Prignitzer Kind erleidet schwere Pilzvergiftung

Der giftige RiesenschirmlingWalter J. Pilsak
Der giftige RiesenschirmlingWalter J. Pilsak

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28. September 2010, 09:17 Uhr

Perleberg | Mit schwerer Pilzvergiftung musste ein kleiner Patient des Kreiskrankenhauses Prignitz auf die Kinderintensivstation der Berliner Charitee verlegt werden. Das Schulkind hat schwerste Leberschäden, möglicherweise ist eine Lebertransplantation nötig. Das bestätigte gestern der Chefarzt der Kinderklinik des Kreiskrankenhauses, Dr. Bernt Martin Weiß.

Die Familie des Kindes hatte Schirmpilze gesucht, die Kappen paniert und wie Schnitzel zubereitet. Während die anderen Familienmitglieder nach dem Verzehr keine Symptome zeigten, habe sich das Kind schon in den Abendstunden heftig erbrochen, 24 Stunden später Durchfall bekommen. Drei Tage später wurde es stationär aufgenommen.

Zurückzuführen sei die Vergiftung offenkundig auf den Verzehr des Gift-Riesenschirmpilzes, der dem Garten-Riesenschirmpilz sehr ähnelt. Das Tückische an dieser Art von Vergiftung: Es stellten sich nach dem Verzehr erst leichtere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall ein, dann ebbe die Wirkung ab, dem Patienten gehe es wieder besser, bevor sich extremere Vergiftungserscheinungen zeigten, erklärt der Chefarzt. Dann aber, so Dr. Weiß, habe das Gift schon im Körper wirken können , wie es sich im Fall des Schulkindes zeige. "Das Allgemeinbefinden erschien zunächst nicht stark beeinträchtigt, die Laboruntersuchungen wiesen aber auf schwere Vergiftungserscheinungen hin", beschreibt Dr. Weiß.

Der Chefarzt rät ausdrücklich, nur bekannte Pilze zu sammeln und im ausreichend gegarten Zustand zu essen. Vorteilhaft sei es, einen Rest im Kühlschrank aufzubewahren, da sie gegebenenfalls für ein Untersuchung genutzt werden können. Ganz wichtig: Selbst bei geringsten Anzeichen, die auf eine Vergiftung hindeuten können, sofort den Arzt aufsuchen. Er warnt vor der trügerischen Besserung, die sich nach einer Vergiftung zunächst nach den ersten Symptomen einstellen kann. "Lieber einmal zu früh ins Krankenhaus, als zu spät", macht er deutlich. "Eine kurzzeitige stationäre Beobachtung und Überwachung ist zwar unerfreulich, geht jedoch vorüber und kann manchmal lebensrettend sein." Zudem habe der aktuelle Fall gezeigt, dass es keinesfalls eine Entwarnung sei, wenn die restliche Familie keine Symptome aufweist. Gerade bei der speziellen Zubereitung der Schirmpilzkappen sei es möglich, dass nur das Kind von dem giftigen Pilz gegessen hat.

Der Perleberger Pilzsachverständige Ekkehard Jesse weiß um diesen giftigen Schirmpilz. "Ich hatte schon mehrere Sammler mit diesem Pilz bei mir", erklärte er. Er rate generell davon ab, Schirmpilze aus Gärten und gartenähnlichen Anlagen zu sammeln, weil es zu Verwechslungen mit dem Giftpilz kommen kann. Und dessen Gift sei in der Wirkung wie das des Knollenblätterpilzes, macht der Perleberger deutlich.

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