Maritime Wirtschaft : Rostock Port sieht Grün für die Zukunft

Vor der Skyline des Rostocker Überseehafens haben Jens Scharner (l.) und Gernot Tesch die jüngsten Umschlagergebnisse von Rostock Port vorgestellt.
Vor der Skyline des Rostocker Überseehafens haben Jens Scharner (l.) und Gernot Tesch die jüngsten Umschlagergebnisse von Rostock Port vorgestellt.

Der Klimawandel hält Einzug in die maritime Wirtschaft. Die Unternehmen setzen auf umweltfreundliche Lösungen.

nnn.de von
05. Juli 2019, 19:00 Uhr

Rostock | Ein kurzes Rucken und das wohlige Gefühl des auf dem Wasser Treibens setzt ein. Im gleichen Moment ergreift der Rostock Port-Geschäftsführer Dr. Gernot Tesch das Wort und erläutert seinen Gästen am Freitag bei einer dreistündigen Hafenrundfahrt, wie es dem Unternehmen im ersten Halbjahr 2019 ergangen ist. Während die rollende Fracht um vier Prozent zurückging, konnte Rostock Port aufgrund der Einstellung der russischen Druschba-Pipeline im Bereich des Umschlags von Flüssiggütern einen starken Zuwachs verzeichnen. "Seit Anfang Mai wurden etwa 800.000 Tonnen Rohöl von Rostock zur Raffinerie nach Schwedt weitertransportiert", berichtet Tesch.

Der Fährverkehr boomt

Besonders im Bereich der Kreuzschifffahrt legt Rostock noch weiter zu. "Deshalb müssen wir an den Kaianlagen die Liegeplätze weiter ertüchtigen, um größere und modernere Schiffe aufnehmen zu können", sagt Rostock Ports zweiter Geschäftsführer Jens Scharner. Hierzu gehört auch die Vertiefung des Seekanals. Die Pläne für das Vorhaben sollen noch im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres ausgelegt werden. Bis zur Umsetzung können dann allerdings noch einige Jahre vergehen. Das große Projekt Landstromanlage soll den Rostocker Hafen zudem für eine klima- und ressourcenschonende Zukunft rüsten. 15 Millionen Euro habe das Unternehmen bislang in diesem Jahr investiert. Bis Ende 2019 ist mit einer Summe von 40 Millionen Euro zu rechnen.

Ein Frachter bei der Beladung im Rostocker Überseehafen.
Susann Greve
Ein Frachter bei der Beladung im Rostocker Überseehafen.

Reedereien rüsten auf grüne Technik um

Für die Zukunft setzen auch die Reedereien auf umweltfreundliche Fährschiffe. Das erste davon befinde sich derzeit im Bau. "Das Greenship wird mit LNG, also Flüssiggas, betrieben und zudem mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet, um den Stromverbrauch zu reduzieren", erklärt Gudrun Köhler von TT-Line. Beim Betrieb mit LNG werde nach Informationen von TT-Line die Kohlendioxid-Emission um 22 Prozent reduziert. Scandlines-Geschäftsführer Heiko Kähler berichtet im gleichen Zuge von der Einführung von so genannten Flettner-Rotoren, die auf der Fährstrecke Rostock-Gedser durch die Nutzung von Windkraft etwa vier bis fünf Prozent Kohlendioxid einsparen sollen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Rostock Port und dem Fraunhofer Institut an einem Projekt zur Effizienz der Hafenabwicklung. Wie Martin Wahl von Stena Line berichtet, liege der Fokus derzeit mehr auf dem Eisenbahnfährverkehr. Die Strecke zwischen Sassnitz und Trelleborg laufe gut. "Die Schweden fliegen nicht mehr so gerne, davon profitieren wir." Demnach gäbe es auch zwei Passagierzüge über Rostock. "Derzeit wissen wir aber noch nicht, ob das ein langfristiger Trend ist", stellt Wahl fest.

Die blauen Kräne sind typisch für den Rostocker Überseehafen. Blau ist schließlich auch die Farbe von Rostock Port.
Susann Greve
Die blauen Kräne sind typisch für den Rostocker Überseehafen. Blau ist schließlich auch die Farbe von Rostock Port.


Besonders die jüngsten Vorfälle in Kiel machen deutlich, dass der Klimawandel in Zukunft nicht vernachlässigt werden darf. Am Pfingstsonntag hatten Klima-Aktivisten ein Kreuzfahrtschiff insgesamt sechs Stunden am Auslaufen gehindert. "Sollte es auch in Rostock zu solch einem Fall kommen, wäre der Hafen verwundbar", gibt Scharner in diesem Zusammenhang zu. Man müsse in diesem Fall Dialogbereitschaft zeigen.

Keine Angst vor dem Brexit

In Sachen Brexit sieht Rostock Port wiederum eine Chance. "Wir wären in diesem Fall nicht negativ betroffen, da wir keine England-Verkehre führen. Aber andere Unternehmen betreiben Überlegungen, ihre Logistikströme zu verändern, was eine Chance für die Nord- und Ostseehäfen darstellt", erklärt Dr. Gernot Tesch. Rostock könnte in diesem Fall also durchaus seine Vorteile aus dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU ziehen.

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