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Judo Ziel: In die Lücke reinrutschen

Von Peter Richter | 23.01.2019, 16:01 Uhr

Annika Würfel (VfK Bau Rostock) hofft an ihrem 19. Geburtstag auf eine Medaille bei den Deutschen Frauen-Meisterschaften

Im November war Judoka Annika Würfel vom VfK Bau Rostock als Gast mit dem TSV Backnang noch Deutscher Mannschafts-Meister geworden (Halbfinale JC Wiesbaden 12:2, Finale JSV Speyer 11:3).

Das neue Jahr begann für sie mit dem olympischen Trainingscamp im österreichischen Mittersill, wo sie sich mit „allen Judo-Größen, die du dir vorstellen kannst“, im Training maß. So traf sie direkt auf die Zweite der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro, die Italienerin Odette Giuffrida, und nebenan auf der Matte trat Majlinda Kelmendi aus dem Kosovo, die Olympiasiegerin in Annikas Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm, in Aktion…

Nun steht die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Frauen bevor: Sonnabend in Stuttgart, an ihrem 19. Geburtstag!

„Ich bin so ein bisschen geteilter Meinung“, gesteht die Vize-Europameisterin der U 21 und erklärt: „Einerseits kann ich das locker angehen und auf mich zukommen lassen, stehe nicht unter Druck. Auf der anderen Seite würde ich schon auch supergerne eine Medaille erkämpfen, weil die ersten Drei am Grand Slam (22. bis 24. Februar in Düsseldorf – d. Red.) teilnehmen dürfen, und da ist die ganze Weltelite dabei. Zwar bin ich ja vom Alter her noch lange nicht im Frauen-Bereich angekommen, aber der Bundestrainer (Lorenz Trautmann – d. Red.) meint, bis 52 kg ist eigentlich gerade eine Lücke, in die ich sehr gut reinrutschen könnte.“

Danach geht es für Annika, die sich 2018 bis auf Platz zwei der Weltrangliste in ihrer Altersklasse hochgearbeitet hatte und auch bei der NNN-Sportlerumfrage ganz weit vorn mit dabei ist, Anfang Februar bei den European Open in Sofia gleich mit einem weiteren Frauen-Wettkampf weiter. Anschließend wird die Wahl-Berlinerin wie üblich versuchen, sich über Erfolge bei den European Cups für die Europa- und Weltmeisterschaften der U21-Junioren zu qualifizieren, die in diesem Jahr im finnischen Vantaa (12. bis 15. September) beziehungsweise Marrakesch (Marokko/16. bis 20. Oktober) stattfinden.

Ein weiterer Saisonhöhepunkt sind die nationalen Titelkämpfe ihrer eigentlichen Altersklasse Anfang März in Frankfurt (Oder). Dort kämpft Annika Würfel um den U21-Titel – den sie 2017 als 17-Jährige schon mal geholt hatte und 2018 an Seija Ballhaus abgeben musste. Gewiss nur vorübergehend.

Jeder hat sein eigenes Zimmerchen

Zu Hause ist Annika Würfel jetzt in Berlin. Trainiert wird im Sportforum Hohenschönhausen, untergebracht ist sie im Haus der Athleten: „Das musst du dir wie ein großes Internat vorstellen. Jeder hat sein eigenes Zimmerchen mit eigenem Bad, dazu kommt eine Gemeinschaftsküche auf jeder der drei Etagen.“

Die künftige Lehrerin hat an der Humboldt-Universität ein Studium „Grundschul-Lehramt Mathematik, Deutsch und Sport“ begonnen.

Vor Annikas Dauerrivalin Seija Ballhaus (TH Eilbeck) steht nunmehr das Wort „ehemalige“: Sie ist in die 57-kg-Kategorie aufgestiegen.