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Marienehe 1200 Rostocker wollen Daniel retten

Von Josefine Rosse | 18.09.2011, 08:18 Uhr

Der kleine Daniel aus Schmarl ist wirklich tapfer.

Zu Beginn dieses Jahres ist der Zehnjährige an Leukämie erkrankt. Nun braucht er einen passenden Knochenmarkspender, der ihm mit seinen Stammzellen das Leben retten kann. Viele Rostocker wollen ihm helfen. Das haben die knapp 1200 Hanseaten bewiesen, die vergangenen Sonnabend zur Typisierungsaktion in die Hanseatische Weiterbildungs- und Beschäftigungsgemeinschaft Rostock (HWBR) gekommen sind. Daniels Familie und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) haben die Aktion ins Leben gerufen, weil sie Retter suchen. Zwischen 10 und 16 Uhr konnten sich die potenziellen Spender in die DKMS aufnehmen lassen.

Jeder zwischen 18 und 55 kann Leben retten

Daniels Vater Jörg Bellmann zeigte sich überwältigt vom Anblick der vielen Menschen, die gekommen waren, um seinem Sohn zu helfen: "Die Vorbereitungen für die Aktion haben an meinen Kräften gezerrt. Aber als ich die ersten Helfer und potenziellen Spender gesehen habe, war das sehr beeindruckend", sagt Bellmann. "Es ist egal, ob 1000 Menschen kommen oder nur 100. Wenn nur ein Einziger dabei ist, der für meinen Sohn oder für einen anderen Leukämiekranken als Spender infrage kommt, hat sich die Aktion gelohnt."

Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. "Weltweit gibt es 14 Millionen registrierte Personen, die zu einer Stammzellenspende bereit sind. Vier Millionen davon stammen aus Deutschland", berichtet Barbette Gebhardt von der DKMS. Jeder im Alter von 18 bis 55 Jahren kann sich in die Spenderdatei aufnehmen lassen. "Leukämie kann wirklich jeden treffen. Es gibt verschiedene Formen der Krankheit", erklärt Geb hardt. Daniel ist an einer seltenen Mischform erkrankt. "Die einzige Möglichkeit, ihn vom Blutkrebs zu befreien, ist die Stammzellenspende", ergänzt sie. In der Regel finden vier von fünf Erkrankten einen Spender. "Weil Daniel sehr seltene Gewebemerkmale hat, ist es schwierig, einen genetischen Zwilling zu finden", sagt Daniels Vater. "Das Verhältnis beträgt eins zu mehreren Millionen." Deshalb sei die Suche nach einem passenden Spender weltweit ausgedehnt worden. "Derzeit bekommt Daniel einen Chemoblock, der noch nie an einem Kind angewandt wurde. Für Mitte Oktober ist die Transplantation angesetzt", so Bellmann. Bis dahin hoffen Daniels Familie und die Ärzte, den passenden Spender gefunden zu haben.

Neben der Typisierung konnte am Sonnabend auch gespendet werden. Insgesamt kamen fast 3700 Euro für das Projekt "Daniel braucht Hilfe" zusammen, davon 1000 Euro von der Grundschule Schmarl.

>> HINTERGRUND: Daniel ist so tapfer

Daniel hat ein hartes Schicksal zu tragen, doch er kämpft. Am 10. Februar erhielt er die Diagnose Leukämie. Seither verbringt er die meiste Zeit im Krankenhaus und muss eine Chemotherapie nach der anderen über sich ergehen lassen. „Der letzte Chemoblock hat ihn sehr geschwächt. Er musste sich sehr oft übergeben, was Daniel hasst“, berichtet sein Vater Jörg Bellmann. Daniel braucht dringend einen Stammzellenspender. Er und seine Eltern geben die Hoffnung nicht auf. Im Oktober wird Daniel in die Onkologie nach Hamburg verlegt. Bis dahin soll sein genetischer Zwilling gefunden werden. „Alle Registrierungen bis zum 20. September werden mit Daniel abgeglichen“, so Bellmann. Wenn bis dahin noch kein Spender gefunden wurde, kommt nur Daniels Mutter als Spenderin infrage. Das Problem: Ihre Gewebemerkmale stimmen nur zu 50 Prozent mit Daniels überein.