Vom Liebesbrief bis Stadtrecht : Rostocks facettenreiche Schriftlichkeit

Ein Beispiel für die mittelniederdeutsche Sprache: Weistum der Stadt Lübeck von 1267.
Ein Beispiel für die mittelniederdeutsche Sprache: Weistum der Stadt Lübeck von 1267.

Sommerakademie an der Universität nähert sich der mittelniederdeutschen Sprache. Dazu findet am 17. Juli ein Vortrag statt.

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08. Juli 2019, 08:20 Uhr

Rostock | In der Woche vom 15. bis 20. Juli veranstaltet das Institut für Germanistik der Universität Rostock erstmals eine einwöchige Sommerakademie zur mittelniederdeutschen Sprache und Literatur. Ziel ist eine Professionalisierung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Formen der mittelniederdeutschen Schriftlichkeit. Den Schwerpunkt bildet dabei die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Studenten auf den Spuren alter Sprache

Die Teilnehmer kommen aus Rostock sowie aus Kiel bis Zürich und Oxford bis Dresden. An insgesamt sechs Tagen werden sie sich in sprach- und literaturwissenschaftlicher, aber auch in mediengeschichtlicher Perspektive mit mittelniederdeutschen Texten aus den Bereichen Recht und Verwaltung, Glaube und Religion, Geschichte und Politik, Belehrung und Beratung sowie Liebe und Erotik beschäftigen. Inbegriffen sind Besuche in den Sondersammlungen der Unibibliothek und Stadtarchiv Rostock sowie Führungen im Kulturhistorischen Museum und zu mittelniederdeutschen Inschriften in der Stadt Rostock.

Zwischen Liebesbrief und Stadtrecht

Ein Vortrag der Sommerakademie beschäftigt sich mit der facettenreichen Schriftlichkeit der mittelalterlichen Hansestadt. Diese Vielfalt beleuchtet die Hamburger Professorin Ingrid Schröder am Mittwoch, 17. Juli, in ihrem Vortrag "Zur Textkultur der mittelalterlichen Hansestadt". Ist das Schrifttum des frühen und hohen Mittelalters noch weitgehend lateinisch, entwickelt sich im 13. und 14. Jahrhundert erstmals – den verschiedenen Bedürfnissen der Gesellschaft entsprechend – eine Vielfalt volkssprachlicher Textsorten. In dem Vortrag soll insbesondere anhand der Rostocker Überlieferung der weite Bogen der Inhalte, Formen und Funktionen zwischen Liebesbrief und Stadtrecht, Kalender und Testament gespannt werden. Den unterschiedlichen Textfunktionen entsprechen spezifische Textmuster, die anhand von Beispielen anschaulich erläutert werden.

Weit verbreitet in der Zeit von 1200 bis 1650

Schröder forscht an der Universität Hamburg zu den gegenwärtigen und historischen Sprachstufen des Niederdeutschen.

Das Mittelniederdeutsche ist die mittlere Sprachstufe innerhalb der niederdeutschen Sprachgeschichte zwischen dem Altniederdeutschen und dem Neuniederdeutschen. Mittelniederdeutsch wurde von etwa 1200 bis 1650 von Flensburg bis Göttingen und von der Emsmündung bis ins Baltikum geschrieben und gesprochen.

Forscherin hält Vortrag

Prof. Dr. Ingrid Schröder aus Hamburg spricht am Mittwoch, 17. Juli, um 18.15 Uhr im Universitätshauptgebäude, Raum 218, Universitätsplatz 1, "Zur Textkultur der mittelalterlichen Hansestadt".

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