domres. Younes habe einen Schulabschluss, habe einen Ausbildungsbetrieb, ist im Verein aktiv – all das hätte die Ausländerbehörde bei ihrer Entscheidung viel stärker gewichten können und müssen.

Ping-Pong-Spiel mit den Behörden

Die Behörde hat Ersatzpapiere für Younes beantragt, um ihn abzuschieben. Selbst bei einer geklärten Identität könne sich so ein Prozess hinziehen, bei einer ungeklärten wie in diesem Fall werde niemand sagen können, wann eines Tages Ersatzpapiere ausgestellt sind, sagt Domres. So lange könne man ihn nicht auf das Abstellgleis schicken. Domres hat die Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti eingeschaltet. Sie hat sich bei einem Mitarbeiter des Auswätigen Amtes erkundigt. „Dokumente mit Passbild werden frühestens mit dem 18. Lebensjahr ausgestellt. Vor seiner Flucht hatte er noch keinen Ausweis“, stellt Domres klar. Er spricht von einem Ping-Pong-Spiel. Jede involvierte Behörde verweist auf eine andere. „Die Verantwortung wird hin- und hergeschoben.“ Man verstecke sich hinter Paragrafen, deswegen sei die Entscheidung der Ausländerbehörde zwar nicht unrechtmäßig, aber jetzt sollte sie wirklich Ermessen zeigen, denn es gibt eine neue Entwicklung.

Younes hat den Suchdienst des DRK eingeschaltet. Dieser soll seine Mutter und Schwester ausfindig machen. Sie könnten seine Identität beweisen. Der Fall hat ein Aktenzeichen und wird in der Dokumentationsstelle München geführt. Domres legt unserer Redaktion Fotos vor, die das belegen. Ebenfalls durfte unsere Redaktion Younes jüngstes Schreiben an die Ausländerbehörde lesen. Darin bittet er, seinen Fall erneut zu prüfen. Das hatte die Behörde in Aussicht gestellt, wenn er neue Aktivitäten nachweisen würde.

Younes selbst hat Hoffnung. „Irgendwann wird alles gut“, sagt er. Wer ihn über Monate hinweg begleitet, ihn trifft, mit ihm chattet, spürt aber seine Angst, seine Sorgen. Wer sein Schicksal kennt, kann annähernd erahnen, wie es tief in ihm drinnen aussehen muss. Wie die Freude über die Zusage eines Ausbildungsplatzes für seinen Wunschberuf der Trauer weicht, wie mit jedem Behördenbrief die Angst vor einer Ausweisung wächst. „Eine Rückkehr in den Benin macht für mich keinen Sinn. Dort habe ich kein Leben mehr, dann kommen sie mich ermorden“, sagt er am Ende unseres Gesprächs.

Chronologie: Richter weisen Klagen ab

Aus Sicht der Behörden ist der Fall eindeutig. Sie sehen keinen Asylgrund. Eine Übersicht zur Aktenlage.

  • Am 11. Juli 2016 lehnt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Antrag auf Asyl als „offensichtlich unbegründet“ ab. Ebenfalls wird der Antrag auf subsidiären Schutz abgelehnt. Laut der Behörde liegen keine Abschiebungsverbote vor.
  • Am 13. September 2018 weist das Verwaltungsgericht Potsdam die Klage wegen Asyl, Abschiebungsschutz, Ausreiseaufforderung und Abschiebungsandrohung ab. Laut Gericht hat die Klage keinen Erfolg. Das BAMF habe richtig entschieden. Younes „ist weder vorverfolgt ausgereist noch droht ihm erstmals nach Rückkehr Verfolgung“, sagt das Gericht. Es folgt eine mehrseitige Begründung, warum das Gericht keine Gefahren für Younes im Benin erkennt. Sollte sein Leben in seiner Herkunftsregion bedroht sein, könne er in andere Landesteile ausweichen.
  • Am 23. Januar 2019 lehnt das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg den Antrag auf Zulassung der Berufung gegen das Cottbuser Urteil ab. Dieser Beschluss ist unanfechtbar.
  • Am 19. Februar 2019 weist die Ausländerbehörde einen erneuten Antrag auf Ausbildungsduldung ab.
  • Heute hat Younes ein weiteres, persönliches Gespräch in der Ausländerbehörde
     
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