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Rostock Abgeordneter der Bürgerschaft stürzt über Hanfzucht

Von Torben Hinz | 30.07.2018, 18:57 Uhr

Grünen-Politiker Henning Wüstemann lässt nach Wasserschaden sein Bürgerschaftsmandat ruhen

Am 20. Juli haben Polizisten eine professionelle Hanfplantage in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt ausgehoben. Jetzt ist bestätigt: Züchter war Henning Wüstemann, der für die Grünen in der Rostocker Bürgerschaft sitzt. Er zieht nun die Konsequenzen aus dem Verstoß gegen das Gesetz und will sein Mandat ab sofort ruhen lassen. Dies schließe auch die Mitwirkung in allen Gremien der Bürgerschaft sowie kommunalen Aufsichtsgremien ein, erklärt seine Fraktion.

Aufgeflogen war Wüstemanns Zucht durch einen Wasserschaden. Der 33-Jährige hatte in einem Wohnhaus einen Lagerraum angemietet und dort zwei Indoorgewächshäuser eingerichtet. In diesen baute er insgesamt acht Cannabispflanzen an.  Aufgrund eines Defekts an der Versorgungsleitung tropfte das Wasser in die darunter liegenden Räume, weswegen  der Lagerraum aufgebrochen und die kleine Plantage entdeckt wurde. „Die Hanfpflanzen dienten ausschließlich meinem persönlichen Bedarf“, sagt Wüstemann. „Dennoch habe ich damit gegen das Gesetz verstoßen und bereue diesen Fehler aufrichtig.“

Bis zur grundsätzlichen Klärung seines Falls werde er seine politischen Aktivitäten einstellen, um „die Arbeit der Fraktion und der Bürgerschaft nicht zu belasten. Mit den Behörden werde ich in dieser Sache voll kooperieren.“ Dafür erhält der 33-Jährige Lob von seinem Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Zwar würden die Grünen sich für eine begrenzte Legalisierung von Cannabis für den Eigenbedarf einsetzen, allerdings gelte die bestehende Gesetzeslage, so Flachsmeyer. „Wir begrüßen es, dass Henning Wüstemann zu seinem Fehler steht und zur Aufklärung beitragen möchte. Zur politischen Verantwortung gehört, das Mandat bis zum Ende des Verfahrens ruhen zu lassen“, sagt er.

Kritik an Wüstemann kommt auch vom geschassten Ex-AfD-Landeschef Holger Arppe, der selbst erst im Mai wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Er mutmaßt „eine Art Pablo Escobar“.  Der Grüne habe sich als „Drogenbaron“ entpuppt und mit seinen acht Pflanzen „Drogenkriminalität in großem Stil“ betrieben.

Wüstemann sitzt seit 2016 in der Bürgerschaft, ist Vorsitzender des Kulturausschusses und Mitglied im Finanzausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss sowie im Ortsbeirat Südstadt. Er sitzt  im Wiro-Aufsichtsrat und im Verwaltungsrat der Ostseesparkasse Rostock.