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Rostock 8000 Vollzeit-Beschäftigte arbeiten für Niedriglohn

Von Victoria Flägel | 05.10.2020, 13:30 Uhr

Arm trotz Arbeit. In Rostock arbeiten 13 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor.

Derzeit arbeiten in Rostock 13 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 8000 Menschen erzielen trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle für Ostdeutschland von 1885 Euro brutto im Monat.

Darüber informierte die Gewerkschaft IG Bau am Montag. Die Zahlen gingen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.

„Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend.“
Jörg Reppin, Bezirksvorsitzender der IG Bau Mecklenburg

In der Region zählten unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde.

Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. „Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes“, sagte Jörg Reppin, Bundesvorsitzender der IG Bau Mecklenburg.

Corona-Pandemie verschärft Spaltung des Arbeitsmarkts

Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft. Beschäftigte im Handwerk könnten nur selten Homeoffice machen. Wegen hoher Mieten in den Städten müssten sie zudem oft weite Pendelwege in Kauf nehmen.

Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung profitieren von Mitbestimmung und Tarifautonomie auch die Firmen. In tarifgebundenen Unternehmen steige die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter.

Unternehmen und Politik seien in der Pflicht

Die Gewerkschaft ruft daher Unternehmen in Rostock dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen und nimmt auch die Politik in die Pflicht. „Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun“, sagte Reppin.

Er nannte das Beispiel des Maler- und Lackierer-Handwerks. Dort haben Gesellen Anspruch auf einen tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Lohnuntergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde.