Bad Doberan : Schäden am Gymnasium schwerer als angenommen

Nach einem Wassereinbruch Ende Juli ist das Bad Doberaner Gymnasium teilweise gesperrt.
Nach einem Wassereinbruch Ende Juli ist das Bad Doberaner Gymnasium teilweise gesperrt.

Hofgebäude kann erst wieder zum zweiten Halbjahr in Betrieb genommen werden. Schüler auf Übergangslösungen aufgeteilt.

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21. August 2019, 17:59 Uhr

Bad Doberan | Die Schäden nach einem Wassereinbruch am Gymnasium Bad Doberan sind größer als bislang angenommen. Daher kann der Schulbetrieb im großen Hofgebäude erst mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres wieder aufgenommen werden. Das hat Landrat Sebastian Constien (SPD) am Mittwochnachmittag bekannt gegeben. Nach dem Unwetter vom 31. Juli wurden bei der Sichtung weitere, schwerwiegende Schäden und Belastungen festgestellt, weswegen das große Hofgebäude bis auf Weiteres gesperrt ist.

Wir gehen derzeit davon aus, dass der Schulbetrieb erst mit Beginn des zweiten Schulhalbjahrs, am 24. Februar 2020, wieder aufgenommen werden kann. Landrat Sebastian Constien (SPD)


"Die Reparatur der Schäden und die notwendige Sanierung des Erdgeschosses wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Schulbetrieb erst mit Beginn des zweiten Schulhalbjahrs, am 24. Februar 2020, wieder aufgenommen werden kann. Für uns ist es jetzt besonders wichtig, dass wir den Unterrichtsbetrieb für alle Klassenstufen schnellstmöglich wieder aufnehmen", sagte Constien, der die Lösungen dafür präsentierte.

Schimmelbefall im Hofgebäude

Stephan Meyer, der für die Liegenschaften des Landkreises zuständige Dezernent, erläuterte den Ablauf seit dem großen Wasserschaden. "Zwischenzeitlich ist ein Schimmelbefall im Hofgebäude im Zuge der Schadenaufnahme festgestellt worden. Derzeit laufen Untersuchungen, ob es einen Vorschaden gegeben hat. Der Gutachter geht davon aus. Die Kreisverwaltung ermittelt intern dazu. Gebäude und Inventar müssen gereinigt werden, die Aufträge dafür sind erteilt. Im Erdgeschoss sind umfangreiche Sanierungsarbeiten an Fußböden und Ausstattung nötig. In jedem Fall gilt: Sicherheit geht vor Schnelligkeit." Ein kurzfristiger Ersatzbau einer Schule in Modulbauweise sei nicht möglich. Flächensuche, Planung, Baugenehmigung, Bau und Inbetriebnahme würden zu viel Zeit kosten. "Wir brauchen schnelle und planbare Ausweichquartiere", so Meyer.

Auf der Suche nach Ersatzorten

Schuldezernentin Anja Kerl detaillierte die Zwischenlösungen für den Schulbetrieb: "Die Beschaffung von Ersatzorten für den Unterricht erfolgte nach Beratung mit der Schulleitung und dem Staatlichen Schulamt. Maßgabe war dabei die Konzentration in und um Bad Doberan, damit Schüler nicht zwischen Standorten pendeln müssen. Die Absicherung der Stundentafel ist weitere Voraussetzung, damit den Schülern kein Nach-teil entsteht."

Bei einem Vor-Ort-Termin informieren Anja Kerl, Schuldezernentin des Landkreises Rostock (v. l.), Landrat Sebastian Constien und Stephan Meyer, zuständiger Dezernent für den Schulbau, über die geplanten Übergangslösungen.
Landkreis Rostock
Bei einem Vor-Ort-Termin informieren Anja Kerl, Schuldezernentin des Landkreises Rostock (v. l.), Landrat Sebastian Constien und Stephan Meyer, zuständiger Dezernent für den Schulbau, über die geplanten Übergangslösungen.

Demnach soll mit Stand vom Mittwoch folgende Lösungen umgesetzt werden: Die Klassenstufe 7 wird im Gebäude des ehemaligen Amtsgerichtssversorgt und bleibt dort. Für die Klassenstufe 8 mit insgesamt 174 Schülern in sieben Klassen ist ein entsprechend großer Standort notwendig. "Das ist auch unsere größte Herausforderung. Wir haben die alte Berufliche Schule in Bad Doberan überprüft. Sie ist mit einigem Aufwand wieder nutzbar zu machen", sagte Kerl. Das Gebäude war seit 2015 nicht in Betrieb. Alle Ver- und Entsorgungsanlagen müssen überprüft und gegebenenfalls repariert werden. Der Brandschutz muss gewährleistet sein und das Gebäude braucht eine neue Eingangstreppe. Toiletten- und Waschgelegenheiten sollen über eine Containerlösung bereitgestellt werden. Alle entsprechenden Aufträge wurden am Mittwoch festgelegt.
 

Neuntklässler müssen übergangsweise nach Kröpelin

Für die Klassenstufe 9 mit sechs Klassen wird die ehemalige Regionale Schule in Kröpelin zum Teil reaktiviert. "Der Unterricht soll am Mittwoch, 28. August, dort aufgenommen werden. Mit unserem Busunternehmen Rebus haben wir einen Fahrplan für die Schüler entwickelt", gab die Schuldezernentin bekannt.

Für die Klassenstufen 10 und 11 geht der Unterricht nahtlos am Standort Berufliche Schule Bad Doberan weiter. Diesen nutzen sie derzeit schon als Ausweichstandort. "Dafür ist ein Umzug der Beruflichen Schule nach Rostock nötig. Gemeinsam mit der Hansestadt Rostock haben wir dazu eine Lösung erarbeitet. Wir haben umgehend mit IHK und Handwerkskammern Kontakt aufgenommen und bedanken uns für die tatkräftige Hilfe aus der Hansestadt", sagte Anja Kerl.

Eltern und Schüler werden auf dem Laufenden gehalten

Die Klassenstufe 12 ist sicher im alten Hauptgebäude des Gymnasiums versorgt. Die Abiturstufe kann ohne Unterbrechung weiter auf die wichtigen Prüfungen vorbereitet werden. "Die Unterrichtsorganisation leistet die Schule mit dem Staatlichen Schulamt. Wir werden zuerst die Eltern, Schüler und Lehrer informieren. Dazu sind in der nächsten Woche entsprechende Versammlungen geplant." Eltern und Schüler werden über die Homepage des Gymnasiums auf dem Laufenden gehalten. Der Landkreis arbeitet parallel an den Ersatzlösungen und der Wiederinbetriebnahme des Hofgebäudes.

Chronologie der Ereignisse

  • 31. Juli: Starkregen in den Abendstunden, Überschwemmung und Rückstau, Auftrag Wasserbeseitigung und Trocknungsbeginn (Raumluft)
  • 1. August: Schadensmeldung an Versicherer und zusätzliche Trocknungsfirma beauftragt
  • 2. August: von Versicherung beauftrage Begutachtung des Gebäudeschadens durch Sachverständigen, Objektnutzung gesperrt bis alle technischen und elektronischen Anlagen geprüft sind
  • 5. August: nach Freigabe durch Gutachter Auftrag zur Estrichtrocknung, Beginn des Aufbaus des Trocknungssystems
  • 6./7. August: Info an externe Nutzer/Mieter
  • 8. August: Versicherung beauftragt Sachverständigen für Schadstoffe, da im Objekt Schimmelbefall vermutet wird
  • 9. August: Versicherung beauftragt Begutachtung des Inventarschadens und Schadstoffbefalls
  • 12. August: Schulbeginn Schuljahr 2019/20, vorläufig konnten nur die zwölften Klassen in einer Nebenstelle im Verbindungsweg unterrichtet werden
  • 15. August: Elfte Klassen in der Beruflichen Schule untergebracht, Vor-Ort-Termin mit Sachverständigem, Trocknungsfirma und Landkreis, Ergebnisse der Raumluftmessung vom 9. August liegen vor: es liegt eine Schadstoffbelastung vor, die zur Nutzungsuntersagung des gesamten Schulgebäudes führt, weitere Abschottungsmaßnahmen und Schleusen im Erdgeschoss veranlasst, Raumluftproben im Atrium, Fluren einschließlich Cafeteria, Treppenhäusern und einigen Unterrichtsräume in den Obergeschossen, Auftrag zur Reinigung der offenen Bereiche und für Leckageortung im Erdgeschoss, erneute Raumluftmessung nach Reinigun
  • 16. August: Zehnte Klassen werden wieder unterrichtet
  • 19. August: Beratung Gebäudesanierung und Zeitplan beim Landrat, Entscheidung zur Schließung für das erste Halbjahr, Beratung weiteres Vorgehen mit Schulleitung und Staatlichem Schulamt
  • 20. August: Besichtigung möglicher Ausweichstandorte durch Landkreis und Schulleitung, die siebten Klassen können im Nebengebäude (ehemaliges Amtsgericht) unterrichtet werden
  • 22. August: nächster Vor-Ort-Termin mit Gutachtern und Firmen, Auswertung der Prüfungsergebnisse der Raumluftmessung, Sanierungsberatung in Güstrow
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