Nachbarschaftsprojekt : Flohmarkt statt leerer Kaufhalle in Toitenwinkel

Bereiten die alte Kaufhalle für den nächsten Toitenwinkler Flohmarkt am Sonnabend vor: Quartieragentin Maria Schulz (l.) und Gundula Bornschein von der Sternplatzinitiative.
Bereiten die alte Kaufhalle für den nächsten Toitenwinkler Flohmarkt am Sonnabend vor: Quartieragentin Maria Schulz (l.) und Gundula Bornschein von der Sternplatzinitiative.

Zwei Jahre stand die Kaufhalle am Sternplatz leer, eine lokale Initiative organisiert nun monatlich Café und Flohmarkt.

nnn.de von
09. April 2019, 19:30 Uhr

Rostock | Der Sternplatz ist tot, sagt Birgit Duttke. Zwar gibt es viele kleine Geschäfte ringsum, doch der Magnet fehlt: Seit Oktober 2016 steht die Kaufhalle im Zentrum des Platzes leer. Flanieren und Shoppen, das machen die Toitenwinkler nun nicht mehr. Manche würden sogar eine Straßenbahn-Haltestelle vorher aussteigen und den Platz ganz vergessen, sagt Birgit Duttke.

Neues Konzept: Flohmarkt statt Leerstand

Die 52-Jährige besitzt seit 24 Jahren einen kleinen Handarbeitsladen am Sternplatz - doch bekannt ist sie im Stadtteil für etwas anderes. Mit ihrer Freundin Gundula Bornschein steht sie hinter der Sternplatzinitiative Toitenwinkel. Seit acht Jahren organisieren sie zum Kindertag ein großes Fest auf dem Platz und seit November 2018 nun auch einen monatlichen Flohmarkt in der alten Kaufhalle. Der nächste findet am Sonnabend, 13. April, ab 12 Uhr statt.

Gemeinsam haben sie ein neues Konzept für den Sternplatz ausgearbeitet: Quartiermanagerin Maria Schulz (l.) und Birgit Duttke in ihrem Handarbeitsladen.
Katharina Golze
Gemeinsam haben sie ein neues Konzept für den Sternplatz ausgearbeitet: Quartiermanagerin Maria Schulz (l.) und Birgit Duttke in ihrem Handarbeitsladen.

Entstanden ist die Idee bei mehreren Workshops im Sommer vergangenen Jahres. Quartieragentin Maria Schulz und ihre Kollegin gingen mit dem Bundesprojekt "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier" in die vier strukturschwächeren Stadtteile Rostocks, jetzt wird ihre Stelle über ein Landesprojekt gefördert und ist bei Sense.Lab e.V. angestellt. Dabei kristallisierten sie zwei Wirkungsorte heraus: Das Schmarler Zentrum und den Toitenwinkler Sternplatz.

Vom Indoor-Spielplatz bis Diskothek

Gemeinsam mit den Toitenwinkler Bewohnern und Gewerbetreibenden aber auch dem Eigentümer und der Kommune spielten sie in insgesamt drei Workshops viele Optionen durch, wie sie die alte Kaufhalle wieder beleben könnten. Die Ideen reichten von einem Indoor-Spielplatz über eine Diskothek und eine Indoor-Skaterbahn bis zu einer neuen Kaufhalle. Einig waren sich aber alle, dass es ein soziokultureller Ort mit Kontinuität sein soll.

Viele Ideen entstanden für den Sternplatz: Fotos von den Workshops hat Maria Schulz in der Kaufhalle aufgehängt.
Katharina Golze
Viele Ideen entstanden für den Sternplatz: Fotos von den Workshops hat Maria Schulz in der Kaufhalle aufgehängt.

Gestartet sind sie nun mit einem Flohmarkt: Jeweils immer am zweiten Sonnabend im Monat. Aber auch eine Fotoausstellung und Theatervorführungen waren bereits in der Kaufhalle. "Die Kulisse war die Halle selbst", erinnert sich Maria Schulz. Besonders bei den Schulvorführungen kam das Konzept gut an: "Endlich mal Kultur vor Ort." Für Juni sind Auftritte einer Tanzschule geplant und auch eine Projekt für außerschulische Bildungsarbeit hat Interesse, sagt Quartieragentin Maria Schulz.

Zu zweit organisieren sie den Flohmarkt

Die Flohmärkte organisieren aber Birgit Duttke und Gundula Bornschein. Zu zweit stemmen sie Werbung, Anmeldung und Standvergabe und backen und kochen Suppen für die Besucher. "Die Woche davor ist Hardcore", sagt Birgit Duttke. Mit gespendeten alten Möbeln haben sie in der Kaufhalle ein kleines Café eingerichtet. "Es wird immer mehr ein kleines Wohnzimmer", freut sich Duttke. Das wissen auch die Toitenwinkler zu schätzen, denn ein wirkliches Café gibt es im Stadtteil nicht.

Einen eigenen kleinen Stand haben Birgit Duttke und Gundula Bornschein auch: Jeder Euro wird dann ins Kinderfest investiert. Im Hintergrund hängen Fotos der vorherigen Ausstellung.
Kathrina Golze
Einen eigenen kleinen Stand haben Birgit Duttke und Gundula Bornschein auch: Jeder Euro wird dann ins Kinderfest investiert. Im Hintergrund hängen Fotos der vorherigen Ausstellung.

Um Standanmeldungen müssen sich die beiden Organisatorinnen aber nicht sorgen: Im November waren sie bereits mit 34 Händlern gestartet. "Selbstgebasteltes und Selbstgemaltes, über Kitsch und Trödel wird alles verkauft", sagt Duttke. Zudem bietet jemand Pflanzen an. Um die Bespaßung der Kinder kümmert sich der Verein Behindertenhilfe. Die Toitenwinklerin weiß aber: "Die große Herausforderung ist, Kundschaft herzulocken." Mit jedem Flohmarkt werden es aber mehr, manche kommen sogar aus Graal-Müritz, Ribnitz oder Güstrow.

Finanzielle Unterstützung fehlt

Von der neuen Nutzung der Kaufhalle profitiert auch der Eigentümer. "Der Ort wirkt belebt", erklärt Maria Schulz und das halte Vandalismus ab. Bisher wollte er aber nicht investieren. Daher fanden die Flohmärkte im Winter bei zwei Grad statt, eine Heizung gibt es nämlich nicht. "Schön wäre es, wenn Rostock das Projekt komplett übernimmt", findet Birgit Duttke und meint, dass die Stadt selbst Eigentümer wird. Oft würde gesagt, es gäbe zu wenig Kultur - vor allem am Stadtrand und barrierefrei. Toitenwinkel bietet beides.

Die Sternplatzinitiative von Gundula Bornschein ( l.) und Kollegin hofft auf Unterstützung. Auch Quartieragentin Maria Schulz sagt, die Kommune könnte sich mehr beteiligen.
Katharina Golze
Die Sternplatzinitiative von Gundula Bornschein ( l.) und Kollegin hofft auf Unterstützung. Auch Quartieragentin Maria Schulz sagt, die Kommune könnte sich mehr beteiligen.

"Das lokale Engagement ist großartig. Es fehlt, dass die Kommune mal Geld in die Hand nimmt", sagt auch Maria Schulz. Mit dem Flohmarkt ist aber ein erster Schritt getan. Die nächsten Termine: 11. Mai, 8. Juni und 13. Juli. Adresse: Salvador-Allende-Straße 23.

Hintergrund: Der Sternplatz

Das Quartier ist Anfang der 1990er entstanden und wird aufgrund der speziellen Plattenbauten "Schlösschen" genannt. 1993 kam die Kaufhalle, danach siedelten sich viele kleine Geschäfte an: ein Fahrradgeschäft, eine Drogerie, ein CD-Laden, eine Bank, mehrere Bekleidungsgeschäfte, eine Gaststätte und ein Eiscafé an. Während die Eltern einkauften, plantschten die Kinder im Brunnen. Heute gibt es kaum noch Laufkundschaft. Die Kaufhalle fehlt.

Leer ist es am Sternplatz geworden ohne die Kaufhalle.
Maria Schulz
Leer ist es am Sternplatz geworden ohne die Kaufhalle.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen