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FC Hansa Jedes andere Ziel als der Aufstieg wäre unehrlich

Von Andre Gericke | 30.11.2018, 12:55 Uhr

Investor Rolf Elgeti unterstützt die offensive Saisonvorgabe und lobt die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins

Rund 23 Millionen Euro beträgt der aktuelle Schuldenstand des Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock, davon etwa 18 Millionen Euro bei Rolf Elgeti. Da war es selbstverständlich, dass der Investor auf der ordentlichen Mitgliederversammlung (MV) des Vereins ein aufmerksamer Zuhörer war, der sich zudem mit einem Redebeitrag zur Satzungsänderung in Bezug auf die Kapitalerhöhung – wurde angenommen – zu Wort meldete. „Die MV wurde professionell vorbereitet, geführt und geleitet. Der Umgang untereinander war meines Erachtens sehr fair und offen. Es wurde kontrovers, aber sachlich diskutiert – so wie man das im hanseatischen Kulturkreis auch erwarten würde“, lobt Rolf Elgeti Mitglieder und Vereinsführung.

Trotz der Erhöhung der Verbindlichkeiten war der Finanzexperte mit den Zahlen im operativen Geschäft zufrieden. „Sie gehen alle in die richtige Richtung: Die Einnahmen steigen, die Kosten zwar auch, aber deutlich langsamer. Viele wirtschaftliche Altlasten sind gelöst. Somit schwimmen wir uns so langsam einigermaßen frei. Und die so freigesetzten Reserven können in den Kader investiert werden, was ganz sicher richtig ist und glücklicherweise auch zu besseren Ergebnissen führt. Man muss an dieser Stelle auch erwähnen – was viel zu selten anerkannt wird –, dass auch die Mannschaft mit ihren Erfolgen und begeisterndem Fußball ihren eigenen Beitrag zur wirtschaftlichen Verbesserung leistet. Insofern kann man schon sagen, dass der Verein in der Sanierung und gleichzeitigen Investition in den Bereich Sport das richtige Augenmaß bewiesen hat“, sagt Elgeti, der weiter anführt: „Im Prinzip ist die Lage ganz einfach: Der Verein hat es sich erarbeitet, dass er sich rein von den Cash Flows her in Richtung schwarze Null bewegt. Damit sind wir kurz- bis mittelfristig im Status quo nachhaltig überlebensfähig, was ein riesiger Fortschritt zur jüngeren Vergangenheit ist.“

Als Rolf Elgeti beim FC Hansa einstieg, hatte der Club noch jährliche Defizite in Höhe von bis zu drei Millionen Euro. „Andererseits verdienen wir nicht das Geld, um die Abschreibungen ausgleichen zu können, was mehr oder weniger gleichbedeutend mit der Aussage ist, dass wir keine Rücklagen für Sanierungen und Investitionen aufbauen können. Und was das bedeutet, kann man beispielhaft an der aktuellen Diskussion um die Flutlichtmasten sehen. Um solche Themen zu lösen, braucht es entweder den Aufstieg oder einige sehr gute Ideen – am besten natürlich beides“, sagt Rolf Elgeti, der sich aus dem sportlichen Bereich heraushält: „Ich habe mir vorgenommen, diesen Bereich nicht zu kommentieren – weder öffentlich noch gegenüber dem Verein. Aber dass ich stolz bin auf unsere Mannschaft und unseren Verein, darf ich schon sagen, denke ich.“

Dass der Verein offensiv mit seinem Saisonziel umgeht, findet der Investor positiv und letztlich nur ehrlich. „Ich wurde nicht mit einbezogen, unterstütze das aber voll und ganz. Was sollte man auch anderes sagen: Wir wollen Vierter werden, um uns sicher für den DFB-Pokal zu qualifizieren? Außerdem erwartet das Umfeld sowieso den Aufstieg, da darf man als Club damit offensiv umgehen, finde ich. Und man muss ja auch sehen: Es gibt keine wirklichen Ausreden mehr. Die Atmosphäre im und um den Club ist skandalfrei, man kann sogar von Aufbruchstimmung reden. Wir haben einen der höchsten Kaderetats der Liga. Unsere sportliche Leitung ist die gleiche geblieben und konnte ganz in Ruhe mit nahezu idealen Bedingungen die Saison vorbereiten. Das heißt alles nicht, dass wir unbedingt aufsteigen müssen – denn das müssen wir nicht –, aber jedes andere Ziel wäre doch völlig unehrlich“, so Rolf Elgeti, der weiterhin Feuer und Flamme für den FC Hansa ist und sein Engagement nicht bereut hat: „Nein, nie. Ganz im Gegenteil: Jedes Mal, wenn ich ins Stadion fahre und die Tausenden von Fans sehe, die in Weiß-Blau und guter Stimmung ins Stadion pilgern, denke ich mir, dass das gar nicht falsch gewesen sein kann, auch wenn es natürlich wirtschaftlich verrückt war und bleibt.“