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Vom Bahnhof zur Wilsnacker Wunderblutkirche : Blickfänge zieren die Pilgerroute

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Drei Werke des Künstlers Sebastian David dienen nun in Bad Wilsnack als Leitsystem zur Wunderblutkirche

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 21:00 Uhr

Mit geschlossenen Augen steht Künstler Sebastian David an der „Windharfe“ gleich neben dem Eingang zur Wunderblutkirche. Hoch konzentriert stimmt er die Saiten seines Kunstwerks, das ab sofort die Besucher an dem imposanten Gotteshaus begrüßt.

Die „Windharfe“ ist Teil des Leitsystems Pilgerroute, das außerdem aus einem „Tor der Balance“ am Bahnhof und aus einer weiteren Skulptur namens „Fünf Pilger“ an der Ecke Bahn-/Dr.-Wilhelm-Harnisch-Straße besteht.

Zwischen 70 und 250 Kilogramm wiegen die Objekte. Es ist Sebastian Davids erste Metallarbeit in diesem Umfang. „Ich bin ja eigentlich Holzgestalter“, erklärt der Bad Belziger. Dennoch beteiligte er sich vergangenes Jahr an dem Ideenwettbewerb „Kunstobjekte als Leitsystem der Pilgerroute durch Bad Wilsnack“. Dieses Projekt bildet den Abschluss eines 25-jährigen Stadtumbaus.

Die drei Kunstwerke bestehen aus Edelstahl und sind mit einer Flüssigmetallbeschichtung aus Kupfer überzogen, die David mit Spachtel und Pinsel aufgetragen hat, wodurch die Statuen eine lebendigere Struktur bekommen. Dieser Eindruck wird dadurch unterstützt, dass je nach Lichteinfall sich die Farbgebung leicht verändert.

„Die Formen habe ich von einer Firma per Laser schneiden lassen“, erklärt David, als er letzte Hand an „Fünf Pilger“ anlegt. Die menschlichen Silhouetten symbolisieren die fünf Sinne, die beim Pilgern natürlich auch eine Rolle spielen. Steht der Betrachter in einer bestimmten Position zu der Figur, erscheinen die Köpfe außerdem wie die Zehen eines Fußes und nehmen so das Motto des Gesamtkunstwerks, „Spuren-Fußabdrücke“, wieder auf.

Auf dem Sockel der „Fünf Pilger“ sind die Figuren in einer Art Milchglasdarstellung auch noch einmal zu sehen. „Sie sollen abends von innen beleuchtet werden“, erklärt Peter Rollenhagen, Leiter des Bauamtes Bad Wilsnack/Weisen. Damit das Kunstwerk noch besser zur Geltung kommt, soll demnächst noch der Knotenpunkt-Wegweiser an der Kreuzung Bahn-/Dr.-Wilhelm-Harnisch-Straße versetzt werden, kündigt er an. Doch ihre Wirkung verfehlt die Kunst schon jetzt nicht. „Das ist ein echter Hingucker. Man überlegt gleich, was das ist. Auch der Fuß ist mir gleich aufgefallen“, sagt eine Passantin aus Nordrhein-Westfalen, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Dieser „Fuß“ ist etwa drei Meter groß und befindet sich nahe des Bahnhofs. Das „Tor der Balance“ kann künftig von den Passanten nicht nur bestaunt, sondern auch benutzt werden. „Dort habe ich eine Plattform angebracht, auf der man das Gleichgewicht halten muss. Ein Symbol, um Körper und Geist in Balance zu bringen“, so Sebastian David. Als letztes der drei Objekte stellt er die „Windharfe“ an der Wunderblutkirche auf. Das kleine Fundament ist von Mitarbeitern des Stadtbetriebshofs schon gegossen worden. Doch der Blick des Künstlers verrät, dass er besorgt ist. „Ich hoffe, die Statue wird nicht beschädigt“, sagt David mit Blick auf die Kirchenbaustelle. Er misst die Position der „Windharfe“ exakt auf dem Fundament aus. Das rund zwei Meter hohe Objekt hat seinen Namen nicht von ungefähr. „Bei kräftigem Wind erzeugen die Saiten zwischen den Metallplatten Töne“, erläutert David und beginnt, die Nylon- und Edelstahlsaiten auf denselben Grundton einzustellen.

Allerdings würden sie in verschiedenen Obertönen erklingen und auch nicht zu laut sein. „Und wenn sich jemand stört, kann er die Harfe drehen, so dass der Wind nicht mehr durch die Saiten geht.“ Anfang Dezember soll das 30 000 Euro teure Projekt offiziell übergeben werden. Das Geld kommt aus der Städtebauförderung.

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