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Rudern Diese Kombi passt ganz gut

Von Peter Richter | 04.01.2019, 17:42 Uhr

Der Rostocker „Zweier ohne“ Frauke Hacker/Christin Stöhner sieht der vorolympischen Ruder-Saison hoffnungsvoll entgegen

Frauke Hacker und Christin Stöhner vom Olympischen Ruder-Club bilden seit kurzem einen rein Rostocker „Zweier ohne“. In Kessin bereitet sich das hoffnungsvolle Duo auf die Saison im Frauen-Riemenbereich vor. Das Besondere dabei: Frauke (23) wechselte im Boot die Seite, Christin (21) – die zudem eigentlich noch in die U 23 gehört – den Verein: vom SV Energie Berlin zum ORC.

„Wenn wir nicht zur Uni müssen, hängen wir von 8 bis 16 Uhr im Verein rum, und irgendwann haben wir uns auch nichts mehr zu sagen außer: Da, die Wolke, hast du die schon gesehen?“
Frauke Hacker scherzhaft über gelegentliche Monotonie im Trainingsalltag

Das Umsatteln von Back- auf Steuerbord sei ihr „nicht superschwer“ gefallen, versichert Frauke: „Nach ein, zwei Wochen habe ich mich nicht mehr extrem unwohl gefühlt. Ich gucke zwar automatisch immer noch nach rechts, aber im Kopf bin ich jetzt beidseitig. Ich skulle wieder“, scherzt sie und führt weiter aus: „Der Vorteil ist, dass, wenn wie jetzt im Trainingslager (5. bis 20. Dezember in Sabaudia/Italien – d. Red.) gleich drei Backborder ausfallen, ich einspringen kann, sonst hätten wir nicht Achter fahren können.“

Warum Christin vom 1. Januar an für den ORC startet, begründet sie so: „Seit ich nach Rostock gezogen bin, habe ich nur noch relativ wenig Verbindungen nach Berlin. Ich trainiere und wohne hier, aber alle Erfolge wurden meinem dortigen Verein angerechnet. Außerdem ist der SV Energie nicht auf den Leistungssport ausgerichtet, und da bekomme ich hier mehr Unterstützung.“

Dass sie nunmehr gemeinsam mit Frauke Hacker einen Zweier bildet, „ist für mich ein großer Glücksfall, weil es mir hilft, mich zu verbessern“. Der Erfahreneren im Boot gefällt die Konstellation auch: „Man muss das zusammenbasteln, technisch und vom Niveau anpassen. Theoretisch ist es egal, mit wem ich fahre. Jeder Partner kann einen vorwärts bringen. Aber so ist es am bequemsten, einfachsten, stressfreiesten. Ich muss nicht mehr ständig nach Potsdam, Berlin oder Brandenburg gurken wie im vorigen Jahr (als sie mit der Potsdamerin Anna Härtl „koalierte“ – d. Red.). Das und hier unter René Burmeister trainieren zu können ist ein großer Vorteil. Diese Kombi passt ganz gut.“

Während es 2019, in der vorolympischen Saison, für Christin vor allem darum geht, „im A-Bereich so weit vorn zu landen wie möglich und dann zu schauen, ob ich berücksichtigt werde“, denkt Frauke noch ein Stück weiter: „Wir versuchen natürlich, einer der schnellsten Zweier zu sein, um wenigstens in den Sechser-Kreis zu kommen, aus dem der Vierer und Zweier gebildet werden*, aber vor allen Dingen müssen wir zusehen, dass wir die gesamte Gruppe schnell kriegen. Denn im Endeffekt ist das zu langsam im Vergleich zu den Männern.** Das reicht alles nicht“, wurmt sie noch immer der lediglich sechste Platz im B-Finale im „Vierer ohne“ bei den Weltmeisterschaften 2018 in Plowdiw.

Unter Bundestrainer Sven Ueck (Potsdam) geht es darum, für die WM in Linz (25. August bis 1. September) drei konkurrenzfähige Boote zu formieren: einen Achter, Vierer und Zweier. Es sind also lediglich 14 Plätze zu vergeben. Eigentlich sogar nur sieben: Im Riemensektor ist ja jeder auf seine Seite spezialisiert und wechselt (Frauke Hacker ist eine Ausnahme) normalerweise nicht.

Nächste Maßnahme: Vom 25. Januar bis 10. Februar fliegen 16 Sportlerinnen plus zwei Steuerfrauen abermals nach Sabaudia. Darunter die Rostocker Kombi.

* Auf der Langstrecke Anfang Dezember in Dortmund wurden Hacker/Stöhner Sechste. Nach vier der sechs Kilometer lagen sie noch vorn.

** Auf der Basis der Weltbestzeiten im „Zweier ohne“ über 2000 Meter bei den Männern (6:08 Minuten) und Frauen (6:49) wäre es in der Relation ideal, würden im weiblichen Bereich die Rückstände auf die Kandidaten für den Deutschland-Achter – der als Weltmeister natürlich der beste Maßstab ist – nicht größer ausfallen als 41 Sekunden.

Zur Person

Frauke Hacker wurde am 23. Juni 1995 in Güstrow geboren. Sie wuchs in Zepelin auf, ging in Bützow zur Schule, bis sie 14 war, lebt seitdem in Rostock und studiert an der hiesigen Universität Biologie und Chemie auf Lehramt (Gymnasium). Ihre bisher größten Erfolge: Dritte der Junioren-Weltmeisterschaften 2013 im litauischen Trakai (Doppelvierer) und ebenfalls Bronze bei den U23-WM im Jahr darauf im italienischen Varese (Achter).

Christin Stöhner wurde am 27. September 1997 in Cottbus geboren. Im Alter von drei Jahren zog sie mit der Familie nach Berlin. Sie ruderte für den dortigen SV Energie. Seit 2016 lebt sie in Rostock und studiert hier Medizin. Vom 1. Januar 2019 an startet Christin für den ORC. Ihre bisher größten Erfolge: jeweils mit dem Achter Sechste der U23-Europameisterschaften 2017 in Kruszwica (Polen) und Fünfte der U23-WM 2018 in Poznan.

Das sagt der Trainer

Olympiastützpunkt-MV-Trainer René Burmeister: Sie haben sich als Team schon gut entwickelt, und auch wenn Christin noch U 23 ist und Frauke auf die andere Seite umlernt, traue ich ihnen national ganz schön viel zu. Sie haben es selbst in der Hand: Um so mehr sie sich im Trainingsfleiß von der Masse abheben, desto erfolgreicher können sie sein.