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Rostock Ab 2013 rollt die neue Straßenbahn

Von Dana Bethkenhagen | 05.09.2012, 08:14 Uhr

Ab dem kommenden Sommer sollen neue, zu 100 Prozent ebenerdige Straßenbahnen durch Rostock rollen.

Die 13 bestellten Fahrzeuge werden nach und nach die Tatra-Triebwagen ersetzen, die derzeit noch im Einsatz sind. Jeden Monat etwa wird dann eine neue Bahn in Betrieb genommen. Bis Anfang 2014 soll der Austausch komplett vollzogen sein. Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) bereitet sich schon jetzt auf die anstehende Auslieferung vor und baut zurzeit alle kombinierten Bus- und Bahnhaltestellen um. Sie werden auf eine Höhe von 24 Zentimetern über der Gleisfläche angepasst. Damit haben am Ende alle Haltestellen im Netz der RSAG die gleiche Einstiegshöhe. Zudem werden auch die Busse umprogrammiert. So können die Fahrer künftig ganz individuell den Bus absenken. Diese Maßnahmen sollen die Barrierefreiheit an allen Haltestellen gewährleisten.

"Die Straßenbahnen werden immer tiefer gebaut", sagt Andreas Lüdtke, Abteilungsleiter bei der RSAG. Zudem befinde sich bei der neuen Generation der Straßenbahnen das Getriebe außerhalb des Radreifens, wodurch die Bahn an sich etwas breiter ist. Die neuen fünfteiligen Multigelenk-Triebfahrzeuge werden 32 Meter lang und 2,65 Meter breit sein. Allerdings reduziert sich im Bereich der Einstiegshöhe die Wagenbreite auf 2,30 Meter. Die große Herausforderung bei dem Umbau der kombinierten Haltestellen ist, dass sowohl Bus- als auch Bahnfahrer ebenerdig in das Transportmittel einsteigen und es wieder verlassen können.

Während die Bauarbeiten an der Haltestelle Evershagen Süd bereits abgeschlossen sind und die Station seit Montag wieder vollständig in Betrieb ist, wird nun am Saarplatz die Einstiegshöhe und die Form des Bordsteins verändert. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten an dieser Stelle folgen in diesem Jahr noch die Umbauten des Doberaner Platzes sowie der Parkstraße. Insgesamt werden 18 Haltepunkte bis zum Frühjahr 2014 angeglichen, von denen 13 nur von den Nachtbuslinien F1 und F2 angefahren werden. Wenn der Winter vorüber ist, sind auch die Haltestellen am Steintor an der Reihe.

Für Bruno Olms bedeuten diese Neuer ungen, dass er endlich problemlos mit dem Bus fahren kann. Der 73-Jährige sitzt im Rollstuhl und konnte bisher nicht überall ohne Hilfe aus dem Bus ein- oder aussteigen. "Für mich ist entscheidend, dass ich wirklich überall rein- und rauskomme - sonst fahre ich erst gar nicht los", sagt der Rostocker. Auch für Angela Schulz sind diese Baumaßnahmen entscheidend. Sie sitzt im Rollstuhl und möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Dazu gehört auch, dass sie allein und ohne Hilfe Bus und Bahn fahren kann. "Inklusion ist hier keine Illusion mehr", urteilt die 55-Jährige. Sie ist froh, dass den Versprechen auch Taten folgen. Sie hatte befürchtet, dass durch den Einsatz der neuen Straßenbahnen für sie ein Nachteil entstehen könnte.

Der technische Vorstand der RSAG, Michael Schroeder, zeigt sich ebenso zufrieden: "Wir haben eine optimale Lösung für die kombinierten Haltestellen gefunden und setzen diese nun um." Die Vorfreude auf die neuen Straßenbahnen wächst nun auch bei ihm. Sie zeichnen sich durch einen besonders niedrigen Energieverbrauch aus. Auf dem Fahrzeugdach befinden sich Hochleistungskondensatoren, die die beim Bremsen entstehende Energie speichern, anstatt sie in Wärme umzuwandeln. Die Unternehmen Vossloh Kiepe aus Düsseldorf und Vossloh Rail Vehicles aus Valencia fertigen die neuen Straßenbahnen an.