Rostock : Am Freitag steht die Sail still

dsc_1959
1 von 2

Fest wegen Sturmwarnung bis 16 Uhr ausgesetzt: keine Märkte, keine Ausfahrten, kein Bühnenprogramm.

von
09. August 2018, 21:30 Uhr

Die Hanse Sail steht am Freitag erstmal still. Aufgrund der prognostizierten Wetterlage mit Sturm und Windstärken bis 9 Beaufort – 75 bis 88 Kilometer pro Stunde – könnten sich erhebliche Gefahren für die Besucher und Teilnehmer ergeben. „Wir haben daher entschieden, die Veranstaltung bis zunächst 16 Uhr auszusetzen“, so Organisations-Chef Holger Bellgardt. Eine Entscheidung, die in der 28-jährigen Geschichte der Hanse Sail erstmals getroffen werden musste. Die Märkte öffnen nicht, die Fahrgeschäfte bleiben vorerst geschlossen, die Bühnen werden nicht bespielt. Den Kapitänen der Schiffe empfehlen die Veranstalter, in dieser Zeit im Hafen zu bleiben. Betroffen sind alle Veranstaltungsräume vom Stadthafen bis Warnemünde. Dort fällt auch die Wiro-Veranstaltung für Mieter aus.

Die meteorologischen Berater der Sail sollen schon in den gestrigen Nachmittagsstunden für heute Windstärken von 8 bis 9 vorhergesagt haben. Die Tendenz verhärtete sich. Das Sicherheitskonzept der Sail sieht vor, ab Windstärke 8 die Veranstaltungen auszusetzen. Bellgardt bittet um Verständnis: „Nichts ist uns wichtiger, als die Sicherheit unserer Besucher und Gäste.“ Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), früher selbst zuständig für die Sail, bedauert die Absage. Aber auch für ihn gelte: Sicherheit geht vor. Die Entscheidung Bellgardts sei eine sehr verantwortungsbewusste. Meteorologe Dr. Reiner Tiesel war zwölf Jahre lang meteorologischer Berater der Sail. Die Entscheidung sei richtig, sagt er. Hintergrund sei ein Tiefdruckfeld über Dänemark, dessen Rückseite ein Starkwindfeld über die Ostsee auch zu uns bringen würde. So schlimm wie die friesischen Winde die Nordsee werde es uns nicht treffen, sagt er. „Aber wir bekommen einen bösen Wind“ – erst aus Südwest, später aus West bis Nordost. Rostock erlebe gerade den schon bisher zweitheißesten Sommer seit 70 Jahren. Mit starker Hitze, wie symptomatisch für die globale Erwärmung, würden auch die Tiefdruckgebiete schwerer. Aber vermutlich werde das heute nur kurz andauern. Wenn die Wetterlage es doch zulassen sollte – das räumen die Veranstalter klar ein – könne der Betrieb wieder aufgenommen werden. „Die Entwicklung der Wetterlage wird permanent beobachtet und fortlaufend neu bewertet“, so der Sicherheitsbeauftragte der Hanse Sail Jörg Hübner.

Zur gestrigen Eröffnung war noch nicht klar, dass das Volksfest diese traurige Premiere erlebt. Traditionell hatten der Oberbürgermeister und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) die Sail eröffnet – mit Glockenschlag und Fassanstich. „Die Hanse Sail zeigt, wofür unser Land steht – für Tradition und Moderne“, sagte Schwesig. Das Land sei stolz auf Rostock. Tatkräftige Unterstützung brachten der schwedische Botschafter Per Anders Thöresson als Vertreter des diesjährigen Gastlandes und Vize-Admiral Andreas Krause als Vertreter der Marine, die Rostock zu ihrer Hauptstadt erkoren hat.

Methling war stolz auf seine Sail und blickte vor allem in die Zukunft. In wenigen Jahren werde eine Brücke über die Warnow führen. „Wir wollen das Areal zusammen mit dem Land entwickeln“, erklärte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen