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Shorttrack Eine oder zwei Medaillen für die Heimat!

Von Peter Richter | 12.02.2019, 18:10 Uhr

Adrian Lüdtke zieht eine positive Weltcup-Bilanz und legt dar, was er sich für den Rest der Saison 2018/19 vornimmt

Nach dem krankheitsbedingten langen Ausfall von Christoph Schubert (EV Dresden/leidet unter Pfeifferschem Drüsenfieber) ist Shorttracker Adrian Lüdtke (ESV Turbine Rostock) derzeit die klare Nummer eins in Deutschland. Derzeit befindet sich der Wahl-Dresdner im Heimaturlaub und schaute am Dienstag auch in der NNN-Redaktion vorbei. Redakteur Peter Richter sprach mit dem 20-Jährigen.

Adrian, beim letzten Weltcup der Saison in Turin hätten Sie es über 1000 Meter beinahe ins Viertelfinale geschafft. Zufrieden oder eher verärgert?

Sowohl als auch. Geärgert habe ich mich, dass es nicht ganz reichte. Die 1000 Meter entscheiden sich auf den letzten drei Runden. Der Plan war, erst mal hinterherlaufen, Energie aufsparen und dann attackieren. Ich wollte innen vorbei, habe dabei aber meinen Oberkörper zu weit rein- und dadurch rübergedreht und bin gestürzt. Sonst wäre ich Dritter geworden und statt des Niederländers Friso Emons weitergekommen.

Aber Sie hatten ja noch eine theoretische Chance in den sogenannten Repechage Quarterfinals.

Ja, genau. Im Hoffnungslauf wurde ich Zweiter hinter dem Italiener Yuri Confortola. Leider kamen nur die Sieger und von den sechs Zweiten die vier Schnellsten weiter, und mir fehlten vier Zehntel. Aber ich bin defensive Bahn gelaufen und habe die zweite Position bis zum Schluss verteidigt. Das war ein sehr guter Lauf gegen Leute, die auf meinem Level sind. Damit bin ich sehr zufrieden gewesen. Denn genau darum geht es ja: in stressigen Rennsituationen den Überblick behalten, ruhig handeln, gelassen bleiben. Insgesamt habe ich selbst gemerkt, dass mich die Weltcups voranbringen.

Die 1500 Meter liefen allerdings weniger günstig.

Richtig. Im ersten Lauf wurde ich Dritter. Als ich gerade dabei war, mich nach vorn zu mausern, hat mich der Belgier behindert (Stijn Desemt, der dafür später mit Penalty belegt, also disqualifiziert wurde – d. Red.), und leider bin ich nicht advanced worden (es gibt im Shorttrack die Möglichkeit, Läufer, die in aussichtsreicher Position behindert werden, im Nachhinein eine Runde weiterzusetzen – d. Red.). Im Hoffnungslauf war ich leider auch in eine Rangelei verwickelt.

Wie verstehen Sie sich eigentlich mit Bundestrainer Stuart Horsepool – sowohl im Wortsinn als auch menschlich-fachlich?

Wir kommunizieren auf Englisch. Stuart kommt aus England und hat ja nie eine andere Sprache gelernt. In den Rennen versuchen wir mit Codewörtern zu arbeiten, die er uns zuschreien kann, ohne dass die Konkurrenz gleich mitbekommt, worum es geht. Ansonsten ist Stuart ein Weltspitzentrainer, mit dem ich super auf einer Wellenlänge bin. Er tut alles für dich, wenn er merkt, dass man an sich arbeiten will. Das ist ja auch die Grundvoraussetzung, um bei Olympia 2022 in Peking dabeizusein, und das ist auf alle Fälle mein Ziel.

Weiter geht es mit den WM in Sofia, den Deutschen Meisterschaften in Oberstdorf und zum Abschluss dem inoffiziellen Europacup in Rostock. Was haben Sie sich für den letzten Teil der Saison vorgenommen?

Bei den Weltmeisterschaften ist das Starterfeld ähnlich hochkarätig wie bei den Weltcups. Da ist es schwierig, vorher auf eine Platzierung zu schauen. Ich will versuchen, in Sofia das, was ich bisher im Weltcup richtig gemacht habe, beizubehalten – dass ich Lücken sehe, entspannt laufe, gut überhole, das Gefühl für die Rennen bekomme und sie mitgestalte. Ich habe die Kraft, um bei den WM mitzulaufen. Und sie sind optimal, um auf höchstem Niveau zu üben. Bei den Deutschen Meisterschaften will ich natürlich den Titel erkämpfen – und in Rostock eine oder zwei Medaillen für die Heimat holen!

Im Gesamt-Weltcup über 1500 Meter 40. von 119 Startern

Überragend aus deutscher Sicht beim abschließenden Weltcup 2018/19 in Turin war wieder einmal die Dresdnerin Anna Seidel: Sie gewann über 1500 Meter die Bronzemedaille.

In der Weltcup-Gesamtwertung wurde Adrian Lüdtke über 1500 Meter 40. unter 119 Startern. Auf den 1000 m belegte er Rang 62 von 145.

Die dritte Teilstrecke, 500 m, wurde bei den deutschen Shorttrackern in Training und Wettkampf in dieser Saison etwas „vernachlässigt“: Im Vier-Jahres-Zyklus bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking sollen erst einmal die Grundlagen geschaffen werden.

Die ausstehenden Saisonhöhepunkte: 8. bis 10. März Weltmeisterschaften in Sofia, 16./17. März Deutsche Meisterschaften in Oberstdorf, 22. bis 24. März Europacup in Rostock

Nach drei Junioren-Weltmeisterschaften (2016 in Sofia 40., 2017 in Innsbruck 34., 2018 in Tomaszów Mazowiecki/Polen 17.) nimmt Adrian nun in Sofia erstmals an Senioren-WM teil.

Dafür musste er laut Vorgabe der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG die 1500 Meter unter 2:13 Minuten laufen. Dies schaffte Adrian bei einem offiziell angemeldeten und vom Know-how entsprechend ausgestatteten Trainingswettkampf. Seine offizielle Bestzeit liegt bei 2:14,159.

Für das Europacup-Finale in Rostock qualifizierte sich der Lokalmatador als Gesamtvierter der westeuropäischen Starclass-Serie. Adrian hatte nur einen von drei Wettkämpfen wahrgenommen, diesen aber im Dezember in Heerenveen für sich entschieden.