Garsedow : Vom Speicher zum Standesamt

Sommer 2018: Die Lehmbauer sind da. Um die Gefache mit den Staken auszufüllen, müssen die Männer zur gleichen Zeit von beiden Seiten eine etwa gleichgroßen Handvoll Lehm auf das Gerüst werfen.
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Sommer 2018: Die Lehmbauer sind da. Um die Gefache mit den Staken auszufüllen, müssen die Männer zur gleichen Zeit von beiden Seiten eine etwa gleichgroßen Handvoll Lehm auf das Gerüst werfen.

Älteste Scheune Brandenburgs ersteht in Gasedow neu .

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09. Januar 2019, 05:00 Uhr

Das Ende ist abzusehen. In einigen Wochen wird der neuerstandene Speicher auf dem denkmalgeschützten Deichhof in Garsedow perfekt saniert sein, sprich auch seine Türen und Fenster erhalten haben, sagt Horst Schönfeld. Als er und seine Frau Gabriele vor mehr als vier Jahren das Anwesen in Garsedow erwarben, um hier ihren Traum von einer eigenen Pension zu verwirklichen, wussten sie noch nicht, dass das unscheinbare und windschiefe Wirtschaftsgebäude gleich neben der Großscheune eine baugeschichtliche Sensation verkörpert: Es ist fast 500 Jahre alt und damit die älteste bekannte Scheune in Brandenburg. Die Überraschung gab es, als Fachleute den unauffälligen Speicher in Augenschein nahmen. Ziemlich schnell war klar, er ist etwas Besonderes. Denn er wurde um 1554 errichtet. Das haben dendrochronologische Untersuchungen des Holzes ergeben. Wenig später folgte dann die zweite große Überraschung, erinnert sich Horst Schönfeld. Als Schönfelds im Herbst 2017 mit der Sanierung ihres Denkmalspeichers begannen, stellte sich anhand von Holzuntersuchungen heraus, dass der ursprüngliche Teil des Speichers nur etwa zwei Drittel des Gesamtgebäudes ausmacht. „Der hintere Teil ist später angebaut worden. Die Eichen für die Balken wurden 1706 geschlagen“, erklärt Schönfeld. Immer wieder erinnert er sich daran, wie Bekannte gleich zu Anfang, noch bevor die Denkmalfachleute einen Blick darauf geworfen hatten, rieten, das „unnütze Gebäude“ einfach wegzureißen.

Nach Feststellung seines historischen Wertes konnte davon keine Rede mehr sein. Schönfelds entschlossen sich, die denkmalgerechte Sanierung anzugehen. „Wir hatten dafür ein Jahr geplant. Das war aber doch nicht zu schaffen, auch wegen verschiedener spezieller Gewerke, die wir benötigten“, sagt Schönfeld, hebt die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde hervor und fährt fort: „Trotz des Aufwandes, mancher Überraschungen und Probleme, die sich erst beim Bauen ergaben, bereuen wir nicht, das Vorhaben angegangen zu sein.“ Die Frage nach dem Warum beantwortet der Bauherr mit der Feststellung: „Weil wir hier etwas ganz Besonderes haben, etwas, das man schätzen und erhalten muss.“

Für das denkmalgerechte Herrichten des Speichers fließen Fördermittel vom Landkreis, dem Land Brandenburg und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Den nicht unerheblichen Eigenanteil müssen die Bauherren alleine aufbringen. Von Anfang an sei klar gewesen, so Schönfeld, dass die denkmalgerechte Sanierung nichts Selbstzweck sein könne. „Es geht auch um die sinnvolle Nutzung.“ Die ist gefunden.

Der Raum im Untergeschoss des sechs mal 13 Meter großen Speichers ist Hochzeitern vorbehalten. Die Denkmalscheune ist Außenstelle des Wittenberger Standesamtes. Das Obergeschoss soll Sport und Gesundheit vorbehalten sein. Stichwort Yoga. Außerdem ist der Deichhof bekannt für Fastenkurse, die Gabriele Schönfeld leitet.

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