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Norddeutsche Neueste Nachrichten Allein gelassen

Von Corinna Pfaff | 17.10.2007, 08:36 Uhr

Hohe Kosten, wenig Zeit und Aufmerksamkeit für den Patienten, unzureichende Beratung - es gibt durchaus Gründe, sich über das Gesundheitssystem zu ärgern.

Auch Ärzte stehen längst nicht mehr als "Halbgötter in weiß" unangefochten außerhalb jeder Kritik. Und Kritik zu üben, ist freilich das gute Recht des Patienten, dem die Gesundheit lieb und inzwischen auch teuer ist. Doch darf Kritik nicht in Gewalt münden. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Was aber, wenn der nicht funktioniert? Was im Mai in der Schweriner Praxis geschah, war eine Tragödie. Vor allem für die Ärztin, die nur knapp dem Tod entrann. Doch, wie sich jetzt herausstellt, wohl auch für den alten Mann, der wie besessen auf die Medizinerin losging. Sein Menschenverstand ist schwer krank, befand nun ein Psychiater im gerichtlichen Gutachten. Die Ärztin ahnte das wohl und bat den sozialpsychiatrischen Dienst um Hilfe. Doch die Behörde reagierte zu spät. Die Polizei verhängte ein Hausverbot. Das ignorierte der Rentner. Die Ärztin und ihre Mitarbeiterinnen fühlten sich allein gelassen. Hätte die schreckliche Tat verhindert werden können? In einer Zeit, in der alles auf Effizienz ausgerichtet ist, bleibt wenig Aufmerksamkeit für Problemfälle. Möglich, dass der 74-Jährige nun für den Rest seines Lebens in der Psychiatrie bleiben muss. Zum Schutz seiner Mitmenschen. Und wohl auch zu seinem eigenen.