Kleine Elchzwillinge begeistern

Die beiden wenige Tage alten Elchzwillinge liegen nebeneinander neben ihrer Mutter in einem Gehege im Wildpark Schorfheide.
Die beiden wenige Tage alten Elchzwillinge liegen nebeneinander neben ihrer Mutter in einem Gehege im Wildpark Schorfheide.

Spektakulärer Nachwuchs im Wildpark Schorfheide / Weltweit größte Hirschart sonst eher selten zu beobachten

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11. Mai 2020, 22:32 Uhr

Elchkuh „Lille Sol“ liegt entspannt zwischen Kiefernbäumen in ihrem weitläufigen Gehege im Wildpark Schorfheide (Landkreis Barnim). Um sie herum tummeln sich zwei etwa rehgroße Kälbchen auf noch staksigen Beinen. Immer wieder nähern sie sich der Mutter, um zu trinken. Wildparkleiterin Imke Heyter beobachtet die Szene mit großer Erleichterung. „Normalerweise versorgen Elchkühe ihre Jungen im Stehen. Die beiden Kälber wären jedoch zu klein, um an das Gesäuge der Mutter zu gelangen“, erklärt sie. Die fünf Jahre alte Elchkuh „Lille Sol“ (schwedisch für „Kleine Sonne“) habe sich der Situation hervorragend angepasst, lobt Heyter.

Im vergangenen Jahr sei das nicht geglückt. Auch damals hatte die Elchkuh zwei Junge geboren, die jedoch nur wenige Tage alt wurden. Diesmal, sagt Heyter, sei alles anders. „Als die beiden am 5. Mai geboren wurden, waren sie sofort agil und auf den Beinen. Vor der folgenden kalten Nacht hatte die Mutterkuh sie bereits trockengeleckt.“„Lille Sol“ war sehr fürsorglich, was nicht immer so passiert, wenn ein Tier mehrere Junge hat“, erklärt die Wildparkchefin. Ob der Nachwuchs männlich oder weiblich sei, lasse sich derzeit noch nicht sagen, meint sie. Im Alter von etwa einem halben Jahr seien die Geschlechtsmerkmale dann deutlicher zu erkennen. „Wenn wir wissen, ob Junge oder Mädchen, bekommen die Kleinen dann auch Namen“, sagt sie.

Damit sich Mutterkuh und Kälber in Ruhe aneinander gewöhnen können, ist das 17 Hektar große Elchgehege im Wildpark nur von einer Seite her für Besucher zugänglich. „Lille Sol“ und die Jungen können aber gut beobachtet werden. Auch Elchbulle „Anton“ lässt sich ab und zu blicken. Etwa ein Jahr lang werden die Kälber jetzt gesäugt.

Seit 1997 gibt es im Wildpark Schorfheide Elche, 13 wurden hier geboren. Um Inzuchten zu vermeiden, werden sie meist an andere Zoos und Tierparks vermittelt. „Elche sind Einzelgänger“, erklärt Wildparkchefin Heyter. In der insgesamt 110 Hektar großen Anlage am Rande von Groß Schönebeck leben etwa 250 Tiere in 25 Arten: europäische Wildtierrassen, die einst in freier Wildbahn heimisch waren. Jährlich kommen rund 100 000 Besucher.

Einen Wildunfall mit Elchen hatte es im vergangenen Jahr nicht gegeben, sagt Wildökologin Kornelia Dobiás. In ihrer Forschungsstelle im Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde laufen alle Informationen zu Elchsichtungen im Land zusammen. „Wir mussten allerdings im September 2019 einen schwer verletzten Elchbullen im Eberswalder Stadtwald von seinen Leiden erlösen. Er war vermutlich vor einen Zug gelaufen“, erklärt die Elch-Expertin.

Gleich vier Elche hätten Anwohner im April im Barnim gesehen und gemeldet, sagt Dobiás. Die Tiere wanderten in der Regel aus Polen nach Brandenburg ein, auf der Suche nach neuem Lebensraum. Im Nachbarland soll der Bestand auf rund 30 000 Tiere angewachsen sein. In der Mark gibt es laut Dobiás bisher keinen Nachweis, dass die mächtigen Tiere eine eigene Population aufgebaut hätten oder sich vermehren würden.

Nachwuchs erwarten die vier Elchkühe von Thomas Golz. „Es kann jeden Tag soweit sein“, sagt der Landwirt und Züchter, der im uckermärkischen Kleptow einen Elch- und Rentierpark betreibt. Der überzeugte Schwedenfan hat mit Freunden gerade ein Elch-Projekt gestartet. „Im Frühjahr gibt es in Schweden viele Unfälle mit Elchen, die an Straßen das restliche Streusalz auflecken. Oftmals verunglücken Mutterkühe tödlich, ihre versteckt in der Landschaft wartenden Kälber verhungern qualvoll“, erzählt er. Mit Wärmebildkameras machen sich Elchfreunde auf die Suche nach den verlassen Jungen, um sie zu retten. „Wir haben die Leute dafür extra geschult“, erzählt Golz stolz.

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