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Schmarl Alle neun Sinfonien an vier Abenden

Von Redaktion svz.de | 30.06.2013, 06:46 Uhr

Für das Ende der Konzertsaison hat sich Generalmusikdirektor Florian Krumpöck mit der Norddeutschen Philharmonie ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen: die Aufführung aller neun Beethoven-Sinfonien an vier Abenden hintereinander.

Nachdem er als Pianist bereits zweimal sämtliche 32 Klaviersonaten Beethovens in kompakter Form aufgeführt hat, sollten es nun dessen Sinfonien sein.

Für das Zyklische in der Musik habe er besonderes Interesse, formulierte der Dirigent, weil es die Entwicklung sowohl der Persönlichkeit des Komponisten demonstriere wie auch die Entwicklung der Gattung Sinfonie. Dennoch durchbrach er die chronologische Reihe in der Aufführung und ordnete die Werke eher nach ihren musikalischen Charakteren. So stand die jugendliche Erste neben der schicksalhaften Fünften, die Zweite neben der Neunten.

Als Aufführungsort wählte Krumpöck die Freilichtbühne im IGA-Park. Zwar bot ihm das Zeltdach eine erstaunlich gute Akustik, doch musste er sich dort dem Wetter unterwerfen. Das schloss sich dem musikalischen Konzept an und brachte den ganzen Zyklus seiner sommerlichen Attacken ein: Am ersten Abend prasselte der Regen derart auf das Zelt, dass die leisen Passagen der 5. Sinfonie gar nicht mehr zu hören waren. Das aber verstärkte bei den Zuhörern den Eindruck des Schicksalhaften, dass sie vor Begeisterung über die Gesamtwirkung ganz außer sich gerieten. Passend zur Pastoralsinfonie strahlte am dritten Abend hingegen die Sommersonne. Wie an den Vortagen ließ sich das Publikum auch zur letzten Aufführung am Freitag nur wenig vom Wetter beeindrucken. Gespielt wurden die beiden Sinfonien in D. Darin stellte Krumpöck den "Titan" Beethoven heraus: kraftvolles Forte wie gemeißelt, harte, unnachgiebige Akzente, kämpferisch drängende Tempi. Die musikalischen Gesten der 2. Sinfonie in D-Dur zeigen zwar, dass der Komponist elegant und witzig sein konnte, doch ließ der Dirigent nur dem langsamen Satz sanften Charme und dem Finale neben Kraft auch rasante Spielfreude.

Auch die Neunte mit Solisten und Chor zeichnete er mit starken Konturen. So entstand ein Bild hart wie ein Holzschnitt, der den Kontrast von Schwarz und Weiß bevorzugt. Darauf waren Opernchor und Singakademie in der Einstudierung von Stefan Bilz bestens vorbereitet. Eisern standen die Soprane die marternden Höhen durch, prägnant suchte der Männerchor nach dem Vater überm Sternenzelt. Von den Solisten konnten sich Jamila Raimbekova mit scharfem Sopran und Florian Spiess mit volltönendem Bass gut durchsetzen. Der Tenor Garrie Davislim musste alles an Kraft geben, um sich im Schlachtgetümmel der Instrumente hörbar zu machen. Darauf verzichtete die Mezzosopranistin Takako Onodera und ging nicht über das Maß des schönen Klanges ihrer Stimme hinaus. Am Schluss gab es großen Jubel und langen stehenden Applaus.