2,64 Millionen Mehrverschuldung

<strong>Neben Klaus Albrecht,</strong> der für 40 Jahre Mitgliedschaft im FC Hansa Rostock die silberne Ehrennadel des Vereins erhielt, wurden gestern auch die Spieler des Deutschen A-Jugend-Meisters  ausgezeichnet (Eintrag ins Ehrenbuch des Clubs). Hier erhält Tom Trybull die Glückwünsche des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann. <foto>Georg Scharnweber</foto>
Neben Klaus Albrecht, der für 40 Jahre Mitgliedschaft im FC Hansa Rostock die silberne Ehrennadel des Vereins erhielt, wurden gestern auch die Spieler des Deutschen A-Jugend-Meisters ausgezeichnet (Eintrag ins Ehrenbuch des Clubs). Hier erhält Tom Trybull die Glückwünsche des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann. Georg Scharnweber

nnn.de von
25. November 2010, 11:20 Uhr

Rostock | 854 von 5800 Mitgliedern (Zuwachs von 757 zum Vorjahr) wohnten der gestrigen ordentlichen Mitgliederversammlung des Fußballclubs Hansa in der Rostocker Stadthalle bei, davon 763 stimmberechtigt.

Zugegen waren auch die Trainer Peter Vollmann, Michael Hartmann und Jo Stock sowie die Profis der ersten Mannschaft, Spitzenreiter der 3. Liga.

Die Zusammenkunft stand im Zeichen des Neubeginns. Das machte schon der kleine Einführungs-Film klar, der die bisherigen FCH-Tore der laufenden Saison zeigte und mit einem martialischen Vollmann-Zitat ("Wir werden die Tabellenführung bis zur letzten Patrone verteidigen") endete.

Aus dem schlimmsten Jahr wird das allerschlimmste

"Wahrscheinlich erlebten wir das schlimmste Jahr in der Vereinsgeschichte", führte der einstige Vorstands-Chef Dirk Grabow aus. Dies war allerdings vor einem Jahr, als er sich noch im Amt befand und bestimmt nicht ahnte, dass die Steigerung gewissermaßen schon vor der Tür stand. Inzwischen befindet sich Hansa erstmals in der Vereinsgeschichte in der 3. Liga, und Grabows zweiter Nachfolger (zwischendurch war Jörg Hempel Vorsitzender auf Zeit) Bernd Hofmann musste im Vorstandsbericht feststellen: "In der Saison 2009/10 wurden weder das sportliche Ziel gesichertes Mittelfeld in der 2. Bundesliga noch die wirtschaftlichen Vorhaben erreicht." Nach den verlorenen Relegationsspielen gegen Ingolstadt sei der FC Hansa nach 19 Jahren Zugehörigkeit zur 1. bzw. 2. Bundesliga nur noch drittklassig. Das habe vielschichtige Konsequenzen nach sich gezogen, beispielsweise die Kündigung auch langjähriger Mitarbeiter, "weil es keine Alternative gab". Auch seien nur noch fünf Prozent der Sponsorenverträge gültig gewesen.

Alles in allem kam es zu einer satten Mehrverschuldung von 2,64 Millionen Euro (von geplanten -1,9 Mio auf -4,54 Mio Euro). Hierzu Bernd Hofmann: "Es gibt keine insolvenzrechtliche Überschuldung. Die Zahlungsfähigkeit bis zum 30. Juni 2011 ist gegeben, und uns wurde eine positive Fortführung prognostiziert." Aktuell darf sich der Verein über eine Sonderzuweisung der Landesregierung in Höhe von 500 000 Euro für seine so erfolgreiche Nachwuchsarbeit freuen. Abschließend rief Hofmann die Mitglieder zur Geschlossenheit auf und spannte erneut den Bogen in die sportlich erfreuliche Gegenwart: "Wenn wir zusammenstehen, werden wir noch Großes erreichen - vielleicht schon in dieser Saison."

Auch Hans-Ulrich Gienke, Vorsitzender des Aufsichtsrates, hatte bereits 2009 auf "das kritischste und schlimmste Jahr der Vereinsgeschichte" zurückgeblickt - und musste sich nun "steigern". Er hielt ein (selbst-) kritisches Referat, in dem er u. a. eine "Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit einzelner Vorstandsmitglieder" und sogar "Hilflosigkeit" des obersten Vereinsgremiums in der vergangenen Saison einräumte. Zum Beispiel sei der Alleingang des damaligen Sportlichen Leiters René Rydlewicz, Trainer Andreas Zachhuber zu beurlauben, ohne Konsequenz geduldet worden. Der Aufsichtsrat habe jedoch auch mit "hohem physischen und zeitlichen Aufwand seiner ehrenamtlichen Mitglieder" den Neubeginn beim FCH mit eingeleitet, "damit der Verein trotz der begrenzten Ressourcen auch in Zukunft erfolgreich sein wird".

Die 1. stellvertretende Vorstandsvorsitzende Sigrid Keler hielt den Finanzbericht 2009/10 und wies darauf hin, dass die Besorgnis erregende wirtschaftliche Entwicklung, "das operative Minus von mehr als 4,5 Millionen Euro eindeutig mit dem schlechten Abschneiden der Mannschaft und ihrem Abstieg im Zusammenhang steht".

Der Haushaltsplan für 2010/11 steht im Zeichen der Konsolidierung. Ein Jahresergebnis von -0,54 Mio Euro ist geplant. Ziel sei es sogar, "ich sage jetzt mal nicht, eine rote oder schwarze, aber eine Null zu schreiben".

Ein zusätzliches Problem habe sich mit steuerlichen Nachforderungen des Finanzamtes aus dem Zeitraum 1999 bis 2001 in Höhe von 4,36 Millionen Euro ergeben. Der FC Hansa habe dagegen geklagt. Es werde jetzt zunächst das Urteil des Finanzamtes Greifswald zu dieser Angelegenheit abgewartet.

Schallende Ohrfeige für die Leitungsgremien

In der anschließenden Diskussion kam u. a. viel Kritik namentlich an Dirk Grabow und Hans-Ulrich Gienke hoch.

Es war nicht gerade eine Überraschung, dass anschließend weder dem Aufsichtsrat noch dem alten Vorstand (Dirk Grabow, Jörg Hempel, Juri Schlünz, René Rydlewicz) von den Mitgliedern die Entlastung gewährt wurde. Eine schallende Ohrfeige für die Leitungsgremien! Der neue Vorstand hingegen (Bernd Hofmann, Sigrid Keler, Dr. Peter Zeggel, Stefan Beinlich) wurde ohne Gegenstimme entlastet.

Tagesordnungspunkt 11 enthielt den Antrag auf Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Als ebenfalls nach Abstimmung die nächste Versammlung für Sonntag Nachmittag, den 13. November 2011, anberaumt worden war, endete um 22.35 Uhr die Veranstaltung.

FC Hansa: Die Bilanz

Das Geschäftsjahr 2009/2010 wurde mit einem Jahresfehlbetrag von 4,54 Millionen Euro abgeschlossen (kalkuliert worden war mit einem Jahresergebnis von -1,9 Millionen Euro).

Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 1. Juli 2009 bis 30. Juni 2010:

  • Erträge: 13,25 Mio Euro (Vorjahr: 16,47 Mio Euro)

  • Aufwendungen: 17,79 Mio Euro (17,93 Mio Euro)

  • Jahresergebnis: -4,54 Mio Euro (-1,46 Mio)

Von den Gesamtaufwendungen entfiel mit 11,58 Mio Euro der Hauptanteil auf den Lizenzspielerbereich mit Personalaufwand, Spielbetrieb, Transfer- und Ausbildungsentschädigung.

Bilanzielles Vereinsvermögen (30. Juni 2010):

  • -4,43 Mio Euro (Vorjahr: 111 585,40 Euro)

Plan-Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 1. Juli 2010 bis 30. Juni 2011 (Stand November 2010):

  • Erträge: 8,96 Mio Euro

  • Aufwendungen: 9,50 Mio Euro

  • Jahresergebnis: -0,54 Mio Euro
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