Lenzen : Burg sucht Küchenchef

Zwischenlösung mit Mietköchen hat in Lenzen keine Basis / Bewerbungen liegen vor

nnn.de von
08. Mai 2019, 05:00 Uhr

Lenzen | Gut ein Jahr ist vergangen, seit Küchenchef Knut Jessen das Restaurant auf der Burg in Lenzen verlassen hat. Seitdem ist es nicht gelungen, für ihn einen Nachfolger zu etablieren. Die ursprünglich angestrebte und im Januar 2018 auch kommunizierte Lösung, klappte nicht. Der designierte Nachfolger trat die Stelle gar nicht erst richtig an. „Ja, es stimmt, uns ist es noch nicht gelungen, das Loch zu stopfen“, bestätigt Doreen Nieß-Jessen, Betriebsleiterin des Hotels und Gastrobereichs.

Viel habe sie gemeinsam mit der Burggeschäftsführung ausprobiert. „Dabei erlebten wir Höhen und Tiefen“, sagt Nieß-Jessen. Vor allem die Übergangslösung mit Mietköchen bezeichnet sie als ein Experiment, das aber keine Basis habe. „Wir wollen jemanden langfristig an den Betrieb binden, jemanden, der hier seine Ideen umsetzen kann“, so Nieß-Jessen.

Viel hätten sie versucht. Stellenanzeigen in klassischen und in den sozialen Medien. Auch wenn der Erfolg bisher ausblieb, aufgeben werde sie nicht. Im Gegenteil. Vorsichtiger Optimismus keimt. Es liegen mehrere Bewerbungen von Kandidaten aus der Region und von weiter weg vor. „Wir führen mit ihnen Gespräche.“ Gut möglich, dass es schon bald eine Lösung geben könnte.

Ein Jahr der vergeblichen Suche mag lang klingen, sei es aber nicht, zumindest nicht in dieser Branche und in dieser Region. „Es ist doch deprimierend, dass fast überall Köche gesucht werden“, meint die Betriebsleiterin. Das sei nicht nur der allgemeinen schwierigen Personalsituation geschuldet, sondern sei auch ein Ergebnis der brandenburgischen Bildungspolitik.

Im Landkreis werden am Oberstufenzentrum in Wittenberge keine Köche und Restaurantfachkräfte mehr ausgebildet. Beide Klassen seien nach Neuruppin verlegt worden. „Das bedeutet oft zusätzlich Fahrt- und Wohnkosten. Irgendwann rechnet sich das für die Jugendlichen nicht mehr“, meint Nieß-Jessen. Die Folge: Entweder entscheiden sie sich gleich für eine andere Ausbildung oder sie suchen sich einen Betrieb am Schulstandort. Abgelegene Regionen wie Lenzen hätten das Nachsehen. Erst recht, wenn große Häuser mit attraktiven Angeboten zusätzlich zur Vergütung werben würden.

Das spürt das Burghotel deutlich. „Pro Jahr schreiben wir vier Lehrstellen aus.“ Aktuell liege eine Bewerbung vor, besetzt sei keine einzige Ausbildungsstelle. Neben dem Küchenchef sucht das Haus zwei weitere Köche. Der Restaurantbetrieb werde von zwei Küchenmitarbeitern abgesichert, allerdings nicht im gewohnten Umfang. „Wir mussten die Karte der Situation anpassen“, so Doreen Nieß-Jessen.

Erfreulich sei hingegen die gute Buchungslage. Das Haus ist gefragt: Während der Reisezeit bei Touristen, außerhalb der Saison gebe es ein reges Tagungsgeschäft. Die Nachfrage steige weiter. Viele Besucher bzw. Veranstalter seien Stammgäste. „Sie schätzen die ruhige Lage, die Nachtigall oder den Kuckuck, die oft zu hören sind“, weiß Nieß-Jessen.

Das Burghotel verfügt in zwei Häusern über 40 Zimmer und 66 Betten. Seit 2014 wird das Haus offiziell als zertifiziertes Biohotel geführt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen