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Kanurennsport Nils Globke kämpft um die Teilnahme an den U23-WM

Von Peter Richter | 02.01.2019, 19:07 Uhr

Rostocks Top-Rennkanute befindet sich nach Besuch in der Heimat über den Jahreswechsel seit Mittwoch wieder im Training

Nachdem er die beiden Operationen, in denen ihm seine vier Weisheitszähne entfernt wurden, hinter sich hatte, wurde es noch ein entspannter Jahresausklang für Nils Globke: Über Weihnachten war er mit der Familie im Winterurlaub in St. Vigil (Südtirol) und beschäftigte sich dort vor allem mit Snowboard-Fahren.

Seit gestern befindet er sich nun wieder im üblichen Trainingsprozess von mindestens 20 Stunden pro Woche – Rostocks derzeit bester Rennkanute, der auf das erfolgreichste Jahr seiner jungen Laufbahn zurückblickt: Deutscher Meister in Hamburg im Kajak-Zweier über 1000 Meter, dazu viermal Silber und einmal Bronze sowie als Krönung der fünfte Platz bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Plowdiw im 1000-m-Einer.

Nils war einst Leistungs-Schwimmer beim hiesigen SC Empor 2000. Als jedoch nichts aus der erhofften Aufnahme in die Sportlerklasse am Christophorus-Gymnasium wurde und er ohnehin „nicht mehr so die Lust hatte“, suchte er sich ein neues Betätigungsfeld. Eine Wassersportart sollte es bleiben, das Rückwärtsfahren beim Rudern war nicht sein Ding, und so landete er beim Kanurennsport. Los ging es in den Sommerferien, bevor er in die 5. Klasse kam, beim Rostocker Kanu-Club, und schon bald war Nils Bestandteil der Trainingsgruppe der dreimaligen Olympiasiegerin Ramona Portwich: „Sie hat mich überhaupt erst für den Leistungssport begeistert und auf den Weg gebracht, dass ich auch technisch vom Anfänger zum Profi wurde.“

Auf den Weg gebracht letztlich auch an das Sportgymnasium Neubrandenburg (seit 2014), wo der nunmehr so gut wie 19-Jährige demnächst sein Abitur macht.

Inzwischen wohnt er nicht mehr im Internat, sondern hat im dortigen Haus des Sports sein eigenes kleines Reich. Er lobt die „trainingstechnischen Top-Bedingungen“ in der Vier-Tore-Stadt und beim SCN, die nur fünf Minuten zu Fuß bis zur Hausstrecke Oberbach; in Rostock hätte allein der Weg von der Schule bis zum RKC eine halbe Stunde gedauert.

Gleichwohl, versichert Nils Globke, könnte er sich gut vorstellen, „nach dem Studium in meine Lieblingsstadt zurückzukehren“. Vorher nicht, denn Rostock kann nicht die leistungssportlichen Voraussetzungen bieten, damit sich sein Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris erfüllt.

So strebt Nils Globke, der in der HRO in Brinckmanshöhe zu Hause ist, nach dem Abitur die Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr an, und er spielt mit dem Gedanken, fortan am Olympiastützpunkt in Potsdam zu trainieren, „nebenbei“ ein Lehramt-Studium in zwei oder drei Fächern (Biologie, Sozialkunde, Sport) aufzunehmen; paddeln würde er weiterhin für den SCN.

Großes Saisonziel des jetzt in den U23-Bereich gewechselten Rostocker Top-Rennkanuten ist – nach hoffentlich erfolgreicher Meisterung der nationalen Sichtungen im Frühjahr in Duisburg – die Teilnahme an den WM dieser Altersklasse im rumänischen Pitesti: „Es wird auf alle Fälle sehr schwer, ins WM-Team zu kommen, aber unmöglich ist es nicht.“

Das sagt seine Ex-Trainerin

„Nils war wie so ein Krokodil: Er lag scheinbar ein bisschen auf der faulen Haut (dabei war er ein Fleißiger), aber wenn es drauf ankam, hat er zugeschlagen, immer im richtigen Moment. Hier hat sich einer, der anfangs Mühe hatte, sich im Boot zu halten, als guter Wettkampftyp herausgestellt“, erinnert sich Ramona Portwich, dreimalige Olympiasiegerin (dazu zweimal olympisches Silber) und 13-fache Weltmeisterin. Nils’ Trainer in Neubrandenburg ist seit drei Jahren Hartmut Maßlau.

Zur Person

Nils Globke wurde am 6. Januar 2000 in Rostock geboren. Er war Leichtathlet und Schwimmer, ehe er 2010 zum Kanurennsport fand. Bis zum Wechsel an das Neubrandenburger Sportgymnasium zu Jahresbeginn 2014 startete er für den Rostocker Kanu-Club, dessen Mitglied er weiterhin ist. Seine bisher größten Erfolge: bei den Olympic Hope Games 2016 in Szeged Platz eins (Kajak-Zweier 1000 Meter) und 2017 in Racice zweimal Dritter (K2 1000 m, K4 500 m), Sechster der Junioren-Europameisterschaften 2017 in Belgrad (K4 1000 m) und Fünfter der Junioren-WM 2018 in Plowdiw im Kajak-Einer (1000 m). Nils hat einen Bruder: Björn (24) war früher beim SC Empor Rostock 2000 Leistungs-Schwimmer.