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Shorttrack Für den Weltcup extra noch mal neu eingekleidet

Von Peter Richter | 30.01.2019, 15:01 Uhr

Jan Häupl ist ab Freitag in Dresden als Starter im Einsatz. Sein großes Ziel: Einmal bei Olympischen Spielen amtieren

Beim Wasserspringen, Fußball, Judo – berichtet Jan Häupl schmunzelnd – sei er dereinst „überall rausgeflogen“. Dabei besitzt er durchaus sportliches Talent: „Das rufe ich heute beim Triathlon auf. Die Sprintdistanz (bis 0,75 km Schwimmen, 20 km Radfahren, 5 km Laufen – d. Red.) schaffe ich in 1:16, 1:17 Stunden.“ Vor allem aber hat der 37-Jährige im Shorttrack Erfolg – als internationaler Starter. In Dresden debütiert er ab Freitag im Weltcup. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er eines Tages sogar bei Olympia in Aktion tritt.

Alles fing damit an, dass sich Sohn Theodor (heute 14), als er fünf war, mit dem Kinderturnen nicht zufrieden gab und mal eben in der benachbarten Eishalle nachschaute, was da so los ist. Er blieb hängen – und Papa auch. Jener war schon vorher im Ehrenamt tätig gewesen, als er seiner ältesten Tochter Clara (18) zum Fechten folgte und Abteilungsleiter im PSV wurde: „Ich bin eine gute Seele, die immer gleich mit anpacken muss. Ich kann nicht einfach rumstehen, das ist nicht meine Natur. Und als mich die Trainer beim Shorttrack fragten, ob ich mich nicht im Schiedsrichter-Bereich engagieren wolle, sagte ich zu und spezialisierte mich auf das Amt des Starters.“ Inzwischen ist der Betriebswirt im Winter jedes zweite Wochenende unterwegs – und das keineswegs nur bei Wettkämpfen seiner Kinder: Nach Theo fanden auch Lotti (11) und Greta (7) zum Kurzbahn-Eisschnelllauf. „Das geht nur, wenn die Familie gut organisiert ist. Meine Frau Claudia trägt das alles mit, und dafür muss ich ihr danken“, so der Sildemower, der auf dem Internet-Portal www.shorttrackonline.info sogar in der Rubrik „Athletes“ auftaucht. Was damit zusammenhänge, dass er „bei den Landesmeisterschaften (das sind praktisch vereinsinterne Titelkämpfe – d. Red.) mit Theo die Familien-Staffel gewonnen“ habe.

Seit acht Jahren ist Jan Häupl jetzt als Starter tätig. Seine Aufgaben: Fehlstarts ahnden, die Kommandos „Go to the start“ und „Ready“ ansagen, Startschuss lösen, das Geschehen bis ausgangs der ersten Kurve überwachen, gegebenenfalls bei frühen Stürzen einen Neubeginn veranlassen, in Staffel-Rennen die letzten drei Runden anschießen als Signal, dass ab da nicht mehr gewechselt werden darf und anderes mehr.

Nach regelmäßigen Lehrgängen inklusive schriftlicher Prüfungen auf Englisch sowie nationalen bis hin zu europäischen Einsätzen (Starclass-Serie) ist der gebürtige Rostocker nun fit für die ganz große Bühne: „Bei meinem allerersten Weltcup in Dresden bin ich Assistent und Bestandteil von zwei je zweiköpfigen Starter-Teams. Für mich kommt es darauf an, dort erst mal Erfahrungen zu sammeln. Wenn man die hat, kommt man auf die Liste der ISU (Internationale Eislauf-Union – d. Red.). Und dann sind Olympische Spiele mein großes Ziel. Vielleicht schaffe ich es ja schon 2022 nach Peking.“

Geld verdienen lässt sich mit seinem „Nebenjob“ übrigens nicht. Fahrkilometer, Kost und Logis kriegt er bezahlt, doch sogar sich an die „Kleiderordnung“ zu halten (vorgeschrieben sind graue Hose, dunkelblaues Jackett, hellblaues Hemd und blaue Krawatte) obliegt ihm selbst: „Extra für den Weltcup wurde alles noch mal frisch eingekauft“, so Jan Häupl. Kosten inklusive Schneider: um die 350 Euro…

Der Sportler: Adrian Lüdtke

„Platzierungsmäßig habe ich mir nichts vorgenommen. Ich fühle mich gut und kann mich mehr auf das Rennen fokussieren als sonst. Vielleicht springt auch innerhalb der nächsten anderhalb Wochen eine neue Bestzeit über 1000 Meter heraus. Ich versuche einfach etwas gelassener an den Wettkampf ranzugehen, um meine Trainingsleistung abrufen zu können", so Adrian Lüdtke, der den ESV Turbine Rostock bei den Weltcups in Dresden und eine Woche später in Turin vertritt. Über 500 m startet er an diesem Wochenende nicht (beim Weltcup werden immer nur zwei Strecken pro Wettkampf gelaufen).

Die Waffe: Röhm RG 600

Meist verwahrt sie der Verein im Tresor: Auf die Starter-, genauer gesagt Schreckschusspistole Modell Röhm RG 600 für Sechs-Millimeter-Platzpatronen wird bei den Wettkämpfen ein Schallgeber montiert, der die Waffe an die elektronische Zeiterfassung koppelt. Bei internationalen Veranstaltungen sind über Lautsprecher ertönende Elektronik-Pistolen üblich.

Vier Väter von Turbine-Talenten als Schiedsrichter aktiv

Den Weg zum Shorttrack wies Jan Häupl gewissermaßen auch sein Vater Ralph, der als junger Mann gemeinsam mit Karin Schmidt unter deren Mutter Gerda Hoffmann in Rostock Eisschnelllauf trainierte, als es die Kurzbahn-Variante hierzulande noch gar nicht gab.

Noch drei weitere Väter sind beim ESV Turbine als Schiedsrichter aktiv: Hartmut Lier (Tochter Daniela), Martin Brandes (Sohn Yaron) und der wie Häupl ebenfalls international aktive Tilo Michel (Sohn Bent Schoob).

Auch mit vier Track Stewards (Bahnpräparierer) ist Rostock in Dresden vertreten. Nicht zum ersten Mal beim Weltcup im Einsatz sind Karsten Braasch (auch seine Frau Birgit ist mithelfend im Einsatz) sowie Anne und Sascha Krüger. Vom „Stammpersonal“ fehlt diesmal Christian Stiene, da er vor kurzem Vater geworden ist.