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Medizin 1000. Augenhornhaut transplantiert

Von Redaktion svz.de | 14.05.2018, 05:00 Uhr

Gewebebank MV reduziert Versorgungsengpass. Mediziner wollen längerfristig Wartelisten in Gewebemedizin abschaffen können.

Seit Jahren existiert in Deutschland ein Mangel an Augenhornhauttransplantaten. Mit der im Juli 2015 gegründeten Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hat sich dieser Versorgungsengpass erheblich reduziert. Kürzlich konnte die Transplantation der 1000. Augenhornhaut gefeiert werden.

„Unser Team ist sehr stolz, dass wir innerhalb so kurzer Zeit so vielen Menschen mit gesundheitlichen Sehproblemen helfen konnten“, sagt der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gewebebank MV (GBMV), Dr. Frank-Peter Nitschke. Der Erfolg sei maßgeblich den Spendern, ihren Familien sowie den engagierten Mitarbeitern in den Kliniken zu verdanken.

In keinem anderen Bundesland sei die Bereitschaft zur uneigennützigen, großherzigen Gewebespende höher als in MV. Pro Jahr würden rund 200 Hornhäute in Rostock, Greifswald, Demmin, Neubrandenburg und Stralsund transplantiert, bundesweit seien es etwa 8000. Allein aus der Gewebebank MV werden derzeit pro Woche durchschnittlich 25 Transplantate abgegeben, was die überregionale Bedeutung dieser Gewebebank widerspiegelt. „Für dieses Jahr planen wir die Bereitstellung von insgesamt rund 1200 Augenhornhauttransplantaten“, so Nitschke, „derzeit können wir allen Anfragen von Transplantationszentren nach Augenhornhäuten ohne Wartezeiten nachkommen“, so Nitschke.

Basis für die verbesserte Versorgung der Patienten mit Hornhauttransplantaten sei die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin, die durch Kooperationen mit Kliniken in MV, Brandenburg und Sachsen die Versorgung mit humanem Gewebe sicherstellt. Geschäftsführer ist Dr. Axel Manecke. Eine Augenhornhauttransplantation ist insbesondere bei der Fuchs’schen Endotheldystrophie ein bewährter und etablierter Eingriff. Bei der erblichen Augenerkrankung kommt es zu einem Zellschaden in der Innenschicht der Hornhaut, die dann das Augenwasser nicht mehr richtig abführen kann, um die Hornhaut klar zu halten. Oftmals hilft dann nur eine neue Augenhornhaut, um das Erblinden zu verhindern.

Transplantate der Rostocker Gewebebank seien wegen der hohen Qualität an vielen Universitätsklinika gefragt. „Unsere erfahrenen Mitarbeiter verarbeiten die entnommenen Augenhornhäute nach einer gründlichen Eingangskontrolle sehr zügig“, so Nitschke. Nach der fachgerechten Präparation könne die Augenhornhaut in der Gewebebank in einem mit Nährstoffen angereicherten Organkulturmedium bei zirka 32 Grad bis zu 28 Tage vorgehalten werden.

Hornhäute werden wie Herzklappen, Knochen oder Bindegewebe oder Haut Verstorbenen entnommen. Im Gegensatz zur Organtransplantation nach dem Hirntod eines Patienten, bei der für die Entnahme bis zur Implantation meist nur ein Fenster von wenigen Stunden bleibt, kann Gewebe bis zu 36 Stunden im Körper eines Verstorbenen bleiben. Zeit für die Angehörigen zu entscheiden, ob sie die Erlaubnis zur Gewebeentnahme geben.