Goalball-Europameisterschaft : 4:3 mit Golden Goal: Deutschlands Herren im Finale!

Ein strahlender EM-Finalist Reno Tiede mit Söhnchen Kilian
Ein strahlender EM-Finalist Reno Tiede mit Söhnchen Kilian

Die Reno Tiede & Co. setzten sich am Sonnabend im Halbfinale gegen Litauen durch. Die Damen stehen im Spiel um Bronze.

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12. Oktober 2019, 16:28 Uhr

Rostock | Das Gastgeber-Team, das mit dem Trio Hörauf/Feistle/Rogge begann, zeigte herausragende erste zwölf Minuten. Es ließ kein Gegentor zu und machte offensiv Druck. Zwei Strafwürfe wurden zwar von den Osteuropäern gehalten (5., 8.), zwei präzise Bälle von Felix Rogge landeten am rechten Pfosten (2., 8.), doch dann kam Michael Feistle durch, traf in die linke Ecke zum 1:0 (7.). Erst recht Riesenjubel in der Stadthalle, als Oliver Hörauf in der 10. Minute auf 2:0 erhöhen konnte.

Pausenansprache von Trainer Johannes Günther beim Stand von 2:0 für Deutschland
Peter Richter
Pausenansprache von Trainer Johannes Günther beim Stand von 2:0 für Deutschland


Mit diesem kostbaren Vorsprung ging es in die zweite Halbzeit. Doch die Litauer sind ja nicht umsonst 2016 in Rio de Janeiro Paralympics-Sieger geworden: In der 16. Minute hatten sie zum 2:2 ausgeglichen, und der deutsche Trainer Johannes Günther nahm Auszeit.

Wenig später hieß er Reno Tiede sich zur Einwechslung bereit machen. Der Rostocker kam für Rogge in die Partie (17.).

Die Zeit verrann, die Spannung stieg. Es war ein Vergleich zweier ebenbürtiger Gegner, der auch eines Finales würdig gewesen wäre.

2:15 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit gab es Penalty für die Mannschaft ganz in Weiß, gute Chance für Feistle, doch abgewehrt!

Das nächste Tor konnte das entscheidende sein. Litauen kurz davor, aber Hörauf lenkte die Kugel über die Latte ab. Und dann nochmals Penalty, nur noch 10,1 Sekunden auf der Uhr, und diesmal vollstreckte Michael Feistle! Doch es war noch nicht vorbei: Litauen traf zum 3:3 drei Sekunden vor Schluss!

Damit das Drama fast schon auf die Spitze getrieben: Verlängerung über zweimal drei Minuten mit Golden Goal! Das bedeutete: Entweder fällt ein Treffer, und wer es erzielt, hat auf der Stelle gewonnen und steht im Finale – oder es kommt gar zum Penaltywerfen.

Aber die Overtime hatte eigentlich noch gar nicht begonnen, da war sie schon vorbei: Wieder Strafwurf für Deutschland wegen Zeitüberziehung (der litauische Trainer war zu lange auf dem Feld), wieder Feistle, und der EM-Sieggarant der Gastgeber schickte diesmal sein Gegenüber in die falsche Ecke und sorgte für den 4:3-Endstand! Damit am Sonntag Deutschland im Finale gegen die Ukraine.

Der Moment des Sieges: 4:3 für Deutschland, das EM-Finale ist erreicht!
Peter Richter
Der Moment des Sieges: 4:3 für Deutschland, das EM-Finale ist erreicht!


„Je mehr man drüber nachdenkt, desto weniger Worte fallen einem ein. Wir haben uns so akribisch vorbereitet! Und wir haben beim 3:2 gegen Finnland und im Viertelfinale beim 7:5 gegen Griechenland gemerkt, es gibt für uns selbst bei Rückständen keinen Grund, nervös zu werden. Wir hatten im Duell mit Litauen die entscheidenden Nerven. Ich habe in der Kabine gesagt, heute erfolgt die Wachablösung, und die ist jetzt vollzogen“, jubelte Reno Tiede und blickte schon mal voraus auf das Endspiel: „Wir haben mit unserem Halbfinal-Sieg unserem Finalgegner Ukraine das letzte Ticket für die Paralympics 2020 geschenkt“, hält er es augenzwinkernd für möglich, dass der Kontrahent am Sonntag vom Feiern geschwächt antritt. „Wir bleiben aber so oder so gallig. Es ist noch nicht zu Ende!“

Auch deutsche Damen haben gute Chance auf Medaille

Die deutschen Damen hatten in ihrem Halbfinale erwartungsgemäß keine Chance gegen die Türkei und verloren 0:7. Sie steigerten sich aber im Vergleich zu dem wegen Unterlegenheit vorzeitig beendeten Duell mit dem Vize-Weltmeister in der Vorrunde.

Am Sonntag im Duell um Platz drei gegen Großbritannien sollten sie gute Chancen haben, denn in der Vorrunde bezwangen sie den gleichen Kontrahenten mit 4:2.

Zeitplan am Sonntag: 9.30 Uhr Spiel um Platz drei Damen Deutschland – Großbritannien, 11.30 Uhr Spiel um Platz drei Herren Litauen – Türkei, 13.30 Uhr Finale Damen Israel – Türkei, 15.30 Uhr Finale Herren Deutschland – Ukraine

Plüsch-Greif Goalino ist der Renner

Michelle Tiede (links) und Stephanie Lohf am Souvenirstand, Steffen Kästner lässt sich Maskottchen Goalino zeigen.
Peter Richter
Michelle Tiede (links) und Stephanie Lohf am Souvenirstand, Steffen Kästner lässt sich Maskottchen Goalino zeigen.


Auch ein kleines Souvenirangebot gibt es während der EM in der Rostocker Stadthalle. Am Merchandising-Stand bringen sich u. a. die Volunteers Michelle Tiede, Cousine von Nationalspieler Reno Tiede, und Stephanie Lohf – von Beruf ist die 35-Jährige übrigens selbstständige Tortenbäckerin! – ein. Beide spielen auch selbst Goalball. Kurz vor der EM traten sie im Trikot des Rostocker GC Hansa gegen die Frauen der deutschen Nationalmannschaft an und schlugen sich achtbar (0:5 ).

Der „Renner“ unter den drei Artikeln ist der Plüsch-Greif: das EM-Maskottchen mit Namen Goalino und der Trikotnummer 19 zu 14 Euro das Stück. 2000 Exemplare waren geordert worden. Sie werden zwar – trotz der Euphorie um den Finaleinzug der deutschen Männer-Nationalmannschaft – bei weitem nicht alle über den „Ladentisch“ gehen, was übrig bleibt, wird aber keineswegs weggeschmissen, sondern erhält einen anderen Verwendungszweck. „Die Kuscheltiere werden weiter eine Funktion haben“, bestätigt Michelle (19), die an der Hundertwasser-Gesamtschule dem Abitur entgegenstrebt.

Zu erwerben sind neben Goalino auch EM-Tassen (Stück 8,50 Euro) und -Poster (2 Euro). Die Kugelschreiber am Stand gibt’s umsonst, die ausliegenden Goalball-Brillen hingegen sind nicht erhältlich – dürfen aber gern ausprobiert werden.

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