Kleider für Fenster : Ines Heinrich aus Warnemünde webt Kleider für Fenster

In ihrer Ausstellung zeigt Handwebmeisterin Ines Heinrich am 23. Traditionelles, wie den linken Baum und Spezielles, das in einer anderen Technik gearbeitet wird. Foto: Maria Pistor
In ihrer Ausstellung zeigt Handwebmeisterin Ines Heinrich am 23. Traditionelles, wie den linken Baum und Spezielles, das in einer anderen Technik gearbeitet wird. Foto: Maria Pistor

Mit einer Ausstellung erinnert Ines Heinrich an 80 Jahre Handweberei in Warnemünde und 40 Jahre ihrer Webtätigkeit.

nnn.de von
23. März 2019, 09:00 Uhr

Warnemünde | Fantasie, Geschick und Kreativität liegen Ines Heinrich einfach im Blut. Kein Wunder: „Meine Großmutter hat in der Phantasie-Hutabteilung einer Firma als Putzmacherin in Breslau gearbeitet“, erklärt die Warnemünderin. „Sie hat mir schon ganz früh das Nähen beigebracht, wir saßen oft zusammen an der Nähmaschine und deshalb konnte ich mir schon als Teenager vor dem Weggehen ziemlich bunte Kleidung nähen“, erzählt die Handwebmeisterin aus Warnemünde. Ihre zweite Oma hat eigene Schafwolle am Spinnrad verarbeitet.

Weil jetzt in Warnemünde und bei Ines Heinrich persönlich gerade zwei Jubiläen auf einen Zeitpunkt fallen, eröffnet sie Sonnabend von 11 bis 17 Uhr eine Ausstellung in ihrem Atelier am Georginenplatz 5 unter dem Motto „Traditionelles und Spezielles“. Da gibt es von ihr Gewebtes nach traditioneller und nach neuer Machart. „Ich mache eigentlich Kleider für Fenster“, beschreibt sie ihr Tun. Und in vielen Fenstern von Warnemünde ist ihre Handschrift zu sehen.

Eigentlich wollte Ines Heinrich nach dem Abitur Modegestalterin werden. „Dafür brauchte ich damals einen Grundlagenberuf, weil es beim Schneidern mit einem Ausbildungsplatz nicht geklappt hat, kam sie auf Handwebmeisterin Katja Witt. Die gebürtige Russin führte seit 1939 eine Weberei in Warnemünde. Sie hatte 40 Mitarbeiter, die Stoffe webten, die die Leute teilweise gegen Karten bekommen konnten. Katja Witt war nicht nur durch ihre Handweberei bekannt, sondern vor allem auch für ihre Katzenliebe. Sie versorgte bis zu 40 Katzen in ihrer Wohnung, die Leute ihr brachten.

Auf alle Fälle nahm sie Ines Heinrich auf, stellte sie ihrer Meisterin Leokadia Fischer unter die Fittiche und erkannte das Talent. Sie starb noch im gleichen Jahr, Leokadia Fischer führte die Werkstatt weiter. Während der Ausbildung erkannte Ines Heinrich ihre Liebe zum Weben, ihre Meisterprüfung bestand sie 1985. Sie machte sich später selbstständig. Leokadia Fischer wollte, dass Ines Heinrich, wenn sie aufhört, die Werkstatt von Katja Witt weiterführt, sie gab ihr den Kontermarschwebstuhl aus den 30er-Jahren und weiteres Zubehör. Damals übernahm Ines Heinrich mit der Weberei noch vier Mitarbeiter. „Aber damals war gerade die Wende, da sank der Bedarf, ich musste mich schweren Herzens von den Leuten trennen“, sagt sie.

Wenn sie heute noch einmal zurückdenkt, dann ist sie froh, dass ihr Werdegang etwas anders verlaufen ist, als ursprünglich geplant. „Viele Designer entwickeln statt Kleidung Tapetenmuster oder Bettwäsche.“ Ines Heinrich hat durch Zufall zu einem Metier gefunden, das genau ihr Ding ist. Der Beruf erfordert neben handwerklichem Können, Konzentration, Fantasie und Geduld. „Ich bin so dankbar, dass ich Weberin geworden bin, es ist der Beruf, der perfekt zu mir passt und mich glücklich macht“, offenbart Ines Heinrich.

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